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Es war ein kalter Januarabend in Riegelsberg, aber die 1881 Zuschauer im kleinen Stadion dürften schnell vergessen haben, dass der Winter noch nicht vorbei ist. Zu heiß, zu wild, zu eindeutig: Borussia Neunkirchen schickte den Gastgeber mit 4:1 (1:1) vom Platz und zeigte dabei eine Spielfreude, die selbst manchen neutralen Besucher zum leisen Pfeifen brachte. "Ich wusste gar nicht, dass die Landesliga so laufen kann", grinste ein älterer Zuschauer auf der Tribüne, als der Ball nach 13 Minuten das erste Mal im Netz zappelte. Manuel Maniche, gerade 19, schlenzte den Ball nach einem feinen Pass von Javier Montanes unhaltbar ins lange Eck. Trainer Kada Schmide, sonst eher der Typ stoischer Taktiker, ballte die Faust und brüllte: "So will ich das sehen - mutig, mit Köpfchen!" Doch Riegelsberg antwortete - zumindest kurzzeitig. In der 22. Minute fand Simon Henning auf links etwas Platz, flankte scharf nach innen, und Marko Neumann, der Riegelsberger Routinier mit 32 Jahren, köpfte beherzt ein. 1:1 - das Stadion tobte, und man glaubte kurz, hier könne ein spannender Abend entstehen. Leider blieb es bei der Hoffnung. Denn was danach kam, war ein schwarz-weißes Lehrstück in Sachen Dominanz. Neunkirchen hatte 26 Torschüsse, Riegelsberg gerade einmal zwei - und das spürte man mit jeder Minute mehr. "Wir sind nur hinterhergelaufen", gab Riegelsbergs Torwart Hanns Freitag später ehrlich zu. "Irgendwann dachte ich, ich sollte mir die Namen der Schützen merken - fürs Sammelalbum." Nach der Pause brach der Damm endgültig. In der 50. Minute trat Linksverteidiger Ewan Poe, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, plötzlich als Torschütze auf. Nach Vorarbeit von Matthias Arnold donnerte er den Ball aus 18 Metern in die Maschen - 1:2. Es war der Moment, in dem Riegelsberg kollektiv das Schulternzucken begann. Und dann kam die 64. Minute, in der Sven Hein, der Riegelsberger Abwehrchef, offenbar beschloss, dass ein früher Feierabend auch seinen Reiz hat. Nach einem rüden Einsteigen gegen den flinken Karsten Kirchner zückte der Schiedsrichter glatt Rot. "Ich wollte den Ball spielen", erklärte Hein hinterher mit einem Gesichtsausdruck zwischen Unschuld und Verzweiflung. Trainer Kada Schmide kommentierte trocken: "Den Ball hat er wohl mit dem Fernglas gesucht." Zwei Minuten später machte Neunkirchen weiter, als wäre nichts gewesen. Meik Arndt, gerade einmal 18, traf nach schönem Zusammenspiel mit Montanes zum 1:3. Eine Kombination, so sauber, dass selbst der Linienrichter kurz applaudieren wollte. In der Schlussminute, als die Riegelsberger längst darum bettelten, dass der Schiedsrichter endlich abpfeift, setzte Matthias Arnold noch einen drauf. Nach einem Sprint über den halben Platz verwertete er den Pass des eingewechselten Günther Berndt souverän - 1:4 in der 94. Minute. Einige Fans verließen kopfschüttelnd das Stadion, andere applaudierten den Gästen, einfach weil es nicht anders ging. Statistisch war das Ganze eine Demütigung: 55 Prozent Ballbesitz für Neunkirchen (es wirkten wie 80), 26:2 Torschüsse, eine Zweikampfquote von knapp 59 Prozent. Riegelsberg kam kaum über die Mittellinie, und wenn doch, dann meist, um den Ball gleich wieder zu verlieren. "Wir wollten defensiv stabil stehen", murmelte ein sichtlich ernüchterter Riegelsberger Co-Trainer, "aber das hat ungefähr so gut funktioniert wie ein Regenschirm im Orkan." Kada Schmide hingegen nahm’s mit jugendlichem Übermut: "Das war noch lange nicht perfekt, aber wenn die Jungs weiter so spielen, müssen wir demnächst Eintritt verlangen, auch beim Training." Beim Abpfiff um 22:00 Uhr war klar: Borussia Neunkirchen hat sich nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Menge Respekt geholt. Die junge Truppe - kaum ein Spieler älter als 20 - wirbelte mit Tempo, Präzision und Selbstbewusstsein. Riegelsberg dagegen muss sich fragen, wie man gegen so viel jugendliche Leichtigkeit überhaupt bestehen soll. "Vielleicht sollten wir auch mal ein bisschen Spaßfußball spielen", meinte Marko Neumann mit einem müden Grinsen. "Aber dafür braucht man wahrscheinlich erst mal den Ball." Während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb der Eindruck eines Abends, an dem eine Generation den Fußball neu verteilte: jung, hungrig, unverschämt effektiv. Und irgendwo in der Kabine soll Trainer Schmide noch gesagt haben: "Wenn sie jetzt auch noch pünktlich zum Training kommen, kann das was werden." Ein Satz, der in Riegelsberg wohl noch lange nachhallen wird - so wie das Echo des 1:4. 24.05.643987 23:50 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: