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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die 3. Liga eigentlich ein Drehbuchautor in der Hinterhand hat. 11.000 Zuschauer in Mündersbach bekamen beim 3:2 (1:1) gegen Weiler im Allgäu ein Spiel serviert, das alles hatte: Tempo, Tore, gelbe Karten - und eine Prise Dramatik, die man sonst eher aus italienischen Opern kennt. Von Beginn an war klar: Beide Teams wollten das. Schon in der ersten Minute prüfte Weilers Teenager-Sturm Ruben Guillen den Mündersbacher Keeper Ignati Gontschar - der reagierte mit einer Mischung aus Reflex und Glück. "Ich dachte, der Ball sei schon im Netz", grinste Gontschar später, "aber zum Glück dachte der Ball anders." Weiler legte los wie die Feuerwehr, hatte die ersten Chancen und belohnte sich in der 26. Minute: Linus Berger, der wendige Linksaußen, schloss eine Kombination über Robin Born eiskalt ab - 0:1 aus Sicht der Gastgeber. Trainer Mino Raiola, sonst eher für Transfergeschäfte bekannt, riss die Arme hoch, als hätte er gerade wieder einen Wunderstürmer verkauft. Doch Mündersbach hatte nach dem Gegentreffer etwas gegen den Rückstand. Nur sechs Minuten später trat Olaf Busch auf links an, flankte präzise, und Ognjen Milosevic traf zum 1:1. Der Jubel war laut, die Erleichterung spürbar. "Wir haben uns kurz geschüttelt und dann gemerkt: Die sind auch nur Menschen da drüben", sagte Busch mit einem Augenzwinkern. Bis zur Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die Statistiken spiegelten das wider: 56 Prozent Ballbesitz für Mündersbach, aber Weiler mit mehr Torschüssen (12 zu 10). Kurz vor der Halbzeit kassierte Felipe Verdasco noch Gelb, nachdem er den Ball etwas zu leidenschaftlich wegdrosch - der Schiedsrichter verstand keinen Spaß. In der Kabine muss Heimtrainer Marvin Krispin die richtigen Worte gefunden haben, denn seine Elf kam mit Feuer zurück. Kaum war angepfiffen, bediente Busch erneut mustergültig Cameron Delmas, der in der 47. Minute zur 2:1-Führung traf. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Delmas später und grinste, "Buschi hat den Ball dahin gelegt, wo selbst meine Oma getroffen hätte." Doch das Glück währte kurz. Nur zwei Minuten später glich erneut Linus Berger für Weiler aus, diesmal nach feiner Vorarbeit des jungen Heinrich Foerster. 2:2 - und das Stadion hielt kurz den Atem an. Auf der Trainerbank von Mündersbach flog für einen Moment sogar eine Wasserflasche. Krispin erklärte später: "Die Flasche war leer. Symbolisch. Wie mein Nervenkostüm in dem Moment." Dann kam die 63. Minute - und der Moment des Abends. Olaf Busch, der Mann des Spiels, zog aus gut 20 Metern ab, der Ball senkte sich über den Torwart ins Netz. 3:2! Die Fans tobten, und Busch verschwand fast in einer Jubeltraube. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er lachend zu, "aber der Ball hatte andere Pläne." Weiler stemmte sich gegen die Niederlage, brachte frische Kräfte: Kelly, Jacobs und Scherer kamen in der 60. Minute. Doch die Defensive blieb wacklig, und vorne fehlte das Quäntchen Glück. Jürgen Linke scheiterte gleich dreimal am glänzend reagierenden Gontschar. In der 86. Minute sah der 17-jährige Jacobs noch Gelb, kurz darauf auch Verteidiger Mark Herrmann - der Frust war greifbar. Mündersbach verteidigte die knappe Führung mit Leidenschaft, wenn auch nicht immer mit Eleganz. Luis Hernandez holte sich in der 77. Minute noch den obligatorischen "Abkühlungs-Gelben" ab, als er einen Angriff rustikal stoppte. "Ich wollte nur den Ball treffen", meinte er später, "aber der Ball war schneller weg als gedacht." Am Ende blieb es beim 3:2, ein Sieg, der Mündersbach nicht nur drei Punkte, sondern auch moralisches Oberwasser brachte. Trainer Krispin zeigte sich zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben heute Charakter gezeigt. Und manchmal reicht das, wenn man nicht ganz so viel Talent hat wie der Gegner." Sein Pendant Mino Raiola sah das naturgemäß anders: "Wir haben mehr Torschüsse gehabt, mehr Herz gezeigt - aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Oder vielleicht doch, dann hätten wir gewonnen." Unterm Strich ein verdienter, wenn auch hart erarbeiteter Sieg für Mündersbach. 3:2, drei verschiedene Torschützen, fünf Gelbe Karten, ein verletzter Stürmer - das war kein Spiel für Feingeister, sondern für Fußballromantiker. Und während die Zuschauer das Stadion verließen, hörte man einen älteren Fan murmeln: "Wenn das 3. Liga ist, brauch ich keine Champions League." Man kann ihm schwer widersprechen. 04.11.643987 14:15 |
Sprücheklopfer
Jens Jeremies erinnert mich an den jungen Lothar Matthäus.
Lothar Matthäus