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Es war einer dieser lauen Juniabende, an denen man sich fragt, ob das Bier im Stadion warm geworden ist oder ob es einfach die Hitze der Scham ist, die von den Rängen aufsteigt. 27.000 Zuschauer sahen, wie Skärhamns IK beim 0:7 gegen Motala AIF unterging - und das trotz mehr Ballbesitz, mehr Kampfgeist und einer erstaunlichen Fähigkeit, sich selbst im Weg zu stehen. Schon nach vier Minuten hatte Greger Johnsen den ersten Grund zum Jubeln. Der flinke Linksaußen von Motala AIF nahm einen Pass von Mittelstürmer Rutger Lindström auf, drehte sich elegant um seinen Gegenspieler und ließ Torwart Pablo de Villota keine Chance. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte Johnsen später mit einem Grinsen, "aber der Ball hatte andere Pläne." Skärhamn wirkte überrascht, fast beleidigt. Dabei hatten sie mehr vom Ball - ganze 54 Prozent Ballbesitz -, wussten aber offenkundig nicht, was man damit anstellt. Der Ball lief, nur eben meist im eigenen Drittel. In der 33. Minute lief er dann in die falsche Richtung: Wieder Johnsen, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Filip Pederson. 0:2. Das Stadion wurde stiller. Nur der Gästeblock sang unermüdlich, als wollte er mit jeder Note das nächste Tor herbeischreien. Und siehe da, es kam. Sechs Minuten später traf Lindström selbst, nach einem langen Ball von Innenverteidiger Beniamin Zdebel. 0:3 - und es war noch nicht einmal Halbzeit. "Ich habe in der Pause gesagt: Lasst uns Spaß haben", verriet Motala-Coach Bernd Kohns später mit einem milden Lächeln. Spaß hatten sie dann tatsächlich - allerdings nur seine Männer. Schon vier Minuten nach Wiederanpfiff traf Lindström erneut, diesmal nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Gunborg Bruhn. Der hatte sichtlich Spaß am Spiel, verteilte Bälle, gestikulierte, lachte - und ließ sich später auch noch selbst in die Torschützenliste eintragen. Davor allerdings kam Johnsen wieder zum Zug. In der 57. Minute dribbelte er sich durch die völlig überforderte Abwehr der Gastgeber, als hätte jemand versehentlich die Verteidiger auf "Standbild" gestellt. Bengt Bengtsson assistierte, Johnsen vollendete - 0:5, der Hattrick war perfekt. Manchmal sagt eine Gelbe Karte mehr als tausend Worte. Als Skärhamns Rechtsverteidiger Urban Lindblom in der 77. Minute seinen Frust an einem harmlosen Gegenspieler ausließ, brandete Applaus auf - endlich ein Zeichen von Leben! Kurz darauf fiel das sechste Tor, wieder Johnsen, diesmal ganz ohne Hilfe. Der Ball zappelte im Netz, und Lindström klatschte anerkennend. "Greger war heute wie im Rausch", meinte er später. "Ich habe aufgehört zu zählen." Doch das Protokoll tat es nicht. In der 79. Minute krönte Gunborg Bruhn seine starke Leistung mit dem siebten Treffer, nach Vorlage von Rechtsverteidiger Adrian Ohlsson. Der Mann hatte offenbar beschlossen, dass auch Verteidiger mal Spaß haben dürfen. Skärhamn versuchte sich an Schadensbegrenzung, schoss siebenmal auf das Tor - immerhin -, aber Luís Gomes im Motala-Kasten hatte offenbar beschlossen, dass an diesem Abend kein Ball die Linie überqueren würde. Selbst als Josef Karlsson in der 81. Minute noch einmal aus spitzem Winkel abzog, flog Gomes derart spektakulär, dass man kurz dachte, er wolle Punkte fürs Eiskunstlaufen sammeln. Trainer Kohns wechselte in der 85. Minute seine beiden Helden aus - Lindström und Johnsen durften unter Applaus gehen, die Teenager Hugo Uggla und Anders Bloch kamen. "Wir wollten ihnen zeigen, wie man so was macht", flachste Johnsen später, während er sich ein Handtuch über die Schultern legte. Nach Abpfiff stand Skärhamns Trainer wortlos an der Seitenlinie. Niemand wusste genau, ob er überlegte, wie man sieben Gegentore erklärt, oder ob er einfach innerlich die nächsten zwei freien Tage plante. Motala hingegen tanzte ausgelassen vor der Gästekurve. 13 Schüsse aufs Tor, sieben Treffer - eine Effizienz, die jedem Statistikfreund Freudentränen in die Augen treibt. Kohns fasste es trocken zusammen: "Wir wollten offensiv spielen. Hat funktioniert." Man kann Skärhamn zugutehalten, dass sie es wenigstens versuchten. Mehr Ballbesitz, mehr Laufleistung, weniger Tore - eine Kombination, die in den Lehrbüchern wohl als "tragische Schönheit des Fußballs" beschrieben wird. Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das kaum fairer hätte verlaufen können - aber auch kaum gnadenloser. 0:7, ein Ergebnis, das in Skärhamn wohl noch lange in den Vereinsheimen diskutiert werden wird. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wir hatten den Ball öfter. Nur halt nie dort, wo’s zählt." 22.06.2026 21:13 |
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Andreas Brehme