Anpfiff
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Nullnummer mit Herz und Krampf: Kassel trotzt Speldorf ein 0:0 ab

Wer am kalten Dienstagabend im Auestadion auf Tore gehofft hatte, bekam stattdessen eine Lehrstunde in Abwehrarbeit, jugendlichem Übermut und Speldorfer Chancenverschwendung. 4705 Zuschauer sahen beim 13. Spieltag der Regionalliga C ein 0:0 zwischen Hessen Kassel und dem VfB Speldorf, das sich ungefähr so anfühlte, als hätte jemand den "Replay"-Knopf gedrückt - immer wieder Schuss, Parade, Abpraller, Befreiungsschlag.

Schon nach drei Minuten begann das Drama: Leandro Talarico, der unermüdliche Motor im Speldorfer Mittelfeld, prüfte erstmals Kassels Torhüter Spiridon Kowaljow. Der kratzte den Ball aus der Ecke, als wolle er beweisen, dass Reflexe auch bei Temperaturen knapp über null funktionieren. In der 10. Minute wieder Talarico, diesmal wuchtiger - wieder Kowaljow. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste der Kasseler Keeper später. "Ich glaub, sie haben es zwanzigmal versucht. Vielleicht hätten sie mal mich fragen sollen, wohin sie schießen sollen."

Tatsächlich: 20 Torschüsse der Gäste standen am Ende gerade einmal zwei auf Kasseler Seite gegenüber. Speldorfs Johannes Rieger und Rafael Jung droschen in der zweiten Halbzeit fast im Minutentakt aufs Tor; Ethan Gallagher wirbelte links außen, als gäbe es etwas zu gewinnen - außer kalte Füße. Doch der Ball wollte partout nicht über die Linie. Trainer Jakob Meier schüttelte nach Abpfiff den Kopf: "Wir hätten noch eine Stunde spielen können, und der Ball wäre immer an Kowaljow oder an irgendeinem Kasseler Schienbein gelandet."

Kassel selbst? Nun ja, das Wort "offensiv" stand zwar auf dem Taktik-Zettel von Trainer Alex Mehl, aber auf dem Platz sah das eher nach "Überleben mit Stil" aus. 37 Prozent Ballbesitz, 42 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem ein Punkt. "Wir wollten kompakt stehen", sagte Mehl mit einem Augenzwinkern. "Dass wir dabei fast gar nicht gestanden haben, sondern meist gelegen sind, gehört zur Lernkurve." Kein Wunder: Gleich sieben Spieler in seiner Startelf waren 17 Jahre alt.

Einer davon, Hermann Krüger, erlebte einen Abend, den er wohl nicht so schnell vergisst. Erst Gelb nach 38 Minuten, dann in der 73. Minute Gelb-Rot - wegen eines taktischen Fouls, das selbst seine Oma am Fernseher als "ungeschickt" bezeichnet hätte. Krüger trottete vom Platz, rief noch "War doch Ball!" und verschwand in der Kabine. "Er hat Herz, aber manchmal mehr Herz als Hirn", kommentierte Kapitän Robin Klaus trocken.

Speldorfs Überzahl in den letzten 17 Minuten brachte - Sie ahnen es - nichts. Gallagher setzte in der 79. Minute einen Schlenzer knapp vorbei, und in der 89. Minute vergab er die letzte Großchance, als er aus fünf Metern Kowaljow anschoss. Der ballte die Fäuste, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht.

Selbst die Statistik sprach eine klare Sprache: 62,5 Prozent Ballbesitz für Speldorf, ein Dutzend Ecken, dominantes Passspiel - und doch kein Treffer. Hessen Kassel hingegen zeigte, dass man mit Mut, Jugend und einem überragenden Torhüter auch gegen erfahrene Regionalligisten bestehen kann. Lukas Astruc, ebenfalls 17 Jahre jung, fasste es nach dem Spiel so zusammen: "Ich wusste gar nicht, dass 0:0 so gut schmecken kann."

Der Schiedsrichter war übrigens der Einzige, der wirklich ins Schwitzen kam - bei all den Speldorfer Torschüssen und Kasseler Grätschen musste er ständig auf der Höhe bleiben. In der 84. Minute zückte er noch Gelb gegen Erik Bergmann von Speldorf, der Ralph Stein etwas zu rustikal vom Ball trennte. "Der Junge fliegt ja fast bis zur Seitenlinie", rief ein Zuschauer und bekam prompt Applaus von der Tribüne.

Als der Abpfiff ertönte, atmete das Stadion hörbar auf. Die Speldorfer Spieler sanken auf den Rasen, als hätten sie gerade ein WM-Finale verloren. Kassel jubelte, als wär’s eines gewonnen. Trainer Meier murmelte nur: "Ein Punkt ist ein Punkt. Aber das fühlt sich an wie minus zwei."

Fazit: Ein torloses Spiel voller kleiner Geschichten - von jugendlichem Übermut, Torwartheldentaten und Speldorfer Verzweiflung. Hessen Kassel mag statistisch unterlegen gewesen sein, doch moralisch gingen sie als Sieger vom Platz. Oder, wie Kowaljow hinterher sagte: "Manchmal ist das schönste Tor das, das nicht fällt."

Und so ging ein kalter Januarabend ohne Tore, aber mit reichlich Emotionen zu Ende. Wer Tore wollte, musste eben ins Kino gehen - im Auestadion gab’s dafür ehrlichen Regionalliga-Fußball, mit allem, was dazugehört: Kampf, Chaos und Kälte.

07.06.643987 04:22
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