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Challenger League | 22. Spieltag | 02.09.26 | Namur United - Mol-Wezel 4:2 Dabei begann der Abend im Stadion von Namur keineswegs mit einem Heimsturm. Mol-Wezel hatte mehr vom Ball, mehr Torschüsse und vermutlich auch mehr Vertrauen in die eigene Statistik. 54,01 Prozent Ballbesitz gingen an die Gäste, Namur kam auf 45,99 Prozent. Bei den Torschüssen lag Mol-Wezel sogar mit 14:8 vorn. Das ist im Fußball ungefähr so, als hätte jemand doppelt so viele Bewerbungsgespräche geführt - und trotzdem den Job nicht bekommen. Die erste echte Warnung kam bereits in der dritten Minute, als François Leyn für Mol-Wezel abschloss. Jordy Peters legte sechs Minuten später nach. Namur blieb zunächst geduldig und lauerte auf die passende Gelegenheit. In der 14. Minute prüfte Ferenc Klausz den Gästekeeper, ehe Diego Mendes in der 23. Minute zuschlug. Nach Zuspiel von Simon Nuyts brachte der 21-Jährige die Hausherren in Führung. "Wir wollten nicht jedem Ball hinterherlaufen wie einem entlaufenen Hund", hätte Trainer Delgardo an der Seitenlinie sagen können. Tatsächlich blieb Namur seiner offensiven, aber ausgewogenen Ausrichtung treu: kein übertriebenes Pressing, keine hektischen langen Bälle, sondern der Versuch, gute Abschlussmöglichkeiten herauszuspielen. Das klappte erstaunlich gut - zumindest bei den entscheidenden Szenen. Nur drei Minuten nach dem 1:0 erhöhte Kai Locklear auf 2:0. Der rechte Angreifer nutzte die nächste namurische Druckphase und ließ die Tribüne endgültig auf Betriebstemperatur kommen. Mol-Wezel hatte zwar weiterhin mehr Ballbesitz, aber Namur besaß nun das, was im Fußball bekanntlich wichtiger ist als schöne Passdiagramme: die Führung. Die Gäste antworteten allerdings mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit. Seppe Van Poucke bereitete in der 40. Minute den Anschlusstreffer von Harald Eriksson vor. Nur eine Minute später traf François Leyn zum 2:2 - ein schneller Doppelschlag, der auf der Heimtribüne für jene kurze, sehr stille Phase sorgte, in der Zuschauer plötzlich so tun, als hätten sie dringend etwas in ihrer Jackentasche zu suchen. Doch Namur schlug noch vor der Pause zurück. In der 43. Minute erzielte Locklear sein zweites Tor, diesmal nach Vorarbeit von Jonatan Johnsen. Zur Halbzeit stand es 3:2. "Wir haben uns das Leben schwer gemacht, aber immerhin nicht langweilig", hätte Locklear nach dieser ersten Halbzeit wohl treffender kaum formulieren können. Nach dem Seitenwechsel blieb Mol-Wezel gefährlich. Leyn und Hans Scharf sorgten mehrfach für Unruhe, doch Namur verteidigte mit zunehmender Konsequenz. In der 70. Minute wechselte Delgardo Olivier Daens für Haim Pines-Paz ein. Kurz darauf wurde es für die Gäste noch komplizierter: Wouter Van der Kelen sah in der 70. Minute Gelb und musste fünf Minuten später nach der zweiten Verwarnung vom Platz. In Überzahl fand Namur die endgültige Entscheidung. In der 73. Minute vollendete erneut Kai Locklear, diesmal nach Vorlage von Gal Shum, zum 4:2. Ein lupenreiner Hattrick - und der Moment, in dem die Partie ihren letzten Rest an Vernunft verabschiedete. Mol-Wezel gab trotz Unterzahl nicht auf, kam weiterhin zu Abschlüssen, aber nicht mehr zum Tor. Namur brachte den Vorsprung über die Zeit, wechselte spät noch Nicolaas Van Vleck und Diego Mendes aus und durfte sich am Ende über drei Punkte freuen. Statistisch war es kein überlegener Sieg. Im Zweikampf lag Mol-Wezel sogar leicht vorn. Aber Fußball ist kein Volksentscheid über Ballbesitz. Manchmal gewinnt eben die Mannschaft, die weniger schießt, weniger den Ball hat - und dafür Kai Locklear besitzt. 03.09.2026 17:31 |
Sprücheklopfer
Es gibt Leute, die denken so, und es gibt Leute, die denken so. Das ist immer so, wenn viele Leute zusammenkommen.
Toni Polster