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Manchmal sagt ein 0:0 mehr als tausend Tore. So war es am Samstagabend in Charleston, als sich die heimischen Charleston Gunners und die Atlanta Gorillas in einem intensiven, aber letztlich torlosen Duell gegenüberstanden. 32.058 Zuschauer im "Gunner Dome" sahen 90 Minuten voller Einsatz, jugendlicher Leichtsinn und taktischer Feinarbeit - aber eben keinen Ball, der über die Torlinie wollte. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass dies kein Abend für Torjäger werden sollte. In der 12. Minute probierte es Rutger Mattson, der flinke Flügelspieler der Gunners, mit einem beherzten Schuss - direkt in die fangbereiten Arme des erfahrenen Gorilla-Keepers Alois Zemlik. Zwei Minuten später antwortete Atlantas 17-jähriger Shootingstar Garritt Knickerbacker mit einem Versuch, der allerdings mehr an eine Stadionbeleuchtung als an das Tornetz erinnerte. Die Gunners dominierten die Partie mit 57 Prozent Ballbesitz und 13 Abschlüssen aufs Tor, doch was nützen Zahlen, wenn das Runde nicht ins Eckige will? "Wir haben gespielt, als wäre das Tor zu", knurrte Trainer Jon Dpunkt nach dem Abpfiff, "und vielleicht war es das ja auch - zumindest gefühlt." In der 17. Minute nahm Isidoro Martins Maß, traf aber nur den Rasen, während drei Minuten später Stürmer Torsten Moser die Latte streichelte. Die Gunners wirkten ballsicher, aber im letzten Drittel wie ein Auto ohne Zündschlüssel. Ganz anders die Gorillas: weniger Ballbesitz, dafür körperlich präsent. Ihre Taktik? "Stören, nerven, hoffen", wie es Innenverteidiger Domingo Xavier augenzwinkernd erklärte. Kurz vor der Pause dann die beste Szene des Spiels: Moser drehte sich elegant um seinen Gegenspieler, zog ab - und der Ball rauschte Zentimeter am Pfosten vorbei. Ein Raunen ging durch die Ränge, gefolgt von jenem resignierten Applaus, den man sonst nur in Museen hört, wenn jemand versehentlich ein Kunstwerk berührt. Die zweite Halbzeit startete mit einer Gelben Karte für den jungen Gerhard Rodriguez - ein etwas zu enthusiastisches Tackling gegen den flinken Morales. "Ich dachte, der fällt nur hin, um Zeit zu schinden", verteidigte sich der 18-Jährige später mit einem Grinsen, "aber dann lag er halt wirklich da." Die Gorillas reagierten mit einer Dreifachwechsel-Orgie in der 71. Minute: Trainerin Anja Meister brachte frische Beine - und Teenager. "Wenn sie schon TikTok tanzen können, können sie auch laufen", witzelte sie an der Seitenlinie. Und tatsächlich: Der eingewechselte Kalman Zavadszky sorgte für Schwung, doch auch seine Flanken fanden keinen Abnehmer. Die Schlussphase gehörte wieder den Gunners. Kacper Klos prüfte Zemlik in der 79. Minute mit einem Distanzhammer, den der Keeper spektakulär parierte. Wenig später sah Atlantas Linksverteidiger Gabriel Petre Gelb, nachdem er Mattson unsanft stoppte. "Ich wollte ihm nur den Weg zeigen - halt ein bisschen körperlich", meinte Petre schmunzelnd. Als Schiedsrichter Don Haskins nach 92 Minuten abpfiff, blieb der Spielstand, wie er begonnen hatte: 0:0. Die Fans der Gunners verabschiedeten ihr Team mit einem warmen Applaus - wohl eher für den Einsatz als für die Effizienz. "Wir haben heute viel richtig gemacht - außer das Toreschießen", resümierte Dpunkt nüchtern. Sein Pendant Meister sah’s pragmatischer: "Ein Punkt auswärts, kein Gegentor, keine Verletzten - das nehme ich. Und die Jungs lernen ja noch, was ein Tor ist." Statistisch war es ein Duell der Kontraste: Charleston mit Ballbesitz und Spielfreude, Atlanta mit rustikalem Charme und langen Bällen. Die Gunners spielten defensiv organisiert, aber mit Konterlust - laut Taktikdaten stets in der gleichen Formation, als hätten sie Angst, etwas zu verändern. Die Gorillas dagegen schalteten zwischen passiver und aggressiver Spielweise hin und her, als würde jemand auf einer Playstation ständig die Taktiktaste drücken. Und so endete ein Spiel ohne Sieger, aber nicht ohne Unterhaltung. Ein 0:0, das irgendwie nach mehr schmeckte - nach Revanche vielleicht, oder einfach nach einem Tor. "Beim nächsten Mal treffen wir", versprach Moser beim Hinausgehen und grinste, "hoffentlich nicht nur den Pfosten." Ein Abend also, der zeigte: Fußball kann auch ohne Tore spannend sein - vorausgesetzt, man hat Humor, starke Nerven und einen guten Torwart. 13.05.643987 12:52 |
Sprücheklopfer
Ausblick, Ausblick, warum denn immer einen Ausblick? Worauf denn? Vielleicht einen Ausblick auf dieses Interview hier?
Christoph Daum