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Es gibt Spiele, die eher an einen Boxkampf erinnern, bei dem einer in der ersten Runde zwei harte Treffer landet und dann nur noch die Arme hochhält. Monagas SC gegen Aragua FC war genau so ein Duell - mit einem 2:1-Sieg für die Hausherren, der früher entschieden schien, als er es am Ende war. Vor über 55.000 Zuschauern in Maturín begann das Spiel mit einem Donnerschlag: Nach gerade einmal vier Minuten rauschte Rechtsverteidiger Agemar Martins heran, als hätte er heimlich einen Turbo im Schuh, und drosch den Ball nach Vorlage von Marcos González aus vollem Lauf ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Martins nach dem Spiel, "aber der Ball hat andere Pläne gehabt." Trainer Hans Wurst hob nur eine Augenbraue und meinte trocken: "Wenn alle unsere Flanken so reingehen, stelle ich ihn nächste Woche in den Sturm." Monagas, mit 56 Prozent Ballbesitz die dominante Mannschaft, spielte in der ersten Hälfte wie aus einem Guss - oder wie ein Team, das beschlossen hat, das Spiel in einer halben Stunde zu erledigen. In der 27. Minute folgte der zweite Streich: Fernando Mocana setzte sich über links durch, passte scharf in die Mitte, wo Stanislaw Domowtschijski nur noch einschieben musste. 2:0 - und das Publikum sang bereits die ersten Siegeshymnen. Aragua FC dagegen schien in dieser Phase eher mit sich selbst beschäftigt. Spätestens nach der Gelben Karte für Harvey Townsend (20.) und einer unglücklichen Grätsche von Ze Castro (71.) wurde klar: Körperlich da, gedanklich woanders. Trainerin Claire Werk schrie sich an der Seitenlinie heiser: "Spielt über die Flügel, nicht über die Zuschauertribüne!" Ihre Mannschaft verstand - zumindest ab der zweiten Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel stellte Aragua auf gnadenlos offensiv um - Pressing, Flanken, Wucht. Damian Santos, eingewechselt in der 56. Minute, wurde zur Hauptfigur. Drei Mal prüfte er den Heimkeeper Carlos Quevedo (67., 70., 75.), der sich mit akrobatischen Paraden in die Herzen der Fans hechtete. "Ich hatte das Gefühl, der Ball liebt mich heute", witzelte Quevedo später. Doch in der 74. Minute dann Schreckmoment: Quevedo musste verletzt raus, der 19-jährige Alfonso Mascarenhas kam zu seinem Debüt. "Ich dachte, mein Herz springt mir raus", gab der Teenager später zu. Es blieb ihm kaum Zeit zum Nachdenken, denn Aragua roch Lunte. In der 85. Minute schließlich der verdiente Anschlusstreffer: Jason Adam flankte butterweich von links, Santos stieg höher als alle anderen und köpfte zum 2:1 ein. Der Gästeblock tobte, und Claire Werk rannte die Linie entlang, als wolle sie selbst noch eingreifen. Die letzten Minuten wurden zum wahren Nervenspiel. Aragua drückte, Monagas wankte, aber fiel nicht. Ein letzter Schuss des 18-jährigen José María Gontan in der 93. Minute ging knapp am Pfosten vorbei - und Trainer Wurst sank erleichtert auf die Bank. "Das war kein Fußballspiel, das war ein Überlebenstraining", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. Statistisch blieb Monagas das bessere Team: 13 Torschüsse zu 6, mehr Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe. Doch der zweite Durchgang zeigte, dass auch 2:0-Führungen kein Ruhekissen sind. "Wir haben in der Pause wohl zu viel Mate-Tee getrunken", witzelte Torschütze Domowtschijski, "danach waren wir etwas schläfrig." Auch Claire Werk fand trotz der Niederlage lobende Worte: "In der zweiten Halbzeit habe ich endlich meine Mannschaft gesehen. Wenn wir so weitermachen, holen wir bald wieder Punkte - und vielleicht auch meine Stimme zurück." So bleibt Monagas SC mit diesem 2:1-Erfolg oben dran in der Tabelle der 1. Liga Venezuela, während Aragua FC trotz kämpferischem Finish ohne Zählbares nach Hause fährt. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll man Hans Wurst beim Hinausgehen murmeln gehört haben: "Ein schönes Spiel - wenn man’s überlebt." Ein Satz, der dieses nervenaufreibende Match wohl besser beschreibt als jede Statistik. 09.12.643987 06:28 |
Sprücheklopfer
Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
Franz Beckenbauer über die deutsche WM-Bewerbung 2006