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23753 Zuschauer im Stade Marcel-Picot erlebten am Freitagabend ein Fußballspiel, das man so schnell nicht vergisst: sechs Tore, eine Gelb-Rote Karte, ein aufgebrachter Trainer - und ein FC Nancy, der zwar weniger Ballbesitz hatte, aber dafür umso mehr Zielwasser. Am Ende stand ein 4:2 (2:1) gegen Plabennecois, das sich wie ein Befreiungsschlag anfühlte - mit einem Schuss Chaos zum Dessert. Schon nach drei Minuten knisterte die Luft. Tomasz Preuss, der junge polnische Mittelstürmer, nahm eine flache Hereingabe von Idan Joffe direkt - und hämmerte den Ball kompromisslos in die Maschen. "Ich dachte ehrlich gesagt, der Torwart steht noch beim Aufwärmen", grinste Preuss später. Plabennecois, vom Startschuss überrumpelt, wirkte wie ein Boxer, der noch das Mundstück sucht. Nancy roch Blut. In der 13. Minute köpfte Jean Bachellier nach einer butterweichen Flanke von Innenverteidiger Didier Lamarliere zum 2:0 ein. Dass ein Abwehrspieler die Vorlage gab, passte ins Bild: Trainer Manuel Schaminet hatte seine Jungs offensiv eingestellt - OFFENSIVE, wie es in der Taktiktafel stand, und das war keine leere Floskel. Doch die Gäste aus der Bretagne wollten sich nicht kampflos ergeben. Kurz vor der Pause, in der 44. Minute, nutzte Ireneusz Fojut eine Lücke in Nancys Abwehr. Sein flacher Schuss ins rechte Eck ließ Torwart Michel Beaulieu keine Chance. 2:1 zur Halbzeit, und plötzlich roch es wieder nach Spannung. "In der Kabine hab’ ich gesagt: Jungs, das ist kein Picknick, das ist die 1. Liga!", brüllte Nancy-Coach Schaminet angeblich durchs Stadion, noch bevor die zweite Halbzeit überhaupt begann. Seine Worte wirkten. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff stieg Innenverteidiger Robert Martin nach einer Ecke am höchsten und nickte zum 3:1 ein - Vorlage von Christophe Fortin, dem Routinier im Sturm. Fortin grinste danach: "Ich wollte eigentlich aufs Tor schießen, aber Robert hat’s schöner gemacht." Plabennecois reagierte mit Wut und Pressing. Trainer Kersten Rittner ließ offensiv umstellen - seine Mannschaft rannte, biss, kämpfte. Und tatsächlich: In der 66. Minute traf Fernando Figo (nicht verwandt mit dem berühmten Namensvetter, aber ähnlich trickreich) nach Zuspiel von Fojut zum 3:2. Das Spiel schien zu kippen. Die Gäste hatten nun 54 Prozent Ballbesitz und feuerten insgesamt neun Torschüsse ab - einer mehr als Nancy. Doch die Präzision blieb bei den Gastgebern. In der 88. Minute machte der starke Charlie Hennessy alles klar: Nach einem feinen Pass des 19-jährigen Maurice Blanchard zog Hennessy aus 18 Metern ab - 4:2, und der Jubel kannte keine Grenzen. "Der Junge hat Augen im Hinterkopf", lobte Hennessy seinen jungen Mitspieler. Die letzten Minuten gerieten dann zur Farce. Didier Lamarliere, schon mit Gelb verwarnt, legte sich in der 89. Minute mit Schiedsrichter Dupont an - und sah prompt Gelb-Rot. "Er hat nur gesagt, der Ball sei rund", verteidigte ihn Coach Schaminet später halb lachend, halb fassungslos. Doch der Platzverweis änderte nichts mehr. Am Ende jubelte Nancy, obwohl die Statistik eher für Plabennecois sprach: mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Laufbereitschaft. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozentpunkten entschieden. "Wir haben vielleicht schöner gespielt", knurrte Gästetrainer Rittner, "aber Nancy hat die Tore geschossen." Und so verabschiedeten sich 23753 Zuschauer in die kühle Nacht von Nancy - einige mit heiserer Stimme, andere mit Kopfschütteln. Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen zusammen: "Schön war’s nicht immer, aber vier Tore sind vier Tore." Fazit: Der FC Nancy zeigte, dass Effizienz manchmal lauter jubelt als Eleganz. Plabennecois dagegen nahm aus Lothringen vor allem Frust mit - und die Erkenntnis, dass man selbst mit mehr Ballbesitz am Ende nur hinterherlaufen kann. Oder, um es mit den Worten von Trainer Schaminet zu sagen: "Ballbesitz? Kann man sich davon was kaufen?" Ein Satz, der wohl noch lange in Nancy zitiert werden wird - zumindest bis zum nächsten Spieltag. 16.12.643993 06:25 |
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