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Manchmal ist ein 0:0 das ehrlichste Ergebnis, das der Fußball zu bieten hat. UD Tarragona und UD Elche lieferten sich am Samstagabend vor 16.000 Zuschauern im Nou Estadi ein Duell, das mehr versprach, als es am Ende hielt. Es war kein schlechtes Spiel - aber eben eines, das den Ball lieber zirkulieren ließ, als ihn ins Netz zu jagen. Schon die ersten Minuten deuteten auf eine ausgeglichene Partie hin: Elches Daniel Bernard prüfte den heimischen Keeper Mateo Poncela gleich doppelt (10. und 11. Minute), als wolle er beweisen, dass man auch aus 25 Metern eine These formulieren kann - nämlich die, dass Poncela wach ist. Der war es, und wie. Tarragona antwortete prompt: Juanito Bauza und der unermüdliche Burak Janczyk eröffneten das Feuer, doch Elches junger Schlussmann Duarte Derlei - gerade einmal 18 Jahre alt - parierte mit jener Furchtlosigkeit, die man nur hat, wenn man noch nicht weiß, was Routine ist. "Ich hab den Ball einfach gesehen und gedacht: Den krieg ich", grinste Derlei nach dem Spiel, während sein Trainer Mike Johnson fast väterlich die Hand auf seine Schulter legte. "Er hat heute gezeigt, warum wir ihn bringen. Und warum wir ihn in der 89. Minute trotzdem rausnehmen mussten - der Junge war einfach durch." Tatsächlich wechselte Johnson kurz vor Schluss den Torwart aus, brachte den 17-jährigen Rüstem Topuz - ein seltenes Schauspiel, das manche Zuschauer mehr irritierte als begeisterte. "Vielleicht wollte er einfach sicherstellen, dass alle Jugendlichen im Kader auch mal Rasen unter den Schuhen haben", murmelte ein Fan auf der Tribüne. Tarragona hatte über weite Strecken mehr vom Spiel - 53,5 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Besonders auffällig: Robert Harsanyi, 34 Jahre alt und offenbar mit der Ausdauer eines Marathonläufers gesegnet, versuchte es gleich mehrfach (26., 30., 55., 80.). Jedes Mal knapp vorbei, jedes Mal ein Raunen durchs Stadion. "Ich hätte heute zehn Stunden spielen können - der Ball wollte nicht rein", sagte Harsanyi später und zuckte mit den Schultern. "Vielleicht war’s einfach ein Abend für die Torhüter." Auch Burak Janczyk verzweifelte an Derlei: Sein Distanzschuss in der 52. Minute klatschte an die Latte, die sich danach wohl überlegt hat, ob sie nicht auch mal eine Gelbe Karte verdient hätte - wegen Arbeitsverweigerung. Auf der anderen Seite blieb Elche gefährlich, wenn Caio Chalana oder Emilio Molina in den Strafraum drängten. Molina, gerade 20, schoss in der 44. Minute haarscharf vorbei, während Chalana in der 39. den Ball so knapp über die Latte setzte, dass Poncela wohl kurz an seine Lebensversicherung gedacht hat. Die zweite Halbzeit brachte mehr Tempo, aber keine Tore. Tarragona wirkte bemüht, Elche konterte mit jugendlicher Unbekümmertheit. Federico Castello, 19 Jahre jung, holte sich in der 76. Minute die einzige Gelbe Karte des Abends ab - ein Foul, das so unnötig war, dass Trainer Johnson an der Seitenlinie die Arme gen Himmel warf. "Er hat’s Herz auf dem Platz gelassen", sagte der Coach anschließend trocken. "Leider war das Herz im falschen Zweikampf." Taktisch blieb alles im Rahmen: Beide Teams spielten ausgeglichen, ohne übermäßige Risiken. Elche zog das Pressing nur kurz nach der Pause an, Tarragona blieb geduldig, suchte den Weg über die Flügel - meist über Janczyk links und Ximenez rechts. Doch wo der Fußball seine Poesie entfalten sollte, blieb diesmal nur Prosa. Als Schiedsrichter Díaz die Partie nach 95 Minuten abpfiff, war der kollektive Seufzer fast lauter als jedes Tor hätte sein können. Die Zuschauer applaudierten trotzdem - wohl mehr für den Einsatz als für das Ergebnis. "Das war kein 0:0 der Langeweile", fand Torraganas Kapitän Ferenc Baroti. "Eher ein 0:0 der verpassten Chancen - und vielleicht der schönen Rettungstaten." Und so gingen beide Mannschaften vom Platz mit dem Gefühl, zwar nicht gewonnen, aber zumindest nicht verloren zu haben - was in der 2. Liga Spaniens manchmal schon als kleine Heldentat gilt. Ein Nullnummern-Klassiker, der zeigt: Fußball ist eben nicht nur Tore, sondern auch Geschichten, die man am Sonntagmorgen beim Kaffee erzählt - mit einem leichten Kopfschütteln und einem Schmunzeln. 01.01.643988 08:10 |
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001