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Es war einer dieser Abende, an denen 39.223 Zuschauer im "Green Dome" das Gefühl hatten, sie säßen mitten in einem Karibik-Krimi - nur mit mehr Schweiß und weniger Logik. New Green FC gewinnt am 10. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit 2:1 gegen Harbour View, doch der Weg dahin war so kurvig wie die Laufbahn von Schiedsrichterin López an der Seitenlinie. Schon in der zwölften Minute ging New Green mit 1:0 in Führung - und das in einer Szene, die so schön war, dass selbst die gegnerischen Fans kurz klatschten. Thomas Bisson, der linke Mittelfeldmann mit der Eleganz eines Tänzers, traf nach feinem Zuspiel von Ashton Leech. "Ich hab nur gedacht: Wenn der Ball jetzt nicht reingeht, schreib ich mich selbst ab", grinste Bisson später in die Kameras. Trainerin Martina Wen stand da schon jubelnd an der Seitenlinie und brüllte "Endlich zahlt sich das Kurzpassspiel aus!" - wobei man ihr ansah, dass sie selbst nicht so recht daran geglaubt hatte. Doch Harbour View zeigte, warum sie trotz defensiverer Aufstellung als "Flügel-Fanatiker" gelten. Nur 16 Minuten später, in der 28. Minute, war es Innenverteidiger Julien Berthier, der nach einer Ecke von Jack Lessard das 1:1 köpfte. Berthier, ein Turm in der Abwehr, hatte offenbar beschlossen, dass er es vorne besser kann. "Ich wollte eigentlich zurücklaufen, aber der Ball hat so nett zu mir geschaut", lachte er nach dem Spiel. Zur Halbzeit stand es also 1:1, und die Statistiker zogen bereits die Stirn in Falten: Harbour View hatte mehr Torschüsse (13 insgesamt) und wirkte aggressiver, während New Green mit 54 Prozent Ballbesitz und gepflegter Ruhe glänzte - zumindest, wenn man Gelb nicht als Modefarbe wertete. In der zweiten Hälfte wog das Spiel hin und her. Harbour View brachte frische Kräfte - gleich drei Wechsel in der 60. Minute -, doch die erhoffte Wende blieb aus. Luis Diaz, der 19-jährige Flügelflitzer, sollte Druck machen, aber stattdessen überholte ihn einmal sogar der Balljunge. Trainer Dani Petrus schüttelte die Stirn: "Wir wollten Tempo, bekamen aber eher einen Spaziergang." Dann kam die 72. Minute - und mit ihr der Moment, den die Fans von New Green so schnell nicht vergessen werden. Daniel Celine, der Routinier im Sturm, nutzte ein Traumzuspiel von Bisson und netzte eiskalt ein. 2:1! Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wusste, wenn Bisson den Ball bekommt, muss ich einfach laufen. Und hoffen. Und beten. Na ja, hat geklappt", erklärte Celine mit einem Grinsen, das selbst die Flutlichtmasten zum Leuchten brachte. Harbour View versuchte danach alles - zumindest fast. Mehrere Schüsse von Bradley Harrington und Nestor de la Fuente rauschten knapp vorbei, während Torhüter Ethan Lewis auf Seiten von New Green eine Glanzparade nach der anderen zeigte. In der 74. Minute sah Julien Berthier Gelb, zwei Minuten später sein Teamkollege Christo Mantschew - offenbar ein Versuch, wenigstens in der Statistik zu führen. Und als dann auch noch Christian Jacurso in der 89. Minute verwarnt wurde, wirkte Harbour View mehr wie eine Gelbsammlung denn wie ein Fußballteam. "Wir haben zu viel diskutiert und zu wenig geschossen", fasste Trainer Petrus trocken zusammen. "Vielleicht sollten wir nächste Woche mal den Ball statt den Schiedsrichter treffen." New Green-Coach Martina Wen hingegen war sichtlich zufrieden, auch wenn sie betonte, dass "noch Luft nach oben" sei. "Aber heute war’s eine Mannschaft, kein Zufallsgenerator", sagte sie und lachte. Am Ende jubelten die Heimfans, die Spieler tanzten ausgelassen vor der Kurve, und selbst der Stadionsprecher klang gerührt, als er verkündete: "New Green FC - wieder grün vor Glück!" Harbour View hingegen muss sich fragen, wie man mit 13 Abschlüssen und gefühlt 80 Prozent Willen trotzdem verliert. Vielleicht liegt die Antwort in der alten Fußballweisheit, die Celine nach dem Abpfiff mit einem Schulterzucken lieferte: "Am Ende zählt halt, wer trifft." Und da trafen diesmal die Richtigen. Schlusswort? Vielleicht nur dies: Wer ein Spiel wie dieses sieht, weiß, warum Fans Herztabletten lieben - und warum Fußball manchmal so schön unlogisch ist. 23.02.643994 17:11 |
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