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Es gibt torlose Spiele, die man schnell vergisst, und es gibt jene, bei denen man sich fragt, wie bitte kein Ball ins Netz gefunden hat. Das 0:0 zwischen dem SV Mödling und dem FC Höchst gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie - ein Abend voller Chancen, Emotionen und kleiner Dramen, aber ohne den entscheidenden Jubelschrei. Vor 20.027 Zuschauern in Mödling legten beide Teams am 25. Spieltag der 2. Liga Österreich einen beherzten Auftritt hin. Der SV Mödling, unter der Leitung von Herbert Sax, kontrollierte mit 55 Prozent Ballbesitz das Geschehen, während FC-Höchst-Coach Ronnie Ekström seine Jungs auf schnelle Umschaltmomente einschwor. Das Ergebnis: 20 Torschüsse, 20 Mal Herzrasen, 0 Mal Tor. Schon in der ersten Minute prüfte Robert Bossong vom FC Höchst den Mödlinger Keeper Jeremei Iwanow - ein Warnschuss, der zeigte, dass die Gäste nichts herschenken wollten. Vier Minuten später antwortete Archie Nolan mit einem Schuss aus zweiter Reihe, der knapp über die Latte rauschte. "Ich hab schon zum Jubeln angesetzt", grinste Mödling-Coach Sax danach, "aber dann hat der Ball wohl beschlossen, es spannend zu machen." Bossong blieb ein Aktivposten. Zwischen der 27. und 45. Minute feuerte der 21-Jährige gleich drei Mal auf den Kasten, doch Iwanow hatte offenbar magnetische Handschuhe. "Ich dachte, ich hätte ihn endlich geknackt", fluchte Bossong nach dem Spiel halb lachend, halb verzweifelt. "Aber der Typ hat heute wohl Klebstoff an den Fingern." Mödling hatte seinerseits durch Fabian Rausch (8. und 40. Minute) und den 17-jährigen Nachwuchsstürmer José Enrique Roi (59., 66., 69.) mehrere verheißungsvolle Möglichkeiten. Roi, der mit jugendlicher Unbekümmertheit in die Partie kam, ballerte einmal so knapp neben den Pfosten, dass Trainer Sax kurz die Luft anhielt. "Ich hab ihm danach gesagt, beim nächsten Mal soll er einfach den Pfosten mitnehmen - dann ist der Ball sicher drin", witzelte der Coach. Eine unschöne Szene ereignete sich in der 36. Minute: Mödling-Verteidiger Wilhelm Fuchs musste verletzt raus, nachdem er in einem Zweikampf unglücklich umgeknickt war. Vicente Zuloaga kam für ihn ins Spiel und brachte Stabilität in die Abwehr, doch der Schrecken saß kurz tief. "Er hat sich das Sprunggelenk verdreht, nichts Dramatisches", beruhigte Sax später. FC Höchst wechselte in der zweiten Hälfte frischer, brachte unter anderem Jacques Edgecomb ins Zentrum des Angriffs. Der 26-Jährige sorgte in der 81. und 89. Minute für zwei gefährliche Szenen, die das Publikum aufschrecken ließen. Doch auch er scheiterte am glänzend aufgelegten Iwanow - und einmal an seinen eigenen Nerven. "Das war so ein Moment, da hörst du das Tor schon klingeln - und dann macht’s nur ’Plopp’", sagte Edgecomb und zeigte mit den Händen, wie der Ball über den Spann rutschte. Zwei Gelbe Karten zückte der Schiedsrichter: Timm Schreiner (56.) und Jakob Feldmann (77.) von Höchst sahen Gelb für rustikale Aktionen, die man freundlich als "übermotiviert" bezeichnen könnte. Trainer Ekström kommentierte trocken: "Wir wollten ja Druck machen, aber nicht gleich Möbelrücken spielen." Statistisch war das Spiel ausgeglichen - 9:11 Torschüsse, 48 zu 52 Prozent Zweikampfquote, kaum Fehlpässe. Nur das eine entscheidende Element fehlte: das Tor. Selbst in der Nachspielzeit, als Ashton Featherstone für Mödling aus 20 Metern abzog (91.), blieb der Ball brav im Besitz der Zuschauerkinder hinter dem Tor. Beide Trainer gaben sich nach Schlusspfiff versöhnlich. "Wenn du so viele Chancen siehst, aber keine nutzt, musst du’s nehmen wie einen schlechten Witz", meinte Sax. Ekström hingegen sah’s philosophisch: "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt mehr, als wir letztes Jahr hier hatten. Fortschritt in Zeitlupe ist auch Fortschritt." Und so endete ein 0:0, das keineswegs langweilig war. Es hatte Tempo, Emotion und jugendlichen Leichtsinn - nur eben keine Tore. Die Fans gingen trotzdem nicht unzufrieden nach Hause, schließlich gab’s genug Gesprächsstoff für den Stammtisch. Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen das Runde das Eckige nur neckisch umkreist, aber nie wirklich hineinwill. Oder, wie Mödling-Kapitän Fabian Rausch es formulierte: "Manchmal ist Fußball wie ein Flirt - viel Spannung, aber am Ende bleibt’s beim Händedruck." 04.11.643987 10:58 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus