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Es war alles angerichtet für einen lauen Fußballabend am Golf von Neapel: 43.500 Zuschauer, Flutlicht, Meeresbrise, und ein AC Neapel, der sich nach frühem Feuerwerk eigentlich nur noch die Sonne auf den Rücken hätte scheinen lassen müssen. Doch am Ende stand ein 3:3, das sich für die Gäste aus Gela wie ein Finalsieg anfühlte - und für die Neapolitaner wie ein Albtraum mit offenem Ende. Kaum hatte Schiedsrichter Bianchi angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 2. Minute schickte Ivan Carracedo den quirligen Wladimir Charitonow steil, der mit einem trockenen Abschluss zur 1:0-Führung traf. "Ich dachte erst, das sei zu früh, um zu jubeln", grinste Charitonow später, "aber dann hörte ich die Kurve schreien - da konnte ich ja nicht mehr aufhören." Doch die Freude währte nicht lange. Nur sechs Minuten später ließ Freddie Malfoy - nein, kein Zauberer, sondern Gelas linker Mittelfeldmann - die Heimmauer erstarren. Mit einem satten Schuss aus 20 Metern egalisierte er zum 1:1. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur zum Trikottausch hier sind", sagte Gästecoach Michael Müller, dessen Team in der ersten halben Stunde mutig nach vorne spielte und mit 52 Prozent Ballbesitz das Spiel durchaus offenhielt. Dann kam die Phase, in der Neapel zeigte, warum man eigentlich zur Spitzengruppe gehört. Isaac More traf in der 41. Minute, nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Hamza Avci, eiskalt zum 2:1. Nur drei Minuten später servierte derselbe Avci erneut - diesmal für den jungen Stephane Larocque, der das 3:1 markierte. Ein Doppelschlag, wie aus dem Lehrbuch. "Da dachte ich, das Ding ist durch", gab Trainer Header Maxov nach dem Spiel zu. "Fehler Nummer eins: Ich hab mich hingesetzt." Doch Fußball verzeiht keine Gemütlichkeit. Direkt nach Wiederanpfiff nutzte Julien Matthieu einen Stellungsfehler in der Neapolitaner Abwehr und verkürzte auf 2:3. Und als Dylan Martin, der bullige Mittelstürmer Neapels, in der 57. Minute wegen einer übermotivierten Grätsche die Rote Karte sah, kippte das Spiel komplett. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte Martin in der Kabine, während sein Trainer draußen die Stirn massierte. Gela roch Blut. Schuss um Schuss prasselte auf das Tor von Francesco Piras, der sich mehrfach auszeichnen musste. In der 60. bis 75. Minute feuerten die Sizilianer gleich vier Mal gefährlich aufs Tor - Garcia, Vazques, Malfoy, Smith - aber noch hielt das Bollwerk. Neapel zog sich tief zurück, verteidigte mit allem, was Beine hatte, und kassierte Gelb um Gelb. Dann die 88. Minute, das Stadion hielt den Atem an: Der eben eingewechselte Marco Frechaut flankte von links, und Javier Vazques drosch den Ball mit der Wucht eines ganzen Küstenvolks in die Maschen. 3:3. Der Gästeblock explodierte, der Rest des Stadions verstummte. Vazques blieb kurz liegen - Krämpfe, wie sich herausstellte -, wurde behandelt und unter Applaus ausgewechselt. In den letzten Minuten versuchte Neapel, noch einmal das Steuer herumzureißen, doch ohne Martin fehlte vorne die Anspielstation. Stattdessen sah Innenverteidiger Sergio Ferron in der 90. Minute Gelb für ein Foul, das eher Verzweiflung als Strategie war. Statistisch betrachtet hatte Gela die Nase leicht vorn: 7 Torschüsse zu 4, mehr Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe (54 zu 45 Prozent). Und am Ende auch mehr Grund zum Lächeln. "Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte Gästetrainer Müller. "Sie haben gezeigt, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Ballzauber." Neapels Coach Maxov hingegen suchte nach Worten - und fand schließlich Humor: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal in der Halbzeit einfach nach Hause gehen. Da stand’s ja 3:1 - das war doch ganz nett." Der Abend endete mit gemischten Gefühlen: Jubelnde Gäste, frustrierte Gastgeber und ein Publikum, das trotz allem Standing Ovations spendete. Vielleicht, weil es wusste: So chaotisch, so wild, so herrlich unberechenbar - das war Fußball, wie ihn Neapel liebt. Und irgendwo zwischen den verlassenen Chips-Tüten und den noch warmen Sitzschalen summte ein Fan in der Kurve: "Drei Tore, kein Sieg - typisch Neapel." Ironie des Schicksals, in Moll. 02.06.643993 12:30 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath