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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, gerecht, oder schlicht absurd. Das Duell zwischen dem SV Hallwang und dem SV Waidhofen am 25. Spieltag der 2. Liga Österreich war ein bisschen von allem. 25.560 Zuschauer sahen 90 Minuten, in denen die Hausherren alles versuchten - und doch nichts Zählbares zustande brachten. Schon nach fünf Minuten zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde: Larz Groesbeck prüfte Waidhofens Keeper Markus Stumpf mit einem satten Linksschuss, der Torhüter lenkte den Ball spektakulär über die Latte. Drei Minuten später dasselbe Bild - Groesbeck wieder, Stumpf wieder, Latte wieder. "Ich habe irgendwann angefangen, ihm zuzuzwinkern", scherzte Groesbeck nach dem Spiel. "Vielleicht wäre dann ja einer reingegangen." Trainer Mario Kasztner an der Seitenlinie sah das naturgemäß weniger romantisch. "Wir haben 17 Torschüsse, und keiner will rein. Da frag ich mich schon, ob der Ball eckig ist." Besonders aktiv: Günter Schulz, der unermüdlich über links kam, flankte, schoss, dribbelte - und scheiterte. In der 13., 16., 33., 46., 53., 63. und 66. Minute stand sein Name auf dem Statistikbogen unter "Torschuss". Das ist fast schon eine Bewerbung für den Titel "Fleißigster Pechvogel der Liga". Als ihn Kasztner in der 75. Minute vom Feld nahm, klatschte das Publikum anerkennend. "Ich hab dem Günter gesagt, er soll’s mal mit der rechten probieren - aber der Ball wollte einfach nicht hören", grinste der Coach später. Waidhofen dagegen kam nur selten gefährlich nach vorne - sieben Abschlüsse insgesamt, meist aus der zweiten Reihe. Leon Breuer (19. und 93. Minute) sowie Walther Klose (28., 77. und 86.) versuchten, Slobodan Komljenovic im Hallwanger Tor zu überwinden, doch der Routinier hatte einen ruhigen Abend. "Ich hab mehr gefroren als gehalten", meinte er trocken, während er sich in die Decke wickelte. Taktisch war das Spiel ein Spiegelbild der Statistik: Hallwang mit 51,8 Prozent Ballbesitz, leichtem Übergewicht im Mittelfeld, klarer Zweikampfsieger (54 Prozent gewonnene Duelle). Waidhofen stand tief, lauerte, presste kaum - ein Lehrbuchbeispiel für das "Wir nehmen einen Punkt gern mit"-Konzept. Kurz nach der Pause kam frischer Wind: Lubomir Zabavnik, zur Halbzeit für Christian Lefebvre eingewechselt, brachte Tempo über rechts und prüfte Stumpf in der 67. und 74. Minute. Der junge Slowake, erst 21, zeigte, warum man bei Hallwang große Stücke auf ihn hält. "Wenn der mal trifft, dann kracht’s richtig", meinte Mitspieler Timotheos Argyros, der in der 87. Minute selbst noch einmal am Außennetz scheiterte. In der Schlussphase standen die 17-jährigen Talente Leon Link und Swen Preuss im Rampenlicht - beide aus der Hallwanger Nachwuchsakademie. Preuss, rechts hinten mit Offensivdrang, zog in Minute 84 einfach mal ab. Der Ball rauschte knapp vorbei, Trainer Kasztner rief ihm lachend zu: "Das war Absicht, oder?" Waidhofen-Coach - der in den Unterlagen nicht namentlich geführt war, aber offenbar ein Meister der Unauffälligkeit - wirkte nach dem Abpfiff zufrieden: "Ein 0:0 auswärts gegen so eine Mannschaft, das schmeckt. Wir wollten kompakt bleiben, das ist uns gelungen." Seine Spieler nickten und grinsten - vermutlich, weil sie wussten, dass sie hier einen Punkt gestohlen hatten. Für Hallwang bleibt die Erkenntnis: 17 Schüsse, 52 Prozent Ballbesitz, null Tore - das ist die Sorte Statistik, die man lieber in der Schublade lässt. "Wir brauchen einfach mal ein dreckiges Tor", seufzte Kapitän Schulz, "so einen Abpraller vom Rücken oder einen Windstoß ins Glück." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft trotzdem mit Applaus. Es war ein 0:0, ja - aber eines mit reichlich Feuer, Frust und ein paar Momenten zum Schmunzeln. Vielleicht war es am Ende gar kein verlorener Sieg, sondern ein gewonnener Charaktertest. Und wer weiß - wenn der Ball nächste Woche wieder rund ist, könnte das Toreschießen auch in Hallwang wieder erfunden werden. 04.11.643987 13:10 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus