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Ein 0:0 kann aufregender sein, als es klingt - zumindest, wenn 4218 frierende Zuschauer in Speldorf Zeugen einer Abwehrschlacht werden, die selbst Betonmischer beeindruckt hätte. Beim Regionalliga‑C‑Duell zwischen dem VfB Speldorf und Falke Hannover am 10. Spieltag gab es Tore zwar keine, dafür aber reichlich Stoff für Stirnrunzeln, Applaus und ein paar sarkastische Kommentare. Falke Hannover reiste mit offensiver Marschroute an - Trainer Jakob Meier vom VfB hatte es geahnt. "Wir wussten, dass sie früh draufgehen würden. Ich hab den Jungs gesagt: Wenn’s nicht schön wird, dann wenigstens effektiv", grinste der Coach nach Abpfiff. Schön wurde es tatsächlich nicht, dafür effektiv in der Vermeidung von Gegentoren. Ganze 16 Torschüsse gaben die Gäste ab, vier Mal versuchte Speldorf sein Glück, meist aus der zweiten Reihe - und meist direkt in die Arme von Falkes Keeper Michael Ross. Schon in der achten Minute zischte der Ball erstmals gefährlich durch den Speldorfer Strafraum, als der 19‑jährige Brasilianer Caio Meira beherzt abzog. Torhüter Stephan Karl streckte sich lang, wie ein Mann, der ahnt, dass das seine Hauptbeschäftigung des Abends wird. Dann folgte ein Dauerbeschuss aus Hannovers Reihen: Van Garsse (12., 45., 61., 74.), Belsito (17., 23., 24., 25., 80.), Del Carretto (40., 78., 85.) - die Falken schossen aus allen Lagen, und Speldorf hielt dagegen wie ein Türsteher am Samstagabend. "Wenn du 16 Mal draufhältst und der Ball will einfach nicht rein, dann fängst du an, über höhere Mächte nachzudenken", knurrte Falke‑Trainer Sven Petersen später sarkastisch, "vielleicht war das Tor einfach beleidigt." Tatsächlich wirkte die Speldorfer Abwehr um Youngster Oscar Diaz (21) und den erfahrenen Keeper Karl wie ein Bollwerk alter Schule. Diaz wagte sich sogar einmal selbst nach vorne - sein Schuss in der 69. Minute war der lauteste Weckruf des Heimteams, wenn auch kein erfolgreicher. "Ich dachte, warum sollen nur die anderen schießen dürfen", witzelte der Innenverteidiger. Einziger gelber Farbtupfer in dieser grauen Nullnummer: Bengt Taube von Falke Hannover sah in Minute 26 die Gelbe Karte, nachdem er Speldorfs Flügelflitzer Giulio Fili etwas zu herzlich am Trikot festhielt. Fili kommentierte später trocken: "Er wollte es einfach nicht loslassen. Vielleicht mochte er den Stoff." Im Mittelfeld kämpfte Leandro Talarico vergeblich darum, Ordnung in Speldorfs Spiel zu bringen. "Wir haben manchmal den Ball gehabt und uns gefragt: Was machen wir jetzt damit?", gab er lachend zu. Der Ballbesitz von 49 zu 51 Prozent wirkte statistisch ausgeglichen, in Wahrheit aber diktierte Falke das Geschehen. Nur das Tor, das verweigerte konsequent die Kooperation. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit Hannovers Angriffen und Speldorfs tapferer Schadensbegrenzung. Besonders auffällig: der 18‑jährige Francesco Belsito, der gleich viermal innerhalb von acht Minuten (17.-25.) zum Abschluss kam - so etwas nennt man wohl jugendlichen Übermut. "Ich wollte einfach ein Tor schießen, irgendwann muss der Ball ja mal rein", meinte er nach Spielende mit einem Schulterzucken. Speldorf blieb unterdessen seiner "balanced"‑Taktik treu - ausgeglichen, solide, wenig Risiko, kein Pressing. Falke dagegen spielte konsequent "offensiv", mit sicherem Abschlussverhalten und viel Laufarbeit. Doch wo andere Statistiken glänzen, zählt im Fußball am Ende nur die Anzeigetafel - und die zeigte auch nach 90 Minuten ein störrisches 0:0. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Speldorfs Trainer Meier, "manchmal ist ein Punkt mehr wert als drei, wenn man ihn sich so erarbeitet." Petersen konterte mit trockenem Humor: "Wir nehmen den Punkt mit, weil wir ihn nicht mehr hergeben können." Als die Spieler schließlich in die Kabinen trotteten, mischte sich Applaus mit einem leisen Murmeln des Unglaubens: Wie konnte dieses Spiel kein Tor haben? Vielleicht hätte Falke einfach noch bis Mitternacht schießen müssen. Doch so blieb es bei einem torlosen, aber keineswegs langweiligen Abend in der Regionalliga C - einem Spiel, das in Erinnerung bleibt als Paradebeispiel dafür, dass auch ein 0:0 schwitzen, zittern und lächeln lassen kann. Und wer weiß: Vielleicht hat der Fußballgott einfach nur geschlafen. Samstag, 20:15 Uhr ist schließlich keine Zeit für Wunder, sondern für Geduld - und die hatte an diesem Abend nur Speldorf. 15.05.643987 03:41 |
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Uli Hoeneß