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Wer am Samstagabend in Plettenberg auf Tore hoffte, bekam stattdessen Drama, Kampf und einen jungen Mann in Rot zu sehen - und das gleich doppelt: einmal als Karte, einmal im Gesichtsausdruck von TuS-Verteidiger Marvin Janssen, der nach 72 Minuten den Platz verlassen musste. Am Ende trennten sich TuS Plettenberg und der SV Linx 0:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber alles andere als langweilig war. 3636 Zuschauer hatten sich im Regionalliga-A-Stadion eingefunden, dick eingepackt bei Temperaturen, bei denen der Atem in der Flutlichtluft hing. Und sie sahen einen SV Linx, der von Beginn an das Heft in die Hand nahm. Schon in der sechsten Minute prüfte Detlev Miller, 18 Jahre jung und furchtlos, Plettenbergs Keeper Georg Mai mit einem satten Rechtsschuss. Der klatschte den Ball ab - und schimpfte lautstark auf seine Vorderleute: "Jungs, das war der erste Weckruf!" Nur eine Minute später zog Jan Hermann aus der zweiten Reihe ab. Wieder Mai, diesmal sicher. Es war der Auftakt zu einer ersten Halbzeit, in der Linx Chancen im Minutentakt hatte: Wolfgang Seitz (12.), Karl Schwab (13.), Miller erneut (16.) - doch das Netz blieb unberührt. "Wir haben uns warm geschossen, aber offenbar ohne Zielwasser", grinste Linx-Trainer Michal Dickschat nach Abpfiff, halb resigniert, halb ironisch. Plettenberg dagegen brauchte fast eine halbe Stunde, um offensiv in Erscheinung zu treten. In der 26. Minute wagte Außenverteidiger Eri Stephan einen beherzten Vorstoß - sein Schuss rauschte knapp am linken Pfosten vorbei. Kurz vor der Pause dann die größte Heimchance: Jake Dunbar fasste sich aus 20 Metern ein Herz, doch Linx-Keeper Oscar Haase machte sich lang und fischte den Ball aus dem Winkel. Ein Raunen ging durchs Stadion - und ein sarkastischer Zuruf von der Tribüne: "Na, wenigstens ein Schuss aufs Tor!" Statistisch war das gar nicht so weit hergeholt: Drei Torschüsse der Plettenberger standen am Ende 13 der Linxer gegenüber. Auch beim Ballbesitz war es eng - 50,2 zu 49,8 Prozent -, aber die Gäste wirkten gefährlicher. Dickschat hatte zur zweiten Halbzeit sogar die Taktik auf "offensiv" umgestellt, wie man später in der Analyse sehen konnte. Doch trotz aller Angriffsbemühungen und der Einwechslung des jungen Eduardo Henrico zur Pause blieb der Ball ein störrisches Biest. Nach 52 Minuten gab’s dann die erste Gelbe: Karl Schwab, Linx’ rechte Mittelfeldmaschine, grätschte etwas zu enthusiastisch und sah die Karte - ein "Weckruf", wie er später meinte. Nur vier Minuten danach musste er für den frischeren Mark Fritsch weichen. Fritsch brachte Tempo, aber keine Treffer. Das eigentliche Drama spielte sich dann in der 72. Minute ab. Plettenbergs Marvin Janssen kam gegen Linx-Stürmer Seitz zu spät, räumte ihn und den Ball ab - allerdings in dieser Reihenfolge. Der Schiedsrichter zückte Rot, während der 19-Jährige ungläubig die Hände hob. "Ich hab’ doch den Ball gespielt", rief er, doch der Schiri blieb eiskalt. Trainer Thomas Kröger (der Plettenberger Coach, der sich mit verschränkten Armen in der Coachingzone hielt) murmelte nur: "Na super, jetzt wird’s ein langer Abend." Und das wurde es. Linx stürmte, Plettenberg mauerte, und Georg Mai wurde zum Helden. In der 84. Minute kratzte er einen Schuss von Bernt Kühne aus dem Winkel, in der 89. packte er sogar noch einen Reflex gegen Linus Schmitt aus. Als Mark Fritsch in der Nachspielzeit den letzten Ball über die Latte jagte, lag Mai schon lachend im Gras. "Ich hätte heute auch noch zwei Stunden weiterspielen können", sagte er später erschöpft, "aber nur, wenn keiner mehr schießt." Am Ende stand ein torloses Remis, das Linx ärgerte und Plettenberg wie einen Sieg feierte. "Mit einem Mann weniger war das eine Willensleistung", lobte Kröger. Dickschat hingegen seufzte: "Wenn du 13 Mal aufs Tor schießt und keiner rein will - dann fehlt dir entweder Glück oder ein Exorzist." Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus. Kein Tor, aber viel Herzblut - und eine Partie, die wieder einmal zeigte, dass 0:0 nicht gleich Langeweile bedeutet. Und während Georg Mai beim Verlassen des Platzes noch die Fäuste ballte, murmelte ein Fan auf der Tribüne: "Wenn der jetzt noch Elfmeter schießen dürfte, hätten wir vielleicht gewonnen." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasste: ein Spiel ohne Tore, aber mit Geschichten - und einem Torwart, der sich unsterblich machte, weil er das 0 rettete. 12.10.643987 06:27 |
Sprücheklopfer
Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.
Erich Ribbeck