Canadian Soccer
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North York Stars siegen spät - Blues verzweifeln am eigenen Mut

Es war einer dieser Abende im Pacific Park, an denen das Flutlicht heller strahlt als die Gesichter der Heimfans nach dem Abpfiff. 25.957 Zuschauer wollten beim 23. Spieltag der 1. Liga Kanada sehen, wie die Vancouver Blues ihren leichten Aufwärtstrend bestätigen - und sahen stattdessen ein 2:3 gegen die North York Stars, das in seiner Dramaturgie irgendwo zwischen Shakespeare und Slapstick pendelte.

Die erste Halbzeit? Nun ja, ein Lehrfilm in geduldigem Ballgeschiebe. Vancouver hatte mit 51 Prozent Ballbesitz leicht die Nase vorn, allerdings ungefähr so gefährlich wie ein Pudel im Schneesturm. Beide Teams hielten sich an ihren "balanced" Gameplan - was so viel bedeutet wie: keiner wollte den ersten Fehler machen. "Ich dachte schon, wir spielen heute auf Unentschieden bis nächste Woche", grinste später North Yorks Trainer Axel Foley, der mit seinem Charme irgendwo zwischen Hollywood und Hintertorlinie pendelt.

Dann kam die 51. Minute, und der Blues erwachte. Isidoro Sainz, sonst oft der Mann für die schönen, aber folgenlosen Dribblings, zog diesmal nach Vorlage von Rene Brongniart trocken ab - 1:0. Das Stadion tobte, die Band im Fanblock stimmte einen Klassiker an (dessen Text wir aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht wiedergeben dürfen), und man wähnte Vancouver auf dem Weg zum Heimsieg.

Doch Freude und Blues - das passt bekanntlich selten dauerhaft zusammen. Nur drei Minuten später verwandelte sich der Innenverteidiger Billy Bourgeois in einen Mittelstürmer wider Willen, als er nach einem Eckball den Ball ins Tor stocherte. 1:1, und im Gesicht von Blues-Keeper Arnaldo Napolitano stand ein Ausdruck zwischen "Wie ist der da hingekommen?" und "Ich kündige morgen".

In der 73. Minute schien dann doch noch einmal die Sonne über Vancouver: Nenad Svitlica, der rechte Mittelfeldmann, zog nach innen und hämmerte den Ball in die Maschen. 2:1, Jubel, Bierduschen, Hoffnung. Doch wie so oft ist Hoffnung die grausamste aller Emotionen.

Drei Minuten später - kaum hatte der Stadionsprecher den Namen des Torschützen fertig ausgesprochen - glich North York erneut aus. Freddie Morin, eigentlich Rechtsverteidiger, tauchte nach einem Pass von Isaac Simard plötzlich im gegnerischen Strafraum auf und schlenzte den Ball lässig ins lange Eck. "Ich hab einfach mal die Seitenlinie ignoriert", erklärte Morin später mit einem Schulterzucken.

Und weil das Drama noch eine letzte Wendung brauchte, traf in der 86. Minute Christian Smith zum 2:3. Die Vorlage? Natürlich wieder Morin. "Wir hatten das Gefühl, die Blues wollten uns einladen", sagte Smith trocken. "Wir haben nur höflich angenommen."

Die Statistik zeigte danach ein knappes, aber verdientes Ergebnis: 13 Torschüsse der Stars gegenüber 9 der Blues, dazu eine leicht bessere Zweikampfquote für die Gäste (52 zu 48 Prozent). Vancouver wirkte bemüht, aber fahrig - besonders in der Schlussphase, als Sainz noch zweimal gefährlich auftauchte, aber jeweils an Keeper Alexander Badham scheiterte.

Trainer Foley lobte sein Team: "Wir haben ruhig geblieben, auch als die Blues Druck gemacht haben. Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon nach Westen fliegt, bringt wenigstens Punkte mit." Sein Gegenüber - der Blues-Coach, der nach Abpfiff lieber namenlos bleiben wollte - murmelte nur: "Wir schießen zwei Tore zu Hause und verlieren. Das ist schon fast Kunst."

Gelbe Karten gab’s übrigens auch - North Yorks Asier Couto (31.) und Ethan Donahue (89.) sowie Vancouvers Alexander Barclay (57.) durften sich über kleine Erinnerungen an den Schiedsrichter freuen.

Als die Fans nach dem Schlusspfiff langsam aus dem Stadion trotteten, blieb das Gefühl zurück, ein Spiel gesehen zu haben, das alles bot - außer Logik. Vancouver hatte den Ball, die Stars hatten die Tore. Und während die Blues ihre Köpfe hängen ließen, tanzten die Gäste ausgelassen im Mittelkreis.

"Wir sind noch lange nicht durch", rief Foley lachend in die Kameras, "aber heute haben wir gezeigt, dass Sterne auch in Vancouver leuchten können."

Vielleicht sollte jemand den Blues erklären, dass das mit dem "Heimvorteil" keine theoretische Idee ist. Aber gut - es wäre ja nicht Vancouver, wenn man nicht wenigstens schön verlieren könnte.

12.10.643987 08:11
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