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Nullnummer mit Feuerwerk: Speldorf verzweifelt am eigenen Zielwasser

Ein 0:0, das eigentlich keines hätte sein dürfen. 4685 Zuschauer im Sportpark Speldorf rieben sich am Montagabend verwundert die Augen: Wie konnte der VfB Speldorf nach 22 (!) Torschüssen gegen tapfere, aber harmlose Emder kein Tor erzielen? Trainer Jakob Meier fasste es nach dem Abpfiff trocken zusammen: "Wir hätten heute wahrscheinlich bis Mitternacht spielen können - der Ball wollte einfach nicht rein."

Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angibt. Schon in der ersten Minute prüfte der 35-jährige Dauerläufer Timm Stumpf den jungen Emder Keeper Stephan Decker mit einem satten Schuss aus 20 Metern. Decker, Jahrgang 2005, hechtete wie ein erfahrener Bundesliga-Keeper und fischte das Leder aus dem Winkel. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich trifft, und das hat er dann ja auch", grinste der Torwart später.

Emden versuchte es in der dritten und vierten Minute mit zaghaften Vorstößen durch Timo Jung und Maik Urban, die aber eher als Mutprobe denn als ernsthafte Gefahr durchgingen. Danach rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Emder Tor zu. Ethan Gallagher, der irische Wirbelwind auf Speldorfs linker Seite, hatte allein in der ersten Halbzeit fünf Abschlüsse - alle knapp vorbei oder zu zentral. "Ich hab eigentlich gut getroffen", meinte Gallagher nach dem Spiel, "nur leider immer den Torwart."

Zur Pause stand es folgerichtig 0:0, und man hörte in der Stadionkurve schon das erste spöttische "Wir woll’n ein Tor!" aus den Kehlen der fröstelnden Fans. Emden-Trainer Alex Mehl, selbst leicht erstaunt über den Spielverlauf, witzelte in der Halbzeit: "Ich hab meinen Jungs gesagt, sie sollen sich einfach weiter in jeden Schuss werfen - irgendwann trifft Speldorf schon, und dann ist’s auch egal." Er sollte Unrecht behalten.

Jakob Meier brachte zur zweiten Hälfte frische Beine: Johannes Rieger kam für den unermüdlichen Stumpf, später ersetzte der junge Vincent Cascon den soliden Erik Bergmann auf der linken Abwehrseite. Doch am Drehbuch änderte sich nichts. Die Gastgeber hatten Ballbesitz (53 Prozent), Schussverhältnis (22:5), Zweikampfquote (56 Prozent) - kurz: alles außer den entscheidenden Treffer.

In der 60. Minute dann der Moment, der das Spiel in die Annalen der "Wie ging das nicht rein?"-Geschichte bringen wird. Giulio Fili, schon in der ersten Halbzeit mit mehreren gefährlichen Aktionen, bekam den Ball von Rieger perfekt in den Lauf gespielt, zieht ab - und trifft den Innenpfosten. Der Ball springt quer durch den Fünfmeterraum, prallt an Deckers Rücken und trudelt… ins Aus. "Ich schwöre, der Ball hat gelacht", murmelte Fili später kopfschüttelnd.

Emden, inzwischen nur noch auf Schadensbegrenzung bedacht, bekam in der 26. Minute die einzige Gelbe Karte des Spiels - Louis Wilke für ein rustikales Einsteigen im Mittelfeld. "Ich wollte zeigen, dass wir auch hier sind", verteidigte er sich mit einem Augenzwinkern.

Die Schlussphase war ein Spiegelbild des gesamten Spiels: Speldorf drückte, kombinierte, verzweifelte. Javier Manu donnerte in der 79. Minute das Leder aus spitzem Winkel in die Wolken, Lasse Rose prüfte kurz darauf erneut Decker, und in der 86. Minute war es der eingewechselte Rieger, der aus zehn Metern das Aluminium erzittern ließ.

"Wenn man so viele Chancen hat, muss man sich irgendwann fragen, ob man vielleicht das Tor falsch montiert hat", sagte Meier mit einem Anflug von Galgenhumor. Sein Gegenüber Mehl konterte trocken: "Uns hat’s gefallen. Ich hab selten ein 0:0 gesehen, das sich wie ein Sieg anfühlt."

Die Statistik untermalt das Drama schwarz auf weiß: 22 Schüsse für Speldorf, fünf für Emden, 53 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren - und trotzdem keine Tore. Die Speldorfer Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus, wohl wissend, dass man an so einem Abend keinen Vorwurf machen kann - außer vielleicht an Fortuna.

Am Ende blieb es die wohl lebhafteste Nullnummer des 12. Spieltags in der Regionalliga C. Und als der Schlusspfiff ertönte, rief ein Zuschauer hinter der Haupttribüne: "Trainer, kann man das Tor größer machen?" - worauf Meier nur lachte und antwortete: "Nicht in dieser Liga."

Ein 0:0, das sich anfühlte wie 3:3 - nur ohne den Spaß auf der Anzeigetafel.

26.05.643987 14:05
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