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Münchens späte Selbstzerstörung: Rain dreht das Spiel in der Nachspielzeit

Es war eine jener Partien, in denen man sich fragt, ob Fußballgötter manchmal einfach Spaß am Chaos haben. Der TSV München führte am 11. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) gegen den TSV Rain bis zur 60. Minute scheinbar souverän mit 2:0 - und verlor am Ende doch noch 2:3. 12.313 Zuschauer im Münchner Stadion rieben sich ungläubig die Augen, während die Gäste aus Rain in den letzten Minuten eine Lehrstunde in Sachen Geduld und Kaltschnäuzigkeit gaben.

Dabei hatte alles nach einem ruhigen Abend für die Hausherren ausgesehen. Schon nach einer halben Stunde schob Eustatius Groat, Münchens 20-jähriger Mittelstürmer mit dem Namen eines viktorianischen Romanhelden, den Ball nach feinem Solo trocken ins Eck (31.). Kurz nach der Pause legte derselbe Groat nach - diesmal nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Georgi Penew (49.). Das Publikum jubelte, die Ersatzspieler posierten schon fast für das Siegerfoto, und Trainer Toni Breer rief seinem Assistenten noch zu: "So spielt man Ballbesitzfußball, mein Freund!"

Und tatsächlich: 52 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse, gute Zweikampfquote - München hatte die Partie im Griff. Dachte man.

Dann kam die 58. Minute und mit ihr der Bruch: Rechtsverteidiger Cameron Greenwald sah nach einer Gelb-Roten Karte den Weg in die Kabine. "Ich wollte nur den Ball spielen, ehrlich", verteidigte er sich später, während er in der Mixed Zone an seinem Energy-Drink nippte. Sein Trainer sah das etwas anders: "Cameron hat heute einen Moment gehabt, den man höflich als unglücklich bezeichnen kann. Unhöflich würde ich’s anders nennen", knurrte Breer.

Von da an war Rain plötzlich wach. Andre Osterhoudt, bisher im zentralen Mittelfeld eher unauffällig, fasste sich in Minute 61 ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern ins Netz - 2:1. Der Anschlusstreffer war wie ein Weckruf. Trainer Patrick Müller, sonst eher stoisch, sprang an der Seitenlinie auf und rief: "Jetzt glaubt dran, Jungs! München schwimmt!"

Und München schwamm tatsächlich. Rain, das taktisch von Beginn an ausgewogen auftrat, schaltete jetzt auf Pressing um, erhöhte die Aggressivität und ließ keinen Münchner mehr zur Ruhe kommen. In der 87. Minute fiel dann der Ausgleich: Barend Keese, der bis dahin mehr Rasenproben als Ballkontakte gesammelt hatte, traf nach Vorlage von Verteidiger Orfefs Papadakis zum 2:2. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil ich keine Lust auf die Kabinenansprache hatte", witzelte Keese später.

Doch das Drama war da noch nicht vorbei. Als viele Zuschauer schon auf dem Weg zur U-Bahn waren, schlug Nico Kluge in der 92. Minute zu - und zwar eiskalt. Nach Zuspiel von Osterhoudt traf der rechte Flügelstürmer aus kurzer Distanz zum 2:3. Jubel, Tränen, pure Verzweiflung - alles gleichzeitig. Münchens Torwart Gai Benayoun sank auf die Knie, während Toni Breer fassungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "Das war wie ein schlechter Film", sagte er später. "Nur dass man nicht abschalten konnte."

Die Zahlen untermauern das Drama: 13 zu 10 Torschüsse, leicht mehr Ballbesitz für München, aber Rain mit den drei Treffern in den entscheidenden Momenten. "Wir haben halt das gemacht, was man mit einem Rückstand tun sollte - Tore schießen", grinste Rains Trainer Patrick Müller nach dem Spiel. "Manchmal hilft’s."

Für München bleibt die Erkenntnis, dass schöne Statistiken keine Punkte bringen. Und dass eine Gelb-Rote Karte das Spiel drehen kann. Für Rain hingegen war es ein Sieg, der nach purem Adrenalin schmeckte. Osterhoudt, der Mann des Spiels, fasste es trocken zusammen: "Wir sind keine Künstler, wir sind Handwerker. Heute haben wir halt bis zur letzten Minute gearbeitet."

Als die Flutlichter erloschen, saßen noch ein paar Münchner Fans mit Bierbechern auf den Rängen und starrten auf das leere Feld. Einer von ihnen murmelte: "Zwei zu null führen und dann so verlieren - das kann nur der TSV." Vielleicht hat er recht. Vielleicht war es aber auch einfach einer dieser magischen Fußballabende, an denen das Drehbuch noch schnell umgeschrieben wird - natürlich zu Ungunsten der Heimmannschaft.

Und irgendwo in Rain wird man sich noch lange an diesen Abend erinnern. Nicht nur, weil man gewonnen hat, sondern weil man gezeigt hat, dass selbst 92 Minuten nicht reichen, um eine Geschichte zu Ende zu erzählen.

14.05.643987 20:57
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