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Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, gerecht, ärgerlich - oder, wie am Freitagabend in Waidhofen, ein kleiner Thriller ohne Happy End. Vor 15.695 Zuschauern zeigten der SV Waidhofen und die SG Innsbruck, dass man auch ohne Tore jede Menge Gesprächsstoff liefern kann. Schon der Anpfiff um 20:30 Uhr in der kalten Januarluft versprach einen intensiven Abend. Waidhofens Routinier Walther Klose, 33 Jahre jung, schien in den ersten Minuten auf Koffein und Siegeswillen gleichzeitig zu laufen. Bereits in der 4. und 9. Minute prüfte er Innsbrucks Keeper Mikael Söderberg - der Finne im Tor blieb jedoch eiskalt. "Ich hatte das Gefühl, er riecht, wohin ich schieße", knurrte Klose nach dem Abpfiff mit halbem Lächeln. Innsbruck ließ sich nicht lange bitten. Zwischen der 13. und 22. Minute feuerten gleich vier Tiroler - Kuqi, Innes, Jakob und Anders - aus allen Lagen. Doch Waidhofens Torhüter Marcel Nolte, 34, hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend keinen Ball durchzulassen. "Ich hab’ heute einfach alles gesehen - sogar die Fliege, die vor dem Schuss vorbeiflog", witzelte Nolte später. Das Spiel war ausgeglichen wie eine Tischtennispartie auf dem Wochenmarkt. 50,7 Prozent Ballbesitz für Waidhofen, 49,3 für Innsbruck - keiner wollte den Ball wirklich hergeben, aber auch keiner wusste so recht, was man damit anstellen sollte. Die Statistik zeigte 13 Torschüsse für Waidhofen, 8 für Innsbruck, doch das Netz blieb unberührt. Die Zuschauer bekamen trotzdem einiges geboten: Zweikämpfe, Emotionen, und in der 41. Minute die erste gelbe Karte - Waidhofens Freddie Reid sah sie, nachdem er Innsbrucks Berndt Jakob etwas zu herzlich umarmt hatte. "Ich wollte nur bremsen, nicht brechen", erklärte Reid später augenzwinkernd. Nach der Pause blieb das Bild ähnlich. Alexander Catrall (24) versuchte es zweimal, zuerst in der 50., dann kurz vor Schluss in der 91. Minute - ohne Erfolg. Innsbruck antwortete mit einem gefährlichen Freistoß von Ryan Innes (83.) und einem waghalsigen Vorstoß des jungen Jesus Dietz (86.), dessen Schuss jedoch mehr die Eckfahne als das Tor erschreckte. Es war ein Spiel, in dem Taktiken zwar existierten, aber kaum voneinander zu unterscheiden waren. Beide Teams setzten laut offiziellen Daten auf eine "ausgewogene" Ausrichtung - was auf dem Platz in etwa so aussah, als hätten sich zwei Schachspieler auf ein Remis geeinigt, bevor sie die Figuren aufgestellt haben. Kein Pressing, kein wildes Risiko, aber solide Organisation, wie sie Lehrbuchautoren lieben. Trainerstimmen nach dem Spiel rundeten den Abend ab. "Wir haben gezeigt, dass wir defensiv stabil sind", sagte Waidhofens Coach (dessen Name das Stadiongeflüster schuldig blieb) und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Aber Tore wären natürlich auch ganz schön." Innsbrucks Trainer nickte zustimmend: "Ein Punkt in Waidhofen ist nie schlecht. Aber ich hätte gern mal wieder gejubelt, ohne dass es nur um einen Einwurf geht." Dass ausgerechnet Walther Klose die Schlagzeilen dominierte, obwohl er kein Tor erzielte, lag an seiner unermüdlichen Präsenz. Fünf seiner 13 Waidhofener Abschlüsse gingen auf sein Konto. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne brachte es auf den Punkt: "Der Klose schießt öfter als ich Kaffee trinke. Und ich trinke viel Kaffee." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - teils höflich, teils ehrlich dankbar, dass die Partie wenigstens spannend blieb. Denn Spannung gab es reichlich: Jeder Schuss, jede Grätsche, jedes "Uuuh!" von den Rängen ließ den Puls steigen. Am Ende stand ein 0:0, das keineswegs trostlos war. Es war ein Abend, an dem Einsatz, Wille und ein Hauch sarkastischer Selbstironie triumphierten. Oder, wie Kapitän Jürgen Rudolph es trocken formulierte: "Wenn wir schon keine Punkte verlieren, dann wenigstens keine Nerven." Vielleicht war das das schönste Kompliment an diesen Fußballabend: kein Tor, aber jede Menge Herz. Und wer weiß - vielleicht trifft beim nächsten Mal sogar jemand. Bis dahin bleibt Waidhofen ungeschlagen, Innsbruck zufrieden - und die Zuschauer? Die kommen trotzdem wieder. Schließlich gibt’s hier immer was zu erzählen, auch ohne Tore. 19.12.643987 14:25 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath