// Startseite
| Jamaica News Bulletin |
| +++ Sportzeitung für Jamaica +++ |
|
|
|
Wenn 40.629 Zuschauer im jamaikanischen Abendlicht kollektiv den Atem anhalten, dann ist Fußball plötzlich wieder das, was er sein soll: Drama, Leidenschaft und ein bisschen Wahnsinn. Beim 3:2 (2:1) von New Green FC gegen Monymusk FC am 5. Spieltag der 1. Liga Jamaica bekamen die Fans all das - und noch ein bisschen mehr. Die ersten Minuten liefen wie aus dem Lehrbuch für Heimmannschaften. Kaum hatte Schiedsrichter Dawes angepfiffen, rauschte New Green FC los, als hätte Trainerin Martina Wen vor dem Spiel einen Espresso-Eimer gereicht. Bereits in der 4. Minute zirkelte Max Noll den Ball nach Pass von Rechtsaußen Gretar Kolvidsson ins lange Eck - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Noll später. "Aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Und als das Publikum noch jubelte, schlug die Abwehr zu - allerdings die von New Green. Innenverteidiger Julien Picard stieg in der 12. Minute nach einer Ecke am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. 2:0 - und die Tribüne bebte wie ein Stahlkessel. "Wir haben trainiert, dass auch Verteidiger mal treffen dürfen", kommentierte Coach Wen trocken. Doch Monymusk FC, von Coach Ricardo "Ricky" James mit offensiver Ausrichtung losgeschickt, zeigte, dass sie nicht zum Zuschauen angereist waren. Der Routinier Nelson Martins, 34 Jahre alt und offenbar mit der Lunge eines Marathonläufers gesegnet, verkürzte in der 35. Minute nach feinem Pass von Eduardo Godo auf 2:1. "Ich hab’ nur den Fuß hingehalten", meinte Martins bescheiden - was wohl jeder Stürmer nach einem Traumtor sagt. Kurz darauf holte sich Monymusks Rechtsverteidiger Christoph Haag noch eine gelbe Karte ab, offenbar aus Nostalgiegründen. Es war seine dritte in fünf Spielen, und die Bank grinste wissend. Nach der Pause kam Monymusk mit Wucht zurück. Der flinke Elliot McGowan traf in der 48. Minute nach Vorlage des erst 18-jährigen Patrick Patton. Plötzlich stand es 2:2, und Trainerin Wen an der Seitenlinie klatschte so heftig, dass ihr Assistent die Ersatzbälle sichern musste. "Da war Feuer drin", sagte sie später, "aber nicht immer im richtigen Ofen." Ab der 60. Minute entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. New Green hatte mit 52 Prozent Ballbesitz einen Hauch mehr Kontrolle, Monymusk blieb über Konter gefährlich. Noll und Chamberlain prüften Gästekeeper Kinmont gleich mehrfach, während Monymusk durch Martins und McGowan gefährlich blieb. 13 Schüsse auf das Tor bei New Green, 8 bei Monymusk - Zahlen, die eine enge Partie erzählen. Dann kam die 89. Minute. Gretar Kolvidsson, der 31-jährige Dauerläufer, tankte sich auf der rechten Seite durch und flankte präzise auf den 19-jährigen Brandon Chamberlain. Der nahm den Ball mit der Brust, schaute kurz, schoss - und traf. 3:2. Stadionexplosion. "Ich hab’ keine Ahnung, was passiert ist", sagte Chamberlain danach, immer noch fassungslos. "Ich hab nur Gretar schreien hören: ’Mach was!’ - also hab ich was gemacht." Monymusk versuchte in den letzten Sekunden noch einmal alles. Martins kam in der 87. und 88. Minute zu zwei Abschlüssen, aber New-Green-Keeper Stephane Bouchard, bisher weitgehend beschäftigungslos, wuchs plötzlich über sich hinaus. Mit einer Parade kurz vor Schluss sicherte er den Sieg. Nach Abpfiff schüttelte Trainerin Wen jedem Spieler die Hand. "Das war nicht schön, aber effektiv", bilanzierte sie. "Und hübsch ist im Fußball ohnehin überbewertet." Ricky James dagegen stapfte mit verschränkten Armen vom Feld und murmelte: "Zwei Minuten länger, und wir hätten sie gehabt." Das Publikum feierte, als hätte New Green gerade den Titel gewonnen. In Wahrheit war es nur der 5. Spieltag - doch dieser Abend hatte alles, was den Fußball zum Lieblingsirrationalismus der Menschheit macht: frühe Euphorie, zittrige Nerven, und einen Teenager, der im Flutlicht zum Helden wird. Und irgendwo in der Kabine summte Max Noll leise vor sich hin: "Ich wollte ja wirklich flanken…" Am Ende blieb ein Spiel, das in keiner Highlight-Zusammenfassung fehlen wird: 3:2, viel Schweiß, ein bisschen Glück - und ein Stadion, das noch lange nach Abpfiff vibrierte. Trainerin Wen brachte es auf den Punkt: "Manchmal ist Fußball einfach nur verrückt - und genau so lieben wir ihn." 15.07.643990 07:06 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: