Außenseiter
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Nullnummer mit Unterhaltungswert - Kickers und Rostock trennen sich 0:0

Ein Abendspiel im Februar, Flutlicht über Degerloch, 3385 Zuschauer mit warmer Jacke und kalten Füßen - und am Ende ein torloses Remis, das erstaunlich kurzweilig war. Die Stuttgarter Kickers und Empor Rostock trennten sich am 6. Spieltag der Oberliga F mit 0:0, lieferten sich dabei aber ein Duell, das eher an einen Boxkampf mit Wattehandschuhen erinnerte - viele Schläge, kein Treffer.

Dabei begann alles vielversprechend. Schon in der sechsten Minute prüfte Marcel Bender den Rostocker Keeper Uwe Kühn mit einem satten Schuss, Sekunden später versuchte es Gabri Arias - beide Male hieß die Antwort: "Nicht mit mir." Kühn flog wie ein Mann, der im Sommerurlaub Liegestütze für die Ewigkeit trainiert hat. "Ich war einfach gut drauf", grinste der Rostocker Schlussmann später. "Vielleicht lag’s am Kaffee vor dem Spiel."

Empor Rostock ließ sich nicht lange bitten. Lars Schumacher (8.) und Simon Kessler (13.) konterten mit eigenen Abschlüssen, ehe Bernt Riedel (17.) und Linus Weber (18.) das Kickers-Tor unter Dauerbeschuss nahmen. Torwart Damian Antonio hielt mit stoischer Ruhe - und vermutlich leichtem Herzklopfen. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zuflog", scherzte er nach der Partie.

Die erste Halbzeit endete, wie sie begonnen hatte: mit viel Bewegung, aber ohne Zählbares. Die Statistik sprach Bände - 6:5 Torschüsse für Rostock, Ballbesitz fast pari (51 zu 49 Prozent). Nur ein Eintrag stach aus der Neutralität heraus: Christoph Hesse sah kurz nach Wiederanpfiff Gelb (46.), nachdem er es mit der "kreativen Zweikampfführung" etwas übertrieben hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er, "der Ball war halt schneller."

In Halbzeit zwei versuchten beide Teams, das Gleichgewicht zu kippen. Pierre Beauvilliers prüfte Kühn (49.), Luka Brenner (58., 78.) schoss aus allen Lagen, während Maik Haase auf der Gegenseite (48., 83.) an Antonio scheiterte. Besonders auffällig: Kickers-Stürmer Marcel Bender, der in der ersten halben Stunde gleich vier Mal den Abschluss suchte (6., 22., 26., 31./32.) - und jedes Mal knapp vorbei. Nach dem Schlusspfiff meinte er augenzwinkernd: "Ich wollte den Ball halt schön ins Eck malen, nicht einfach reinknallen."

Trainer Johan Johansson von Empor Rostock zeigte sich nach dem Spiel halb zufrieden, halb frustriert: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Chancen, aber am Ende auch mehr Leerlauf. Trotzdem: ein Punkt in Stuttgart ist nie schlecht." Sein Gegenüber - nennen wir ihn den Kickers-Coach, denn er wollte lieber anonym bleiben ("Ich mag’s, wenn die Presse rätselt") - konterte trocken: "Wenn man kein Tor kriegt, hat man nicht alles falsch gemacht. Wenn man keins schießt, aber auch nicht alles richtig."

Taktisch konnte man beiden Teams keinen großen Wurf vorwerfen - oder anrechnen. Beide agierten über 90 Minuten mit ausgewogener Ausrichtung, ohne extremes Pressing, mit ruhigem Passspiel. Kurz: Es war ein Spiel für Liebhaber der strukturierten Langeweile, gewürzt mit elf gegen zwölf Torschüssen.

In der Schlussphase wurde’s trotzdem noch einmal hitzig. Rostocks Riedel (72.) zog aus 25 Metern ab, der Ball zischte knapp über die Latte, während Noah Gebhardt (74.) auf der Gegenseite Kühn zu einer Glanzparade zwang. Die Zuschauer sprangen auf, als wäre eben das Siegtor gefallen - nur, um sich Sekunden später mit einem kollektiven "Ach schade" wieder zu setzen.

So blieb es beim 0:0, einem Ergebnis, das nüchtern betrachtet gerecht war. Beide Teams neutralisierten sich - Rostock leicht feldüberlegen, Stuttgart griffiger in den Zweikämpfen, aber am Ende ohne Durchschlagskraft. Der Ballbesitz von 51 zu 49 Prozent liest sich wie das Drehbuch des Abends: fast alles ausgeglichen, nur die Tore fehlten.

Ein älterer Kickers-Fan auf der Haupttribüne brachte es nach Schlusspfiff charmant auf den Punkt: "War nix, aber immerhin spannend." Und vielleicht ist das die schönste Zusammenfassung dieses Abends.

Schlusswort: In einer Liga, in der oft das Chaos regiert, war dieses 0:0 fast schon meditativ. Kein Spektakel, kein Skandal, keine Schlagzeile - aber ehrlicher Fußball. Und manchmal, das wissen die Romantiker unter uns, ist ein gepflegtes 0:0 eben auch ein kleines Gedicht.

27.07.643990 02:04
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf. Männer müssen das akzeptieren.
Lothar Matthäus
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager