// Startseite
| Noticiero VeneVision |
| +++ Sportzeitung für Venezuela +++ |
|
|
|
Es war kaum Zeit, sich hinzusetzen, da bebte das Estadio Monumental von Maturín schon - und das nicht nur wegen der 48.792 Zuschauer, die an diesem lauen Januarabend des 30. Spieltags der 1. Liga Venezuela gekommen waren. Bereits nach 60 Sekunden zappelte der Ball im Netz: Monagas-Stürmer Juan Pablo Gama nutzte den ersten Angriff eiskalt, nach feinem Zuspiel von Mario Rocha. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Torwart noch schläft", grinste der 21-Jährige später. Was darauf folgte, war ein Offensivsturm, wie ihn Trainer Hans Wurst wohl genau so im Trainingsplan stehen hatte: Angriff, Angriff, Angriff. In Minute 11 erhöhte Miguel Marques nach einem spektakulären Lauf auf 2:0, diesmal nach klugem Pass des erst 18-jährigen David Jablonsky, der sich damit in die Herzen der Fans spielte. "Ich wollte eigentlich nur irgendwie den Ball nach vorne bringen", sagte der Teenager schüchtern. "Dass Miguel den reinmacht, war der Plan - also, mehr oder weniger." Doch wer dachte, Caradodo FC würde sich ergeben, lag falsch. In der 20. Minute meldete sich Valerio Demetrio mit einem wuchtigen Distanzschuss zurück. Der Ball schlug unhaltbar ein, der Jubel der Gäste war laut - aber kurz. Denn ab da war klar: Das war Monagas’ Abend. Auch wenn der Ballbesitz mit 49,7 zu 50,3 Prozent fast ausgeglichen war, lag die Dominanz der Hausherren in der Luft. Ganze 17 Torschüsse gaben sie ab, während Caradodo mit mageren zwei Versuchen eher in die Kategorie "Sparflamme" fiel. "Wir haben uns zu sehr auf die Defensive verlassen", gab Caradodo-Coach Timo Ruß später zu. "Vielleicht hätten wir nach dem Anschlusstreffer mutiger sein müssen. Aber ehrlich, Monagas hat einfach einen Lauf." Und tatsächlich: Das Team von Hans Wurst spielte mit jugendlichem Übermut, manchmal auch mit jugendlicher Leichtsinnigkeit - wie bei den drei Gelben Karten, die sich Collantes, Fortun und Sainz abholten. Letzterer bekam seine Verwarnung sogar in der Nachspielzeit, als eigentlich nur noch abgepfiffen werden sollte. Die zweite Hälfte verlief ohne Tore, aber nicht ohne Drama. Monagas wechselte früh: In Minute 50 kam der junge Jablonsky für Mateo Costa - ein Zeichen, dass Trainer Wurst auf frische Beine in der Abwehr setzte. Kurz darauf tauschte er auch den Torwart - eine seltene, aber offenbar geplante Maßnahme: "Bertran sollte Spielpraxis bekommen. Außerdem hat Mascarenhas schon beim Einlaufen geschwitzt wie nach einem Marathon", witzelte Wurst. Caradodo reagierte spät, brachte in der 72. Minute Theo Bancroft für den glücklosen Enrique Figueras, zwei Minuten später folgte Sergi Morales für Valerio Demetrio. Doch der erhoffte Offensivschub blieb aus. Stattdessen rollte Angriff um Angriff der Monagas-Offensive, bei der besonders Dimas Viana auf der linken Seite wirbelte. Seine Schüsse in der 52. und 90. Minute sorgten für Raunen auf den Rängen, doch das Netz zitterte nicht mehr. In der 74. Minute bekam das Publikum dann Standing Ovations für den ausgewechselten Gama, der unter Applaus Platz machte für den 33-jährigen Ingo Vaz. Der Veteran versuchte es in der 81. Minute noch einmal mit einem beherzten Abschluss - doch Caradodos Keeper Nelson Barros verhinderte Schlimmeres. Während Monagas seine offensive Linie bis zum Schluss hielt, blieb Caradodo taktisch "balanced" - ein Begriff, der auf dem Papier gut klingt, auf dem Platz aber eher nach "ideelos" wirkte. "Wir wollten nicht blind anlaufen", sagte Ruß, "aber manchmal ist Blindheit eben besser als Stillstand." Als Schiedsrichter Torres nach 95 Minuten endlich abpfiff, fiel eine Mischung aus Erleichterung und Stolz über den Platz. Monagas SC feierte einen verdienten 2:1-Heimsieg, der den Tabellenplatz festigt und das Stadion in einen Hexenkessel verwandelte. "Das war kein perfektes Spiel", gab Coach Wurst zu, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Aber wenn man in der ersten Minute trifft, darf man sich ruhig mal 89 Minuten verteidigen. Oder so tun, als würde man’s tun." Und so blieb am Ende ein Spiel in Erinnerung, das alles hatte: ein Blitzstart, ein kurzes Zittern und eine zweite Halbzeit voller Spannung. Monagas SC zeigte, dass man mit Mut, jugendlicher Unbekümmertheit und einem Hauch Wahnsinn auch gegen taktisch disziplinierte Gegner triumphieren kann. Caradodo FC dagegen wird sich fragen müssen, warum man mit 50 Prozent Ballbesitz so wenig anfangen konnte. Ein Fan brachte es beim Rausgehen auf den Punkt: "Wenn man 17 Schüsse braucht, um zwei Tore zu machen, ist das nicht effizient - aber wenigstens unterhaltsam." Und das, liebe Freunde des venezolanischen Fußballs, war es allemal. 01.01.643988 11:35 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
Mehmet Scholl als werdender Vater