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Ein lauer Märzabend in Chetumal, 20.000 erwartungsfrohe Zuschauer, Flutlicht, Trommeln - und am Ende ein torloses Spektakel, das so paradox war, dass man fast lachen musste. Atletico Chetumal und die Alacranes Durango trennten sich 0:0. Ein Ergebnis, das so nüchtern klingt wie ein Glas lauwarmes Wasser, aber die Geschichte dahinter war alles andere als fade. Denn Durango feuerte 21 Mal auf das Tor von Chetumal. Einundzwanzig! Das ist genug, um ein halbes Dutzend Spiele zu gewinnen - oder wenigstens ein Netz kaputtzuschießen. Aber nein: George Cawdor, der 20-jährige Keeper von Atletico, hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend eine Bewerbung für die Nationalmannschaft abzugeben. "Ich habe einfach jeden Ball gesehen - auch die, die gar nicht kamen", grinste er später mit Dreck im Gesicht und einem breiten Lächeln. Von der ersten Minute an war klar, wer hier das Zepter schwingen wollte. Bereits in der dritten Minute zog Veselin Durisic von links ab, und das Publikum hielt den Atem an - der Ball rauschte knapp vorbei. Zwei Minuten später meldete sich Chetumal zurück: Gerasim Afinogenow, der 18-jährige Flügelspieler, prüfte Durangos Keeper Hatay Sentürk. Das blieb allerdings der letzte ernsthafte Versuch der Gastgeber für lange, sehr lange Zeit. Durango dagegen rollte wie eine Welle nach der anderen. Esteban Bertran auf rechts war kaum zu bändigen, hämmerte in der ersten halben Stunde gleich viermal aufs Tor. Daneben sein Partner Davib Malfoy - ja, der heißt wirklich so - flankte, dribbelte, schoss, verzweifelte. "Ich habe irgendwann gedacht, da steht eine unsichtbare Wand", seufzte Malfoy nach dem Abpfiff. Trainer Manni Kaltz an der Seitenlinie raufte sich abwechselnd die Haare und die Coaching-Zone. "Wir haben alles gemacht außer treffen", sagte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Migräne lag. Seine Mannschaft hatte 54 Prozent Ballbesitz, dominierte jeden Zweikampf (58,8 Prozent gewonnen), aber das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Chetumal dagegen verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Glück des Tüchtigen. Francisco Ordonez, der Innenverteidiger, kassierte in der 73. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen, das eher nach Rugby aussah. Trainer (dessen Name in den Unterlagen kurioserweise fehlt - vielleicht ein taktisches Geheimnis?) brüllte von außen: "Francisco! Kein Wrestling-Ring hier!" Ordonez drehte sich um und hob nur die Schultern. In der zweiten Halbzeit wurde Durangos Druck fast absurd. Zwischen der 50. und 85. Minute flogen die Schüsse im Minutentakt. Pacos aus der Distanz, Futre von rechts, Bertran wieder und wieder. Aber Cawdor hielt, was es zu halten gab - und manches, was eigentlich gar nicht haltbar war. In der 70. Minute parierte er einen Schuss von Raul Futre mit dem Fuß, ließ den Ball kurz prallen, sprang nach und krallte ihn sich wie ein Torwart-Oktopus. Das Stadion tobte, als hätte Chetumal gerade geführt. Die Statistik nach 90 Minuten sprach Bände: 2 Torschüsse für die Gastgeber, 21 für Durango. Und trotzdem 0:0. "Das ist Fußball", sagte Kaltz nach dem Spiel mit einem resignierten Schulterzucken. "Manchmal ist der Ball rund, manchmal ist er ein Würfel." Ein kleiner Lichtblick für Durango war zumindest die Einwechslung des 17-jährigen Nevio Waldo zur Halbzeit. Der Junge brachte Schwung, rannte wie ein Duracell-Hase und sorgte dafür, dass Chetumal kaum noch aus der eigenen Hälfte kam. Doch auch er fand seinen Meister in Cawdor - der junge Torwart, der an diesem Abend zur lebenden Legende wurde. Chetumals Fans feierten das 0:0 wie einen Sieg, Durangos Spieler schlichen vom Platz wie nach einer verlorenen Meisterschaft. "Wenn man 21-mal schießt und nichts trifft, sollte man vielleicht Lotto spielen", murmelte Esteban Bertran, während er in die Kabine trottete. Und so blieb es beim torlosen Remis - ein Spiel, das in keiner Highlight-Zusammenfassung glänzen wird, aber als Paradebeispiel dafür taugt, wie ungerecht dieser Sport manchmal sein kann. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Das war kein Fußballspiel, das war ein Krimi ohne Leiche." Vielleicht trifft Durango nächste Woche wieder. Vielleicht auch nicht. Aber eines ist sicher: George Cawdor wird von diesem Abend noch lange träumen - und Durango wohl auch, allerdings eher als Albtraum. 22.08.643993 12:52 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: