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4353 Zuschauer sahen an diesem kühlen Mittwochabend in Haldensleben ein Spiel, das in der ersten halben Stunde nach offenem Schlagabtausch roch - und am Ende doch klar in Richtung der Gäste aus Mittelkalbach kippte. 1:3 hieß es nach 90 Minuten im Stadion am Haldensleber Waldrand, und die Heimfans gingen mit dem Gefühl nach Hause, dass ihre Mannschaft zwar mutig, aber etwas naiv aufgetreten war. "Wir wollten mutig sein. Das waren wir. Vielleicht ein bisschen zu sehr", grinste HSC-Trainer Marcel Mönner nach dem Abpfiff, während er mit verschränkten Armen in Richtung der Anzeigetafel blickte. Mutig war es tatsächlich: Offensiv ausgerichtet, kein Pressing, aber viel Risiko - so stand es auch im Taktikzettel. Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Schon in der 12. Minute zappelte der Ball im Haldensleber Netz. Jannik Körner, der quirlige Linksaußen des SV Mittelkalbach, zog von der Seite nach innen, bekam einen feinen Pass von Dennis Thomas und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. Gästetrainer, der anonym bleiben wollte (oder schlicht nicht im Presseraum auftauchte), soll laut Zeugenaussagen in der Coachingzone nur trocken genickt haben - wohlwissend, dass das Lehrbuch-Tore waren. Doch Haldensleben zeigte Moral. Nur vier Minuten später, in der 16. Minute, antwortete der blutjunge Nils Lux mit einem satten Schuss ins rechte Eck. Laurent Krauss hatte ihn im richtigen Moment bedient, und Lux machte daraus einen Treffer, der nicht nur wegen seines Alters (19) Beachtung fand. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Lux hinterher und grinste so breit, dass man ihm den Satz abnahm. Bis zur Pause blieb das Spiel offen - Mittelkalbach hatte mehr Ballbesitz (über 62 Prozent) und wirkte kontrollierter, doch Haldensleben hielt mit Leidenschaft dagegen. Acht Torschüsse zählte man auf Seiten der Gastgeber, neun bei den Gästen - statistisch also ein Duell auf Augenhöhe. Nach dem Seitenwechsel allerdings änderte sich der Ton. Bei Mittelkalbach begannen die Automatismen zu greifen. Der Routinier Otto Metzger, 30 Jahre alt und mit der Gelben Karte aus Minute 66 schon vorbelastet, traf in der 71. Minute nach schöner Vorarbeit von Rechtsverteidiger Bernt Jung zum 2:1. Es war die Szene des Abends: Metzger sprintete jubelnd in Richtung Auswechselbank, während Jung ihm hinterherrief: "Wenn du den nicht machst, lauf ich selbst!" - eine kleine humorvolle Einlage, die sogar den Linienrichter zum Schmunzeln brachte. Haldensleben versuchte zu reagieren, brachte in der 70. Minute gleich drei frische Kräfte - Joschua Kraft, Jan Sonntag und Jannis Seiler kamen ins Spiel. Doch an der Spielrichtung änderte das wenig. Mittelkalbach, taktisch weiterhin "balanciert" wie ein Yogalehrer auf Valium, ließ den Ball laufen und wartete geduldig auf den nächsten Fehler der Gastgeber. Der kam in der 83. Minute. Wieder war es der rechte Flügel, wieder Bernt Jung mit einer butterweichen Flanke, und diesmal stand Philip Göbel bereit. Der 32-Jährige nickte zum 3:1 ein - ein Musterbeispiel an Effizienz. Mehr als zwei Torschüsse pro Tor brauchte Mittelkalbach an diesem Abend nicht. "Da sieht man halt, wer in der Liga schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat", meinte HSC-Kapitän Niclas Gagnon später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Wir haben gut mitgespielt, aber am Ende fehlt uns die Cleverness." Und tatsächlich: Während Haldensleben mit jugendlichem Elan (Durchschnittsalter knapp 21) und offensiver Ausrichtung anrannte, blieb Mittelkalbach cool. Selbst als Bernt Jung in der 90. Minute noch Gelb sah, grinste er nur und klopfte dem Schiedsrichter auf die Schulter - "Ich wollte doch nur den Ball treffen", murmelte er. Die letzten Minuten gehörten dann den Physios: Haldenslebens Jannis Seiler verletzte sich in der Nachspielzeit und musste behandelt werden. Kein Happy End für den HSC, der nach dem 1:3 nun weiter im Tabellenmittelfeld festhängt. Marcel Mönner fasste es nach dem Spiel gewohnt trocken zusammen: "Wir haben gegen eine erfahrene Mannschaft Lehrgeld bezahlt. Aber lieber heute als am letzten Spieltag." Ein Zuschauer auf der Tribüne brachte es noch direkter auf den Punkt: "Schön gespielt, aber Fußball ist kein Kunstprojekt." So endete ein Abend, der für Mittelkalbach drei Punkte und für Haldensleben eine Lektion in Effizienz brachte. Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass Ballbesitz nicht alles ist - manchmal reicht es, wenn man einfach im richtigen Moment trifft. 23.02.643994 17:17 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund