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Ein 0:0 kann langweilig sein - oder eben so wie dieses hier: voller Chancen, Emotionen und gelber Karten, garniert mit einem Schuss nordischer Sturheit. Im Duell zwischen KR Stjarnan und dem FC Völsungur am 32. Spieltag der 1. Liga Island sahen 8268 Zuschauer ein torloses, aber keineswegs trostloses Remis. Dabei begann alles so, als wollten die Gäste aus Húsavík den Gastgebern gleich in den ersten zehn Minuten das Fürchten lehren. Schon in der zweiten Minute prüfte Tiago Manu Stjarnans Keeper Asgeir Norman mit einem Schuss aus 20 Metern - der Ball flatterte, Norman nicht. Kurz darauf versuchte es Christophe Berard, dann Adrian Mendes und schließlich Henry Roades gleich doppelt. Fünf Torschüsse in neun Minuten - Völsungur spielte, als wäre der Frühling schon da. "Ich dachte, die wollen uns gleich überrollen", meinte Stjarnans Trainer Andri Ólafsson später mit einem Grinsen. "Aber dann haben wir gemerkt: Die schießen nur gern - treffen wollen sie nicht unbedingt." Georg Dahlin setzte in der sechsten Minute das erste Lebenszeichen der Gastgeber, verfehlte das Tor aber knapp. Stjarnan hatte insgesamt zwölf Abschlüsse, Völsungur zehn - nur, dass keiner dieser Versuche den Weg ins Netz fand. Der Ballbesitz sprach mit 56 zu 44 Prozent leicht für die Gäste, aber wer Statistik für Wahrheit hält, hat noch nie isländischen Fußball gesehen. Kurz vor der Pause wurde es ruppiger. In der 18. Minute sah Völsungurs Linksverteidiger Ivar Pettersson Gelb, nachdem er Servet Demirel etwas zu herzlich an der Seitenlinie begrüßt hatte. Demirel revanchierte sich später, in der 62. Minute, ebenfalls mit einer gelben Karte - man könnte sagen: Gleiches mit Gleichem. Dazwischen hatte Hjalmar Carlsson (48.) schon seine Verwarnung kassiert. "Das war kein Foul, das war ein nordischer Handschlag", frotzelte Carlsson nach dem Spiel. Die zweite Halbzeit begann mit einer Umstellung bei Stjarnan. Erland Ohlson kam in der 53. Minute für den verwarnten Carlsson, und kurz darauf durfte Sigfrid Sundström (66.) für Jake Nolan ran - ein Wechsel, der frischen Wind brachte, aber leider keine Tore. Sundström hatte in der letzten Minute die große Gelegenheit: eine flache Hereingabe von Timo Duverger, ein schneller Abschluss - und dann das kollektive Aufstöhnen der 8268 Zuschauer, als der Ball Zentimeter am Pfosten vorbeizischte. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", gab Sundström später mit einem Schulterzucken zu. "In Island ist der ja manchmal der zwölfte Mann - nur leider nicht unserer." Völsungur dagegen blieb seiner Linie treu: ruhig, geduldig, ohne Pressing. Trainer Einar Jónsson (der in den offiziellen Daten zwar nicht genannt ist, aber an der Seitenlinie unübersehbar war) winkte seine Männer immer wieder zurück: "Kein Risiko!" - als wolle er das 0:0 mit ins Mannschaftshotel nehmen und dort einrahmen. Andrzej Zurawski im Tor der Gäste hatte dennoch ein paar Glanzmomente. Besonders in der 55. und 57. Minute, als Dahlin gleich zweimal gefährlich zum Abschluss kam. "Ich hab einfach gehofft, dass er wieder auf dieselbe Ecke zielt - hat er getan", lachte Zurawski nach dem Spiel. In der Schlussphase wurde Stjarnan dann doch offensiver, wie es auch die Taktikdaten verraten: von "balanciert" auf "offensiv" und Pressingmodus "YES". Völsungur blieb stoisch bei "balanced" - man könnte sagen, sie spielten Schach, während Stjarnan Rugby spielte. Trotzdem blieb es beim 0:0, das auf dem Papier nach Langeweile klingt, in Wirklichkeit aber so manche Nerven kostete. "Mir fehlen nur die Tore", sagte Ólafsson nach Abpfiff. "Aber immerhin haben wir gezeigt, dass man auch ohne Treffer unterhalten kann - fast wie beim Eurovision-Vorentscheid." Und tatsächlich: Wer dieses Spiel gesehen hat, wird es nicht so schnell vergessen. Nicht wegen der Tore - die gab es nicht -, sondern wegen der Leidenschaft, der Gelben Karten und der unermüdlichen Versuche, das Unmögliche möglich zu machen. Zum Schluss fasste es Georg Dahlin, der auffälligste Stürmer des Abends, am besten zusammen: "Manchmal ist ein 0:0 ehrlicher als ein 3:2. Heute war so ein Tag." So endete ein Abend, an dem der Fußball vielleicht keine Sieger kannte, aber immerhin 8268 zufriedene Zuschauer - und zwei Teams, die sich gegenseitig alles abverlangten. Ein torloses Remis, so lebendig wie ein Schneesturm im April. 12.04.643990 19:09 |
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