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Das Estadio de la Mar in Santa Eulalia bebte schon vor dem Anpfiff. 56.368 Zuschauer wollten sehen, ob die Aufsteiger aus der Provinz den großen Blancos Madrid ein Bein stellen könnten. Am Ende stand ein 0:0 - aber eines der Sorte, bei dem man sich fragt, warum eigentlich keine Tore fielen. Von der ersten Minute an war Dampf drin. Kaum hatte Schiedsrichter Alvarez angepfiffen, rauschte Martin Gil von Santa Eulalia in den ersten Zweikampf - und sah prompt Gelb. "Ich wollte nur gleich zeigen, dass wir keine Angst haben", grinste der 23-Jährige später. Angst? Eher Übermut. Doch das Publikum liebte es. Die Madrilenen begannen wie erwartet offensiv. Nuri Tekke prüfte Heimkeeper Esteban Figo schon in der zweiten Minute mit einem satten Linksschuss. "Ich dachte kurz, der Ball sei drin", gab Gästetrainer Reto Klopfenstein später zu, "aber Figo hat ihn wohl mit dem Ohrläppchen gehalten." Santa Eulalia, von Coach Dede Dedede defensiv eingestellt, überließ den Blancos den Ball - und konterte mit Herz und langen Beinen. Josef Bischara, der bullige Mittelstürmer, war ständig in Bewegung. In der neunten Minute zog er aus 18 Metern ab, knapp vorbei. "Ich hab’ den Wind falsch eingeschätzt", erklärte er und schmunzelte, "oder das Tor ist kleiner als in Madrid." Bis zur Pause blieb es beim torlosen Schlagabtausch. Santa Eulalia hatte leichte Vorteile im Ballbesitz (53 Prozent) und deutlich mehr Torschüsse (16 insgesamt), doch die Präzision ließ zu wünschen übrig. Die Gäste kamen auf 7 Abschlüsse - und jedes Mal war Esteban Figo zur Stelle, der später in der 75. Minute verletzungsbedingt gegen Diego Simao ausgewechselt wurde. In der Pause, so munkelte man auf der Tribüne, habe Dedede seinen Spielern gesagt: "Wenn ihr schon kein Tor trefft, dann lauft wenigstens schön." Und tatsächlich: In der zweiten Halbzeit rannten sie, als gäbe es Punkte fürs Kilometerfressen. Javi Galan scheiterte mit einem Distanzhammer (53.), Tomas Zabavnik zirkelte den Ball in der 70. Minute haarscharf am Pfosten vorbei, und Bischara hatte in der 85. Minute noch einmal den Sieg auf dem Fuß - aber Blancos-Keeper Lars Unger hielt überragend. "Das war wie ein Date mit einer schönen Frau, das nie über den Smalltalk hinauskommt", seufzte Bischara nach Abpfiff. "Alles schön, aber irgendwie unbefriedigend." Auch Reto Klopfenstein, der Madrider Trainer, zeigte sich zwiegespalten: "Wir wollten früh Druck machen, aber Santa Eulalia hat sich hinten eingegraben wie ein Kaktus in der Wüste. Da war kein Durchkommen." Sein Gegenüber Dedede grinste dazu nur: "Ein Punkt gegen Madrid? Ich bestelle heute die teuerste Pizza der Stadt." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: Santa Eulalia mit 53 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüssen, drei Gelben Karten (Gil, Hunt, Baiao) - die Blancos mit 7 Schüssen, einer Gelben (Mendes) und leicht hängenden Köpfen. Doch beide Seiten konnten sich auf ihre Torhüter verlassen. Und was war eigentlich mit Nuri Tekke, dem auffälligsten Madrider Angreifer? Der wurde in der 73. Minute ausgewechselt, nachdem er zuvor drei Mal gefährlich abgeschlossen hatte. "Ich hatte noch Sprit im Tank", sagte er leicht genervt, "aber der Trainer wollte wohl lieber Taktik als Risiko." Klopfenstein konterte trocken: "Wir wollten kein Feuerwerk, sondern Punkte. Leider haben wir beides nicht bekommen." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - und einem ironischen Pfeifkonzert für den Schiedsrichter, der sich in der Nachspielzeit weigerte, einen vermeintlichen Handelfmeter für Santa Eulalia zu geben. "Hand? Vielleicht, aber eher vom lieben Gott", kommentierte Dedede süffisant. So bleibt ein torloses, aber keineswegs langweiliges Remis in Erinnerung - ein Spiel, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr fesselt als Tore. Santa Eulalia kann stolz sein, die Blancos ratlos, und die Liga freut sich über einen Aufsteiger, der offenbar nicht nur zum Mitspielen gekommen ist. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn 0:0 so aussieht, will ich nie wieder 5:4 sehen." 11.11.643993 14:59 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler