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Es war ein lauer Märzmorgen in Monymusk, aber auf dem Rasen des heimischen Stadions brannte spätestens ab der 30. Minute die Luft. 32.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das an Tempo, Chaos und Emotion kaum zu überbieten war - und am Ende jubelten die Gäste von den Police Nationals über einen 3:2-Auswärtssieg, der so hart erarbeitet war wie ein Polizeieinsatz bei Tropenhitze. Monymusk FC begann, ganz im Stil von Trainer Ricardo Blake, mit viel Ballbesitz (am Ende 55 Prozent) und kontrolliertem Aufbau. Die Gäste unter Coach Walter Steger hingegen setzten auf Offensive mit der Subtilität eines Rambos: aggressiv, direkt, und immer auf den schnellen Abschluss bedacht. 18 Torschüsse der Nationals sprechen Bände, auch wenn manche davon eher in Richtung Zuckerrohrfeld als auf das Tor von Angelo Cattaneo flogen. Den ersten Treffer des Abends erzielte Monymusk: In der 31. Minute zog Eduardo Godo nach einer feinen Vorlage von Jean-Pierre Gauthier aus 20 Metern ab - die Kugel schlug unhaltbar ein. Das Stadion tobte, und ein älterer Fan auf der Haupttribüne rief euphorisch: "Jetzt geht’s los, Boys!" Leider hatte er recht - nur anders, als er dachte. Keine zwei Minuten später konterten die Nationals eiskalt. Linksverteidiger Yves Poe schickte Lewis Donahue steil, der Mittelstürmer schüttelte seinen Gegenspieler wie eine lästige Mücke ab und schob zum 1:1 ein. Monymusk war konsterniert, und bevor sie sich neu sortieren konnten, schlug der 22-jährige Gerard Frey in der 41. Minute zu. Filipe Jordao legte mustergültig auf, Frey vollendete trocken. Halbzeitstand: 1:2. "Wir haben uns zu sicher gefühlt nach der Führung", gab Monymusk-Kapitän Godo später zu. "Und dann kam dieser Frey daher - 22 Jahre alt, aber spielt, als hätte er schon zehn Weltmeisterschaften hinter sich." Coach Blake versuchte in der Kabine lautstark, seinen Spielern Feuer zu machen. Nach Angaben eines Betreuers soll er gerufen haben: "Leute, ihr spielt nicht gegen einen Streifenwagen, sondern gegen Menschen!" Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: mit Chancen auf beiden Seiten. In der 61. Minute belohnte sich Monymusk für ihre Bemühungen. Wieder war es Godo, diesmal als Vorbereiter - sein Pass fand Swetoslaw Kostadinow, der den Ball humorlos in die Maschen drosch. 2:2, und die Partie war wieder offen. Doch Police Nationals wären nicht die Nationals, wenn sie nicht noch ein Ass im Ärmel hätten - oder besser gesagt: einen Donahue. In der 77. Minute verwertete der bullige Stürmer eine Flanke von Hermann Hanke zum 3:2. "Ich hab ihn einfach gerochen, den Ball", grinste Donahue nach dem Spiel. "Und dann wusste ich: Der muss rein." Monymusk rannte in den letzten Minuten an, hatte durch George Lefebvre sogar noch zwei gute Möglichkeiten, aber Keeper Leon Featherstone hielt, als ginge es um seine Dienstbeförderung. In der 90. Minute sah Hanke noch Gelb, weil er einem Monymusk-Spieler etwas zu deutlich erklärte, dass Ballbesitz kein Selbstzweck sei. "Wir haben Moral gezeigt, aber die Police Nationals hatten heute einfach das bessere Timing", meinte Trainer Blake später sichtlich gefasst. Gäste-Coach Walter Steger sah die Dinge naturgemäß positiver: "Wir wollten von Anfang an Druck machen. Die Jungs haben’s durchgezogen, und Lewis war heute einfach on fire." Statistisch betrachtet war es ein Spiel der Gegensätze: Monymusk mit mehr Ballbesitz und 11 Schüssen aufs Tor, die Nationals mit 18 Abschlüssen und einer beeindruckenden Effizienz. Die Zweikampfquote von knapp 52 Prozent zugunsten der Gäste passte ins Bild - es war ein Sieg der Physis und Entschlossenheit. Nach dem Abpfiff blieb das Flutlicht noch lange an, während die Fans gemächlich aus dem Stadion strömten. Einige schüttelten noch ungläubig den Kopf. Ein älterer Herr meinte schmunzelnd: "Wenn die so weiter spielen, braucht Monymusk bald ’ne eigene Polizeitruppe für den Strafraum." So endet der erste Spieltag der 1. Liga Jamaica mit einem packenden 2:3 zwischen Monymusk FC und den Police Nationals - ein Duell, das alles bot: Tempo, Tore, und einen Hauch von Wahnsinn. Oder, wie der Stadionsprecher beim Hinausgehen lakonisch sagte: "Fußball kann so schön sein - und so gemein." 23.11.643993 02:00 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler