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Es war einer dieser Abende im Duhaney Park Stadium, an denen die Statistik klar die Geschichte erzählen wollte - und das Ergebnis höflich widersprach. 30.924 Zuschauer sahen ein Heimteam, das mit 54,9 % Ballbesitz und satten 17 Torschüssen eigentlich alles richtig machte. Alles - außer den Ball öfter ins Tor zu schießen. Am Ende jubelte der New Green FC über einen 2:1‑Auswärtssieg, während Duhaney Park-Trainer Stefan Müller mit einem bitteren Lächeln erklärte: "Wenn Chancen Tore wären, hätten wir heute zweistellig gewonnen." New Green dagegen tat, was effiziente Mannschaften so tun: Sie trafen früh, sie trafen nach und sie überstanden den späten Sturm mit einem Mann weniger. Und das alles mit einer Unaufgeregtheit, die man auf der Karibikinsel wohl bald als "Green-Effekt" bezeichnen wird. Bereits nach 60 Sekunden lag der Ball im Netz. Ashton Leech, der zentrale Mittelfeldmotor der Gäste, nahm sich ein Herz, zog aus gut 20 Metern ab - und traf. "Ich wollte eigentlich nur die ersten Pässe finden", grinste Leech nach der Partie. "Aber dann dachte ich mir: Warum nicht gleich anfangen?" Die Vorlage kam von Daniel Celine, der seinerseits in der ersten Minute offenbar schon hellwach war, während Duhaney Park noch nach der perfekten Sonnencreme suchte. Danach arbeitete sich die Partie in die erwartete Richtung: Duhaney Park drückte, kombinierte, flankte - und scheiterte. Joseph MacDuff traf das Außennetz, Louis Pare prüfte Gästetorhüter Ethan Lewis mehrfach, und Carlos Veloso schoss so häufig vorbei, dass der Balljunge zur Halbzeit um Schmerzensgeld bat. Trainer Müller blieb erstaunlich ruhig. "Wir haben den Ball, wir haben den Plan - nur das Tor fehlt. Aber das ist ja nichts Neues", sagte er in der Halbzeit, halb ernst, halb ironisch. Die zweite Hälfte begann mit einem doppelten Wechsel bei New Green: Der 18-jährige David Celine kam für den erfahrenen Kolvidsson, und im Sturm ersetzte Marc Peltier den müden Daniel Celine. Ein Schachzug, der sich auszahlen sollte - und wie. In der 56. Minute setzte Leech erneut ein Zeichen, diesmal als Vorlagengeber. Sein Steilpass fand Peltier, der eiskalt blieb und auf 2:0 erhöhte. "Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken", sagte Peltier später. "Vielleicht war das mein Glück. Wenn ich nachdenke, treffe ich nicht." Duhaney Park schien geschockt, doch das Publikum trieb die Mannschaft weiter an. In der 65. Minute brachte Müller frisches Blut: Callum Barthez kam für den glücklosen Veloso, zehn Minuten später folgten Ricardo Travassos und Bruno McGowan. Das Spiel bekam neuen Schwung - und endlich auch ein Tor. In der 73. Minute zog Alberto Albacar von der linken Seite nach innen und hämmerte das Leder, nach feinem Zuspiel von Alejandro Gama, ins lange Eck. Der Anschlusstreffer zum 1:2 ließ das Stadion beben. "Da war der Glaube wieder da", sagte Gama nach dem Spiel. "Leider auch bei der Abwehr von New Green." Denn die Gäste, nun tief stehend und zunehmend nervös, verteidigten mit allem, was sie hatten - inklusive Gelber Karte für Deniz Bilgin, der später in der 92. Minute mit Gelb‑Rot vom Platz musste. "Ich schwöre, ich habe nur gepfiffen - auf den Schiedsrichter, nicht auf den Gegner", rechtfertigte sich Bilgin mit einem Augenzwinkern. Die Schlussphase war ein einziges Belagerungsspiel. Albacar, Wiltshire und Gama feuerten aus allen Lagen, Lewis im Tor von New Green hielt, was zu halten war, und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar war. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Lewis. "Ich weiß nur, dass der Ball öfter auf mich zuflog als die Mücken beim Training." Als der Schlusspfiff ertönte, sank Duhaney Park erschöpft zu Boden, während New Green jubelnd in Richtung der 200 mitgereisten Fans tanzte. Trainerin Martina Wen fasste das Ganze trocken zusammen: "Wir wollten kompakt stehen und effizient sein. Zwei Schüsse, zwei Tore - da kann man nicht meckern." Statistisch gesehen war es ein Spiel, das Duhaney Park nie hätte verlieren dürfen. Mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen (53 %), mehr Schüsse, mehr Leidenschaft. Doch Fußball bleibt eben die Kunst, aus Zahlen Gefühle zu machen - und aus Chancen Tore. Am Ende stand ein 1:2, das weh tat, aber auch zeigte: Duhaney Park hat Moral, Spielfreude - nur eben keine Punkte. New Green FC dagegen reist mit breiter Brust weiter, wohl wissend, dass Effizienz manchmal die schönste Taktik ist. Oder, wie Trainer Müller beim Abschied noch murmelte: "Wenn das so weitergeht, schreibe ich dem Ball demnächst persönlich eine SMS: Bitte rein." 01.01.643988 05:30 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler