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Das Flutlicht in Höchst flackerte kurz vor Anpfiff, als wollte es ahnen, dass an diesem Freitagabend kein Tor fallen würde. Doch wer jetzt an ein trostloses 0:0 denkt, der irrt - dieses torlose Spektakel zwischen dem FC Höchst und dem FC Pinzgau hatte alles, was man für einen ordentlichen Adrenalinschub braucht: Gelbe Karten, fliegende Stutzen, schmerzverzerrte Gesichter - und einen Torhüter, der sich zum Helden des Abends machte. Vor 27.373 Zuschauern in der Höchster Arena begann das Spiel mit einer gehörigen Portion Pfeffer. Schon in der dritten Minute sah Pinzgaus Innenverteidiger Luis Jakob Gelb, nachdem er Peter Sommer auf Höhe der Mittellinie umlegte, "weil er einfach zu schnell war", wie er später mit einem gequälten Lächeln erklärte. Trainer Andy Clock kommentierte trocken: "Luis wollte wohl gleich zeigen, dass wir heute nicht zum Kaffeekränzchen hier sind." Danach übernahmen die Gäste die Initiative - oder besser gesagt: das Dauerfeuer. Sechzehn Torschüsse verzeichnete der FC Pinzgau im Laufe des Abends, und mindestens die Hälfte davon kam von einem, der offenbar beschlossen hatte, Torhüter Alexandre Marchand in den Wahnsinn zu treiben: Evan Pienaar. Der Pinzgauer Linksaußen schoss aus allen Lagen, von links, von rechts, aus dem Halbfeld - nur eben nie ins Tor. In der 28. Minute zirkelte er den Ball knapp am Pfosten vorbei, in der 31. hielt Marchand glänzend, und in Minute 38 rauschte das Leder so knapp über die Latte, dass selbst der Linienrichter kurz in Deckung ging. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Marchand nach Abpfiff. "Aber ich glaube, Pienaar hat mich heute öfter getroffen als der Ball das Netz." Die Höchster, die laut Taktiktafel von Trainer Ronnie Ekström offensiv aufgestellt waren, wirkten lange Zeit, als hätten sie die Anweisung "Offensiv" mit "optimistisch" verwechselt. Zwar kamen sie auf fünf Torschüsse - zwei davon durch den flinken Adam Malfoy in der ersten Halbzeit -, doch Pinzgaus Keeper Vitor Xavier war selten ernsthaft gefordert. Der Rest der Höchster Angriffe endete meist irgendwo zwischen dem linken Eckfahnenbereich und den aufgebrachten Zurufen von Coach Ekström. Kurz vor der Pause dann der erste Schreckmoment: Dawid Szamotulski kassierte in der 44. Minute Gelb, nachdem er Tobias Engelhardt unsanft gestoppt hatte. Ekström nahm ihn zur Halbzeit vorsichtshalber runter, brachte Dmitri Makarow - und brüllte ihm beim Einwechseln hinterher: "Dmitri, bitte diesmal mehr Ball als Beine!" Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit Pinzgauer Angriffen. Engelhardt prüfte Marchand in der 61. Minute, Pienaar scheiterte erneut kurz darauf. Der Druck stieg, die Höchster Defensive wankte - und dann kam die 57. Minute, in der das Spiel kurz stillstand. Adam Malfoy, bis dahin einer der wenigen Lichtblicke in der Höchster Offensive, blieb nach einem Zweikampf liegen. Die Diagnose: Muskelverhärtung. Für ihn kam Logan Carey, der sich gleich mit einem beherzten Sprint einführte - und in der 95. Minute sogar noch einmal zum Abschluss kam. Der Ball flog über das Tor, aber der Applaus der Tribüne war ehrlich. In den letzten Minuten wurde es dann gelblich: Fabio Veloso (70.), Ashton Giles (77.) und Adriano Ramallo (80.) sahen alle Gelb - offenbar wollte niemand das Spiel ohne Souvenir verlassen. "Wenn schon kein Tor, dann wenigstens eine Karte", witzelte Ramallo nach Spielende. Pinzgau blieb bis zum Abpfiff gefährlicher, doch Höchst zeigte in der Schlussphase endlich das, was man in der Fachsprache "Leidensfähigkeit" nennt. Mit aggressivem Pressing und vollem Einsatz kämpften sie sich in jede Lücke. "Da war richtig Feuer drin", lobte Trainer Ekström, "auch wenn’s am Ende mehr Funken als Flammen waren." Sein Gegenüber Andy Clock hingegen wirkte hin- und hergerissen: "Wir hätten heute drei Punkte verdient gehabt. Aber wenn du sechzehnmal draufballerst und der Torwart alles hält - was willst du machen? Vielleicht soll ich ihm nächste Woche Blumen schicken." Und so blieb es beim 0:0, das für beide Seiten mehr aussagt, als jede Statistik: Der FC Pinzgau dominierte, der FC Höchst überlebte. Ein Punkt für die Moral, einer für die Effizienz - die allerdings, so ehrlich muss man sein, an diesem Abend Urlaub hatte. Oder wie ein Fan auf der Tribüne es zusammenfasste, während er sich die letzte Stadionwurst gönnte: "Kein Tor, aber immerhin 90 Minuten, in denen ich nicht ans Wetter gedacht hab." Ein torloses Remis - aber eines, das man so schnell nicht vergisst. 22.09.643990 17:34 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic