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Motala verzweifelt, Smederevo jubelt - ein 0:1 der bitteren Sorte

Es war einer dieser Abende, an denen 42.446 Zuschauer im Motala-Stadion zwar Fußball sahen, aber nur eine Mannschaft jubelte - und das waren nicht die Gastgeber. FK Smederevo entführte im Hinspiel der Conference-League-Play-offs ein 1:0 nach Serbien, während Motala AIF sich fragte, wie man mit 12 Torschüssen und fast identischem Ballbesitz so leer ausgehen kann.

Schon vor dem Anpfiff lag Spannung in der Luft. Trainer Bernd Kohns hatte seine Motala-Elf offensiv ausgerichtet, "wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Elche zählen können, sondern auch Tore schießen", witzelte er später mit Galgenhumor. Doch kaum war die Uhr auf zwölf Minuten geklettert, stand es 0:1 - und das aus heiterem Himmel. Der serbische Rechtsaußen Agustin Aznar, 32 Jahre alt und mit der Erfahrung eines Mannes, der schon alle Arten von Verteidigern gesehen hat, zog nach einem feinen Pass von Linksverteidiger Joel Bloomfield ab. Der Ball schlug unhaltbar für Motalas Keeper Luís Gomes im langen Eck ein.

"Ich hab den Ball gar nicht kommen sehen", bekannte Gomes hinterher, "vielleicht, weil er einfach zu schön war."

Von da an rannte Motala an. Bengt Bengtsson prüfte den Gäste-Keeper in der 4. Minute, Callum Anderson gleich dreimal zwischen der 20. und 51. Minute - aber der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Das Tor muss heute kleiner gewesen sein", knurrte Anderson nach Spielende und deutete mit den Händen ironisch eine Mini-Torgröße an.

FK Smederevo dagegen tat, was konternde Mannschaften so tun: Sie warteten, lauerte und stachen gelegentlich zu. Callum Perlman hatte in der 36. und 43. Minute zwei gute Gelegenheiten, die Gomes jedoch entschärfte. Danach verlegte sich Smederevo auf das, was man in der Taktiktafel nüchtern "stabile Balance mit langen Bällen" nennt, im Volksmund aber "Beton anrühren" heißt.

Die Gastgeber hingegen spielten weiter mutig nach vorn. Rikard Samuelsson, der schon in der 11. Minute Gelb gesehen hatte, rauschte in der 66. und 75. Minute in den gegnerischen Strafraum, als wolle er den Ausgleich erzwingen - doch auch seine Schüsse fanden nicht den Weg. "Wenn Einsatz Tore wäre, hätten wir 5:1 gewonnen", seufzte Kohns.

In der 60. Minute brachte er Julian Maniche für Ryan Cromwell, um frische Flügel zu bringen. Maniche rannte, kämpfte, rutschte - und rannte wieder. "Ich glaube, ich habe heute mehr Meter gemacht als ein Marathonläufer", grinste er. Später, in der 90. Minute, durfte noch der junge Filip Pederson ran, während Samuelsson unter Applaus das Feld verließ.

Smederevo reagierte seinerseits mit Routine: Trainer Osteroder FC, der trotz seines seltsamen Namens ein Mann mit klaren Worten ist, brachte in der 70. Minute den 21-jährigen Ermin Gavrancic - "Der Junge soll lernen, wie man eine Führung verteidigt", erklärte er trocken. Kurz darauf folgten weitere Wechsel: Danko Ristic für den müden Perlman (73.) und in der 85. Minute das serbische Wunderkind Marko Komljenovic, 17, für den verwarnten Gojko Zigic. "Ich hab ihm gesagt, einfach den Ball nicht verlieren. Er hat’s geschafft. Fast", grinste der Coach später verschmitzt.

Motala drückte bis zum Schluss. Mathias Lydersen kam in der 74. Minute zu seiner besten Chance, der Ball zischte haarscharf am Pfosten vorbei. Das Publikum stöhnte kollektiv - es klang ein bisschen wie ein nordisches Klagelied.

Zahlenmäßig war es ein Spiel auf Augenhöhe: 49,4 Prozent Ballbesitz für Motala, 50,6 für Smederevo. Zwölf Torschüsse gegen sieben, Tacklingquote leicht zugunsten der Schweden - aber am Ende zählen eben nur die Tore. Und die Statistik zeigte eine eins - auf der falschen Seite.

"Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht entschieden", bilanzierte Kohns. Und sein Gegenüber lobte: "Unsere Jungs haben heute mit Herz verteidigt, manchmal auch mit beiden Beinen - aber fair", sagte Osteroder FC und zwinkerte dabei, wohlwissend, dass sein Team zwei Gelbe kassiert hatte (Zigic in der 78., Leblanc in der 89.).

Als der Schlusspfiff kam, stand Motala AIF fassungslos auf dem Platz. Die Fans applaudierten trotzdem - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz. Die Spieler bedankten sich, als hätten sie gewonnen, was irgendwie auch stimmte: Sie hatten sich Chancen erarbeitet, Moral gezeigt und ein Spiel gemacht, das sie eigentlich nicht verlieren durften.

In der Mixed Zone sagte Bengtsson zum Abschied: "Nächste Woche in Smederevo machen wir’s besser - oder wenigstens lauter."

Ein Satz, der nach Trotz klingt, aber auch nach Hoffnung. Denn wer so spielt und so viele Chancen liegen lässt, der weiß: Irgendwann dreht sich das Glück. Vielleicht schon im Rückspiel. Vielleicht.

Und wenn nicht - dann bleibt immerhin der Trost, dass man an einem kalten Januarabend den schöneren Fußball gezeigt hat. Nur eben ohne Tor.

27.08.643987 01:33
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