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894 Zuschauer sahen am Donnerstagabend in Riegelsberg ein Spiel, das in der ersten Halbzeit noch nach ehrlichem Landesliga-Fight roch - und in der zweiten Hälfte zum klaren Klassenunterschied mutierte. Borussia Neunkirchen gewann beim Liga-Pokal-Gruppenrundenspiel mit 4:0 (0:0) und hätte, ehrlich gesagt, auch höher siegen können. Dabei begann alles so harmlos. Riegelsberg stand kompakt, Borussia suchte geduldig nach Lücken. In den ersten 45 Minuten schickte Neunkirchen zwar einen Torschuss nach dem anderen Richtung Heimkeeper Hanns Freitag - 14 an der Zahl, wie der Statistikbogen später verriet - doch das Tor blieb zugenagelt. "Da denkst du irgendwann, der Ball hat was gegen uns persönlich", grinste Borussias Trainer Kada Schmide später in die Kameras. Riegelsberg verteidigte mit Herz und Gelber Karte: Dieter Hammer (40.) und Fabian Müller (42.) mussten den Schiedsrichter daran erinnern, dass man Zweikämpfe auch charmant führen kann. Doch die Gäste ließen sich davon nicht beirren. "Wir wussten, wenn wir so weitermachen, fällt das Ding irgendwann", erklärte der 19-jährige Matthias Arnold, der - kleiner Spoiler - später noch eine große Rolle spielen sollte. Dann kam Minute 48, und mit ihr die Explosion. Nach einem sauberen Pass von Lasse Reinhardt drosch Arnold die Kugel ins lange Eck - 0:1. Kaum hatte sich das Stadion wieder gesetzt, klingelte es erneut: zwei Minuten später war Manuel Maniche zur Stelle, wieder nach Vorarbeit von Lasse Reinhardt. 0:2, und Riegelsberg schaute sich ungläubig an, als wäre die Stromrechnung doppelt abgebucht. "Wir waren eigentlich noch in der Halbzeitpause", murmelte Riegelsbergs Kapitän Dieter Hammer später selbstkritisch. Tatsächlich schien sein Team kurzzeitig geistig in der Kabine zu verweilen, denn in Minute 51 legte Arnold gleich noch einmal nach - Doppelpack! Diesmal kam die Vorlage von Meik Arndt, der im Mittelfeld ein Spiel machte, als hätte er schon 200 Landesligaspiele auf dem Buckel. Nach dem 0:3 war das Spiel entschieden, auch wenn Riegelsberg sich nicht hängen ließ. Georg Heinze (58.) und Walther Smith (60.) tauchten immerhin zweimal gefährlich vor dem Gästetor auf - die einzigen echten Lichtblicke im Offensivspiel. Borussia-Neunkirchen-Keeper Luis Eximeno blieb weitgehend beschäftigungslos, aber aufmerksam genug, um die Null festzuhalten. Das Ende der Partie gehörte dann wieder den jungen Wilden aus Neunkirchen. In der 94. Minute setzte der 17-jährige Karsten Kirchner den Schlusspunkt - nach schöner Vorarbeit von Arndt, der damit seine zweite Torbeteiligung des Abends sammelte. 0:4, und ein Riegelsberger Fan auf der Tribüne raunte trocken: "Na, wenigstens haben sie uns nicht zweistellig weggeschossen." Die Statistiken lesen sich so deutlich, wie das Ergebnis klingt: 26:3 Torschüsse für Borussia, 52 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Riegelsberg mühte sich mit 47 Prozent Ballbesitz redlich, aber wie Trainer Schmide süffisant meinte: "Ballbesitz ist schön, Tore sind besser." Trainer Kada Schmide lobte seine jungen Spieler: "Das war ein reifes Spiel. Wir haben in der Pause gesagt: ’Bleibt ruhig, macht’s sauber fertig.’ Das haben sie umgesetzt." Sein Gegenüber, der Riegelsberger Coach - der lieber anonym bleiben wollte, was vieles sagt - sprach von einem "Lernspiel". Und ergänzte: "Wir müssen anerkennen, dass Borussia einfach schneller gedacht hat. Und gelaufen ist. Und geschossen hat. Und getroffen hat." Ein kleiner Aufreger blieb die Verletzung von Sebastian Hase in der 73. Minute, der humpelnd vom Platz musste. Für ihn kam Harald Muster, der sich immerhin lautstark einmischte - und nach dem Abpfiff lachend meinte: "Ich hab wenigstens keinen Gegentreffer mehr kassiert!" Unter dem Strich war es ein Fußballabend, der zeigte, was eine junge, spielfreudige Mannschaft ausrichten kann, wenn sie Geduld mit Präzision paart. Riegelsberg hingegen wird sich fragen, wie man 45 Minuten lang so diszipliniert verteidigen und dann in sieben Minuten alles verspielen kann. "Wir haben Lehrgeld gezahlt", sagte Verteidiger Fabian Müller nach dem Spiel und fügte mit einem gequälten Lächeln hinzu: "Leider bar und in voller Höhe." Fazit: Borussia Neunkirchen zieht mit einem souveränen 4:0 in der Gruppenrunde des Liga-Pokals (Landesliga 32) davon, während Riegelsberg sich mit Pflaster, Ironie und vielleicht einem kalten Bier trösten muss. Und wer weiß - vielleicht erzählt man in Riegelsberg in ein paar Jahren: "Damals, gegen Neunkirchen, da haben wir 0:4 verloren. Aber schön war’s trotzdem." 10.04.643987 04:12 |
Sprücheklopfer
Das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe.
Berti Vogts