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Ein 0:0 kann manchmal lauter knallen als ein 4:3. Das bewies der 11. Spieltag der 1. Liga Mexico, als sich Pumas Nacional und CD Cruz Azul am Sonntagabend vor 69.040 Zuschauern im Estadio Olímpico zu einem torlosen, aber keineswegs ereignisarmen Duell verabredeten. Wer das Ergebnis sieht, denkt an Langeweile. Wer dabei war, weiß: Hier wurde alles geboten - außer eben einem Tor. Schon nach drei Minuten schickte Andrew Hunt von Cruz Azul den ersten Warnschuss gen Pumas-Tor. Keeper Corey Locklear war sofort hellwach, ehe Marvin Klug auf der Gegenseite in Minute 4 und 5 gleich doppelt antwortete. Sein zweiter Versuch strich haarscharf vorbei, sodass man auf der Pressetribüne kurz rätselte, ob das Tornetz gezuckt hatte oder der Wind mitspielte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", grinste Klug später und fügte trocken hinzu: "Aber das dachte ich heute öfter." Die Partie entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Cruz Azul, von Coach Chucky Mandu defensiv und auf Konter eingestellt, überließ den Ball meist den Pumas (Ballbesitz 49 zu 51 Prozent) - und lauerte. Mandu erklärte nach der Partie: "Wir wollten sie kommen lassen, sie kamen - aber sie trafen nicht." Seine Stürmer Andrew Hunt und Rene Simard hatten dafür gleich mehrere Gelegenheiten: In der 15., 20., 21. und 44. Minute prüften sie Locklear, der an diesem Abend mehr Flugstunden sammelte als ein Linienpilot. Pumas-Coach Andy Nordlicht gestikulierte derweil an der Seitenlinie so wild, dass man kurz dachte, er wolle selbst eingewechselt werden. "Wir haben offensiv gespielt, offensiver ging’s gar nicht", erklärte er später und zuckte mit den Schultern. "Aber manchmal hat der Fußball einfach Humor." Kurzzeitig schien der Humor allerdings in Gelb getränkt: Evan Houghton sah in der 26. Minute die erste Verwarnung, nachdem er sich etwas zu leidenschaftlich in einen Zweikampf geworfen hatte. "Ich hab den Ball getroffen - irgendwann bestimmt", scherzte er in der Mixed Zone. Später erwischte es auch Cruz Azuls Kurt Götz (70.), der allerdings noch Glück hatte, dass Schiedsrichter Lopez Ramon sein Zweitjob-Visier als Optiker an diesem Abend wohl vergessen hatte. Die zweite Halbzeit begann mit der gleichen Melodie: Chancen hüben wie drüben, aber keine Treffer. Marvin Klug (48.) und Roberto Olivadi (54.) versuchten es für die Hausherren, Hunt (60.) und später erneut (81.) für die Gäste. Einmal lag der Ball schon auf dem Tornetz, ein anderes Mal rauschte er an der Eckfahne vorbei - ein Abend der Millimeter. Als in der 61. Minute Thalis Ardizoglou von Cruz Azul verletzt am Boden lag, wurde es kurz still im Stadion. Er musste raus, Silvestre Veloso kam. Mandu dazu trocken: "Wir mussten improvisieren. Silvestre ist eigentlich Flügelspieler, aber in Mexiko lernt man schnell, zu leiden." Auch Nordlicht brachte frisches Blut: Goncalves und de la Sota kamen nach einer Stunde, Bernal später für Scholz (75.). "Ich wollte neue Energie", sagte der Trainer, "aber die Batterie war wohl leer." Am Ende standen acht Torschüsse für Pumas, zwölf für Cruz Azul - und null Tore für alle. Der Applaus des Publikums nach Abpfiff war trotzdem aufrichtig. Vielleicht, weil beide Teams sich nichts schenkten. Vielleicht auch, weil die Zuschauer einfach froh waren, dass keiner mehr einen Pfosten getroffen hatte. Keeper Locklear fasste es am besten zusammen: "Es war wie ein Western ohne Schüsse - aber immerhin sind alle am Leben." Und so blieb es bei einem 0:0, das in der Tabelle keinen großen Unterschied macht, in der Erinnerung aber durchaus einen. Denn selten war ein Remis so lebendig, so widersprüchlich, so… mexikanisch. Im Presseraum schließlich ein letzter Schlagabtausch zwischen den Trainern. Mandu grinste: "Andy, du schuldest mir ein Tor." Nordlicht konterte: "Nur wenn du mir eins leihst." Beide lachten, und man ahnte: Der nächste Spieltag kommt bestimmt - und vielleicht dann mit Zählbarem. Kurzum: Pumas Nacional und Cruz Azul lieferten ein 0:0, das Spaß machte - wenn auch auf eine ganz eigene, leicht masochistische Weise. 14.05.643987 20:48 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
Lothar Matthäus auf die Frage, was er nach seiner Karriere plane