La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Nullnummer mit Feuer: Barcelona beißt sich an Cuenca die Zähne aus

Das Flutlicht im Estadio Monumental leuchtete hell, die 43.467 Zuschauer sangen sich die Stimmbänder wund, und am Ende stand da - eine große, glänzende Null. 0:0, das klingt nach Langeweile, doch wer an diesem 25. Spieltag der 1. Liga Ecuador zwischen BSC Barcelona und Expreso Cuenca aufmerksam hingeschaut hat, bekam ein ganz anderes Schauspiel geboten: ein Duell zwischen Angriffslust und Betonmauer, zwischen jugendlicher Ungeduld und taktischer Disziplin.

Die Hausherren von Trainer Andi Eier liefen von Beginn an mit offenem Visier auf. Seine "Jungs sollen fliegen, nicht schleichen", hatte er vor dem Spiel angekündigt. Und tatsächlich: schon in der neunten Minute donnerte Javier Jorge den Ball auf das Tor, kurz darauf versuchte es Xabi Guerrero - zweimal rauschte die Kugel knapp am Pfosten vorbei. Die Fans rissen die Arme hoch, als wäre das Tor schon gefallen. Nur die Latte, der Pfosten und, wie sich später zeigen sollte, ein glänzend aufgelegter Gästetorwart Joao Tiago hatten etwas dagegen.

Expreso Cuenca hingegen, von Dierk Nordi mit einer klar defensiven Marschroute aufs Feld geschickt, setzte auf Konter und Geduld. Francisco Chalana, der flinke Linksaußen, war dabei der gefährlichste Mann. Schon nach zwei Minuten prüfte er den jungen Keeper Yekta Colak, später scheiterte er mehrfach knapp. "Ich dachte, der Ball sei endlich drin - aber der Torwart hatte wohl Magneten in den Handschuhen", grinste Chalana nach dem Abpfiff.

Die Partie entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Barcelona hatte zwar weniger Ballbesitz (nur 44,6 Prozent), aber ließ den Ball mutig über die Flügel zirkulieren. Ogün Sabankay, der rechte Wirbelwind, kam zu drei guten Abschlüssen und schimpfte anschließend: "Ich hätte mir selbst eine Flanke köpfen müssen, so wenig kam von hinten." Trainer Eier kommentierte trocken: "Wenn du dich selbst flankst, Ogün, dann nenn ich dich ab jetzt den Boomerang."

Cuenca lauerte, verteidigte zäh, und wenn sie mal nach vorne kamen, wurde es gefährlich. Vincent Gil auf rechts und Jacques Hubbert auf links prüften Colak regelmäßig. 13 Torschüsse sammelten die Gäste insgesamt - zwei mehr als die Hausherren. Als Hubbert in der 45. Minute kurz vor der Pause aus 20 Metern abzog, hielt der Atem im Stadion an. Doch Colak fischte den Ball aus dem Winkel - und grinste, als hätte er gerade den Lotto-Jackpot gewonnen.

In der zweiten Hälfte brachte Eier frische Kräfte: Torwartwechsel in der 60. Minute, Raul Cunha ersetzte Colak, dazu kam der junge Joao Nani für Noe Castano. "Ich wollte ein Zeichen setzen", meinte Eier später, "auch wenn’s nur das Zeichen für Verzweiflung war." Cunha durfte sich gleich beweisen, als Chalana in Minute 67 und 70 erneut abzog. Beide Male blieb der Schlussmann Sieger - und Cuenca haderte mit dem fehlenden Glück.

Dann, in Minute 75, wurde es kurz hitzig: Danko Vukomanovic sah Gelb nach einem rustikalen Einsatz gegen Guerrero. Der Schiedsrichter zückte die Karte, Vukomanovic zuckte mit den Schultern. "Ich hab nur Hallo gesagt", murmelte er später. Trainer Nordi verteidigte ihn: "Wenn man so viele Flanken verteidigen muss, darf man auch mal die Linie markieren."

In den letzten Minuten warf Barcelona alles nach vorne. Die Taktik kippte endgültig auf "Pressing: YES", "Effort: STRONG" - und das spürte man. Guerrero hatte in der 88. Minute den Sieg auf dem Fuß, doch Tiago parierte erneut spektakulär. Nach dem Schlusspfiff lagen beide Teams keuchend auf dem Rasen, als hätten sie gerade einen Marathon gespielt.

"Ein 0:0, das sich wie ein 2:2 anfühlt", fasste Nordi zufrieden zusammen. Eier hingegen sah’s pragmatisch: "Wir haben alles gegeben, aber der Ball wollte halt nicht. Vielleicht hat Cuenca heimlich den Torpfosten gesegnet."

Tatsächlich: So viele Torschüsse, so viel Einsatz, dazu 90 Minuten Spannung - und doch kein Tor. Aber Fußball ist manchmal wie ein gutes Buch ohne Happy End: Man klappt es zu, seufzt - und freut sich schon aufs nächste Kapitel.

Am Ende blieb das Publikum mit gemischten Gefühlen zurück: frustriert, aber auch amüsiert. Denn wer gesehen hat, wie zwei Mannschaften über 90 Minuten lang mit Herz, Witz und Trotz um jedes bisschen Raum kämpften, der weiß: Es gibt Nullnummern, die mehr erzählen als jedes Schützenfest. Dieses Spiel war eine davon.

04.11.643987 13:27
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