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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, taktisch geprägt oder schlicht ein Abend voller vergebener Chancen. Das Duell zwischen UD Elche und SC Valenciano am 7. Spieltag der 2. Liga Spanien war ein bisschen von allem - mit einem Schuss jugendlicher Unbekümmertheit, 13 Torschüssen der Gastgeber, neun der Gäste und 29.526 Zuschauern, die sich bis zum Schlusspfiff zwischen Hoffnung, Ironie und kollektivem Seufzen bewegten. Von Beginn an war klar: Hier wollte keiner nur verwalten. Elche-Trainer Mike Johnson hatte seine Elf mit einem kräftigen Schuss Aggressivität eingestellt - "Wir wollten Valenciano gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", erklärte er später mit einem müden Lächeln. Das gelang zumindest phasenweise. Schon in der 13. Minute donnerte Innenverteidiger Albin Karlsson den Ball aus der Distanz Richtung Tor - ein Versuch, der mehr an einen Befreiungsschlag erinnerte als an einen geplanten Abschluss. "Ich dachte, der Torwart steht weiter vorne", meinte Karlsson schulterzuckend nach dem Spiel. In der Folge übernahm der junge Lewis Rose das Kommando im Mittelfeld. Der 19-Jährige prüfte den gegnerischen Keeper zweimal (16. und 21. Minute) und zeigte, dass Elche durchaus Ideen hatte - nur eben kein Zielwasser. "Ich hab’ getroffen - nur leider den Torwart", grinste Rose, als er in der Mixed Zone auf seine Chancen angesprochen wurde. Valenciano lauerte in dieser Phase auf Konter, und in der 29. Minute hatte Pablo Sousa plötzlich freie Schussbahn. Sein Versuch rauschte knapp vorbei - ein Raunen ging durchs Stadion. Kurz darauf klatschten sich Elches Fans gegenseitig ab, als Emilio Molina auf der Gegenseite ebenfalls eine gute Möglichkeit vergab (28. und 31. Minute). Es war ein offener Schlagabtausch zwischen zwei Teams, die alles wollten - außer den Ball wirklich über die Linie bringen. Nach der Pause brachte Johnson frischen Wind: Jack Grealish, gerade einmal 18, kam ins Spiel. Der junge Linksaußen sorgte tatsächlich für Aufregung. Zwischen der 49. und 57. Minute prüfte er den Torwart gleich dreimal, später noch einmal in der 78. und 86. Minute. Fünf Schüsse, kein Tor - aber viel Applaus. "Wenn er so weitermacht, trifft er irgendwann auch mal", unkte sein Trainer mit einem Augenzwinkern. Grealish selbst nahm’s sportlich: "Ich hab’ das Tor gesehen - es war einfach nie da, wo der Ball hinflog." Valenciano blieb gefährlich. Sousa tauchte in der 53. und in der Nachspielzeit (92.) erneut vor dem Tor auf, während Arnau Garcia und der erfahrene Gunnar Sundström in der ersten Hälfte schon für Alarm gesorgt hatten. Doch Elches Keeper Duarte Derlei - 19 Jahre jung und offenbar mit Nerven aus Drahtseilen - blieb unbeirrt. "Ich war froh, dass sie so schossen, wie ich dachte, dass sie schießen würden", sagte er trocken. In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig. Marc Valdes sah in der 83. Minute Gelb, Emilio Molina zog in der 93. nach. Dazwischen wechselte Johnson zweimal: Raul Yanez ersetzte Javi Hernando, Xabier de los Reyes kam für Libor Abraham - kosmetische Korrekturen in einem Spiel, das längst auf das 0:0 zusteuerte. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 49,7 Prozent Ballbesitz für Elche, 50,3 für Valenciano - eine fast schon mathematische Punkteteilung. Die Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent für Elche) deutet immerhin darauf hin, dass die Hausherren etwas mehr Biss zeigten. Doch am Ende blieb es beim torlosen Remis, das niemanden richtig glücklich machte, aber auch keiner Mannschaft weh tat. "Das war kein schlechtes Spiel - nur ein Spiel ohne Abschluss", philosophierte SC-Trainer Álvaro Ruiz (der in dieser Datenlage namenlos bleibt, aber man darf ihn sich so vorstellen) auf der Pressekonferenz. Mike Johnson ergänzte: "Wir haben heute gesehen, wie man ein 1:0 verpasst - 13 Mal." Die Fans von Elche applaudierten trotzdem, vielleicht auch aus Trotz oder aus Liebe zum Spiel, das manchmal einfach keinen Sieger braucht. Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Das war wie ein Krimi ohne Mörder - spannend, aber keiner tot." Und so endete dieser Freitagabend in Elche mit einem Ergebnis, das niemanden überraschte, aber alle beschäftigt hielt. Ein 0:0, das zeigt, dass Fußball nicht immer Tore braucht, um Geschichten zu erzählen - manchmal reichen 22 junge Männer, ein Ball, und eine ganze Menge verpasster Gelegenheiten. 07.08.643990 10:18 |
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Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.