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Wismut Aue gegen TuS Düsseldorf - das klang auf dem Papier nach einem soliden Regionalliga-Abend, nach ehrlichem Fußball, Flutlicht, Bratwurst und Bier. Und tatsächlich bekamen die 5503 Zuschauer im Erzgebirgsstadion an diesem Mittwochabend all das - nur keine Tore. Nach 90 intensiven, stellenweise amüsanten Minuten endete das Spiel mit einem 0:0, das alles andere als langweilig war. Von der ersten Minute an machte Aue klar, dass man zu Hause das Heft in die Hand nehmen wollte. Schon nach 60 Sekunden prüfte der 18-jährige Diego Duran den Düsseldorfer Keeper Rene Caron mit einem Schuss, der mehr Mut als Zielgenauigkeit verriet. Trainer Thomas Freitag grinste später: "Ich glaube, der Junge wollte einfach mal sehen, ob der Ball auch in der Flutlichtanlage landet." Aue spielte offensiv, wie es die Taktikvorgabe versprach, während die Gäste aus Düsseldorf sich in einer balancierten Formation auf Konter verlegten. Trotzdem gehörte die erste Viertelstunde eher den Hausherren. Bartosz Gancarczyk, ebenfalls erst 18, tauchte mehrfach gefährlich vor Caron auf - doch der Routinier im Düsseldorfer Tor war an diesem Abend in bester Laune. Einmal fischte er einen Schuss aus dem Winkel, einmal blieb er einfach stehen und ließ den Ball ins Fangnetz rauschen - "Ich wusste, dass der Junge zu viel nachdenkt", schmunzelte Caron später. Düsseldorf kam vor allem über die linke Seite mit dem 34-jährigen Stefan Rakic, der zeigte, dass Erfahrung manchmal mehr zählt als jugendlicher Elan. Mehrmals brachte er gefährliche Flanken in den Strafraum, doch Aues Abwehrchef Roberto La Rosa war stets zur Stelle. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass 18 auch genügt, um einen 34-Jährigen auszuschalten", sagte La Rosa augenzwinkernd. Das Spiel nahm Fahrt auf, und mit jeder Minute schien Aues Offensive verzweifelter. Milan Damjanovic wirbelte auf links, Adam Waldoch auf rechts, und in der Mitte rannte Gancarczyk, als ginge es um ein Casting für die nächste Bundesliga-Saison. Nur: Der Ball wollte einfach nicht rein. 19 Torschüsse am Ende - keiner zählte. Kurz vor der Pause hielt das Publikum den Atem an, als Noe Ze Castro aus der zweiten Reihe abzog. Ein satter Schuss, der Caron schon geschlagen hatte - doch dann rauschte die Kugel um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. "Ich hab’ ihn schon drin gesehen", rief ein Fan auf der Tribüne, worauf sein Nachbar trocken antwortete: "Ich auch, aber ich seh’ auch Gespenster, wenn Aue vorne spielt." In der zweiten Halbzeit wurde es hitziger. Diego Duran, bis dahin auffälligster Mann bei den Gastgebern, kassierte in der 41. Minute Gelb - und in der 61. dann Gelb-Rot. "Er hat halt Temperament", versuchte Trainer Freitag das Ganze zu relativieren, "aber das nächste Mal soll er das bitte in den Ball investieren, nicht in Diskussionen." Damit war Aue eine halbe Stunde lang in Unterzahl - doch paradox genug: Genau dann kamen sie zu ihren besten Chancen. Bei Düsseldorf lief das Spiel wie nach Vorschrift: sicherer Ballbesitz (56 Prozent), aber wenig Risiko. Trainer Uwe Schmitz - der an der Seitenlinie so ruhig wirkte, als würde er einen Schachwettkampf leiten - kommentierte später: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Leider haben wir es so gut kontrolliert, dass wir vergessen haben, ein Tor zu schießen." In der Schlussphase war es dann wieder Waldoch, der zweimal (84. und 87. Minute) gefährlich zum Abschluss kam. Einmal rettete Caron in Weltklasse-Manier, das andere Mal blockte ein Düsseldorfer Verteidiger auf der Linie. Das 0:0 fühlte sich für Aue wie eine verpasste Gelegenheit an - für Düsseldorf eher wie ein kleiner Sieg. "Wenn du 19 Mal aufs Tor schießt und nichts triffst, brauchst du keinen neuen Trainer, sondern neue Zielscheiben", witzelte ein Auer Fan beim Verlassen des Stadions. Trainer Freitag nahm’s sportlich: "Die Jungs haben alles gegeben. Nur die Latte, der Pfosten und der Torwart waren heute besser." Am Ende blieb es also beim torlosen Remis - einem dieser Spiele, über die man am Stammtisch sagt: "Da war alles drin - außer dem Ball im Netz." Und während die Flutlichtmasten erloschen und die letzten Zuschauer den Heimweg antraten, hallte aus der Kabine noch ein Satz nach, den man nur in der Regionalliga hört: "Chef, dürfen wir morgen trotzdem trainieren?" Ein Abend, der zeigte: Manchmal ist ein 0:0 spannender als jedes 4:3 - zumindest, wenn 22 Spieler alles geben, nur das Glück sich frei nimmt. 25.06.643993 14:26 |
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