Jornal do Brasil
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Nullnummer mit 40.000 Zeugen - Flamengo verzweifelt an Marilias Mauer

Wenn ein 0:0 so laut sein kann, dann war es dieses am 23. Spieltag der brasilianischen Liga. 40.000 Zuschauer in Marilia sahen, wie der haushohe Favorit CF Flamengo 94 Minuten lang an der Defensive des tapferen ES Marilia zerschellte - und Torhüter Didier Boissieu sich zum heimlichen Helden des Abends aufschwang.

Schon in der dritten Minute gab es die erste gelbe Karte - Marco Molina grätschte Benyamin Rieger so rustikal ab, dass die Tribüne kurz den Atem anhielt. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte Molina später mit einem Lächeln, das selbst seinem Trainer einen Seufzer entlockte. Danach war klar: Es würde kein Abend für Feingeister werden.

Flamengo machte das Spiel, Marilia das, was man in diesem Fall "das Nötigste" nennt. Mit 52 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen belagerten die Gäste das Tor, aber Boissieu hielt, blockte, sprang und sah dabei aus, als hätte er Spiderman persönlich im Torwartcamp getroffen. Trainer Dino Ma von Flamengo raufte sich an der Seitenlinie die Haare: "Wir haben alles versucht - über die Mitte, über die Flügel, über die Wolken. Der Ball wollte einfach nicht rein."

Bereits nach zehn Minuten prüfte Rieger den Keeper zum ersten Mal, kurz darauf schepperte Berjons Schuss an die Querlatte. Eric Jonsson versuchte sich gleich mehrfach (21., 25., 28., 36.), doch Boissieu hatte entweder eine Hand dran oder das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball an mir vorbeiging - aber nie ins Tor", grinste der Torwart nach dem Spiel.

Marilia beschränkte sich aufs Kontern. In der 15. Minute probierte es der 18-jährige Linksverteidiger Luís Futre mit einem beherzten Distanzschuss - der einzige Weg, wie man offenbar an diesem Abend gefährlich werden konnte. Später, in der 68. und 74. Minute, sorgten Georges Allington und Cameron Featherstone immerhin für ein kurzes Raunen im Stadion. "Wenn du so lange verteidigst, fühlt sich jeder Angriff an wie ein Kurzurlaub", sagte Allington und tippte sich lachend an die Schläfe.

Zur Pause wechselte Flamengo: Der junge Caio Eusebio kam für Eric Jonsson. Der 19-Jährige brachte frischen Wind, vergab aber in der 46. Minute die nächste Großchance. "Ich dachte, der Ball sei schon drin - leider dachte das nur ich", meinte Eusebio später zerknirscht.

In der zweiten Hälfte blieb das Bild gleich: Flamengo rannte, Marilia stand. Der Gasttrainer drehte an der Taktik - vom standardmäßigen "Balanced" über "Strong Aggressivity" bis hin zu vollem Pressing in den Schlussminuten. Doch Marilia, das Team ohne sichtbares Pressing, konterte mit eisernem Willen und gelegentlichem Zeitspiel. Zwei weitere Gelbe (Rocha 79., Coluna 80.) waren die logische Folge.

In der 75. Minute dann eine Szene für die Kuriositätenkiste: Flamengo-Coach Ma wechselte seinen Torhüter Curt Binder aus - Marcio Vaz, 19 Jahre jung, durfte ran. "Curt hatte noch kein Gegentor kassiert", erklärte Ma trocken, "aber man muss ja Perspektive schaffen." Vaz bekam prompt kaum etwas zu tun, denn sein Team schoss weiter und traf weiterhin nicht.

In der Nachspielzeit (94.) hatte Rieger die letzte Chance: ein satter Linksschuss, den Boissieu mit einer Parade des Jahres über die Latte lenkte. Danach war Schluss. Die 40.000 im Stadion erhoben sich, viele rieben sich die Augen - hatte Marilia wirklich gegen Flamengo 0:0 gespielt?

"Das war kein schöner Fußball", gestand Marilias Trainer (der namentlich lieber ungenannt bleiben wollte) mit einem Augenzwinkern, "aber manchmal ist ein schöner Bus besser als ein schnelles Pferd." Sein Team hatte 47 Prozent Ballbesitz, vier Torschüsse und eine Tacklingquote von 44 Prozent - Statistiken, die sonst nach Niederlage riechen, diesmal aber nach Heldentat schmeckten.

Flamengo hingegen muss nach dem 0:0 konstatieren: Wer 15 Mal aufs Tor schießt und nicht trifft, hat kein Pech - sondern ein Problem. Dino Ma brachte es auf den Punkt: "Wir hätten bis Mitternacht spielen können. Marilia hätte wahrscheinlich trotzdem alles gehalten - und noch einen Kaffee serviert."

Und so geht ein torloser Abend in die Geschichtsbücher ein. Einer dieser Abende, an denen Fußball zeigt, was er auch sein kann: grotesk ungerecht, unbegreiflich spannend und seltsam befriedigend. Für Marilia ein Punkt wie ein Sieg, für Flamengo ein Punkt wie ein Zahnarztbesuch.

Am Ende jubelten die Underdogs, und die Sonne über Marilia verabschiedete sich mit einem Lächeln. Vielleicht, weil sie wusste: Heute war das Tor einfach nicht groß genug.

02.06.643993 10:35
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
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