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Millwall zittert sich in die Pokal-Verlängerung und siegt spät

Das Pokalspiel zwischen dem FC Millwall und den Vauxhall Motors am Donnerstagabend im ausverkauften "Den" war nichts für schwache Nerven. 51.099 Zuschauer erlebten eine Partie, die von der Dramaturgie her einem alten englischen Krimi glich: ein früher Schock, langes Anrennen, unzählige vergebene Chancen - und schließlich ein Happy End in der Verlängerung. Am Ende stand ein 2:1 (0:1) nach 120 Minuten, das Millwall-Trainer Sonny Crocket als "eine Mischung aus Geduldsspiel und Herzinfarkt" bezeichnete.

Schon nach 13 Minuten stockte den Heimfans der Atem. Vauxhall Motors, der klare Außenseiter, nutzte seine erste gefährliche Szene: Kai Leech tauchte nach feinem Zuspiel von Alexander Graves auf der linken Seite auf und drosch den Ball trocken ins Netz. "Ich dachte, ich träume", grinste Leech später. "So früh zu führen, das hatten wir nicht mal im Trainingsplan."

Doch Millwall reagierte - wie ein angeschlagener Boxer, der einfach nicht zu Boden gehen will. Aaron Marshal prüfte den Gästekeeper Cascon bereits in der ersten Minute, danach folgten Torschüsse im Minutentakt. Allein bis zur Pause verbuchte Millwall 13 Abschlüsse, während Vauxhall Motors sich auf vier zaghafte Gegenstöße beschränkte. Trotzdem stand es 0:1 - Cascon im Tor der Gäste wuchs zeitweise über sich hinaus.

In der Kabine dürfte Sonny Crocket die passende Mischung aus Motivationsrede und Donnerwetter gefunden haben. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen endlich Fußball spielen und nicht Darts werfen", scherzte der Coach später. In der 55. Minute fiel dann der erlösende Ausgleich: James Thuringer flankt von links, Joseph Lockwood steigt am zweiten Pfosten hoch und köpft zum 1:1 ein. Das Stadion explodierte. Lockwood rannte jubelnd zu den Fans, schrie "Jetzt erst recht!" - und brüllte sich dabei fast heiser.

Danach spielte nur noch Millwall. 23 Torschüsse insgesamt, 51 Prozent Ballbesitz - die Zahlen erzählen nur halb, wie drückend die Dominanz war. Vauxhall Motors verteidigte mit allem, was Beine hatte, und manchmal auch mit dem Oberkörper. In der 71. Minute konterten sie sogar gefährlich, Daniel Peltier zwang Millwall-Keeper Catrall zu einer Glanzparade. "Da dachte ich kurz, das war’s", gab Catrall zu. "Aber dann kam Alfie."

Gemeint war Alfie Callahan, der Oldie im Team, 33 Jahre alt und mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Er war zur Verlängerung längst wieder der Dreh- und Angelpunkt. In der 121. Minute, als viele Zuschauer schon mit einem Elfmeterschießen rechneten, kam der große Moment: Joseph Lockwood legt quer, Callahan zieht mit links ab - 2:1! Die Tribüne bebte, der Trainer rannte über die Seitenlinie wie ein Teenager nach der Abi-Feier.

"Es war ein Pokalspiel, wie es im Lehrbuch steht", sagte Crocket nach dem Schlusspfiff. "Erst zittern, dann hoffen, dann jubeln. Nur meine Stimme ist jetzt endgültig weg."

Vauxhall-Trainer - der Name blieb in der Aufregung fast ungenannt - nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben Millwall 120 Minuten lang geärgert. Das allein ist für uns schon fast ein Sieg."

Auffällig war auch der Einsatz der jungen Millwall-Garde: Alexander Corey (22) und Ellis Roades (18) kurbelten das Mittelfeld unermüdlich an, während Rechtsverteidiger Aaron Marshal in der Nachspielzeit noch zwei gefährliche Hereingaben schlug. Joshua Leachman sah kurz nach der Pause Gelb, was ihn aber nicht davon abhielt, noch beherzt in jeden Zweikampf zu gehen.

Im Taktischen blieb Crocket seiner Linie treu: defensiv geordnet, aber mit wachsendem Mut nach vorne. Vauxhall Motors versuchte gar nicht erst, das Pressing zu erfinden - sie standen tief, hofften auf Konter und einen glücklichen Moment, den Leech ihnen tatsächlich beschert hatte. Doch auf Dauer war der Druck zu groß.

Nach dem Abpfiff tanzten die Millwall-Spieler vor der Fankurve, während die erschöpften Gäste auf dem Rasen liegenblieben. Callahan, der Held des Abends, grinste breit: "Ich wollte schon zur Bank winken, dass ich rauswill. Zum Glück hab ich’s nicht getan."

Ein Spiel, das wieder einmal bewies, warum der Pokal seinen eigenen Wahnsinn hat: Der Außenseiter schnuppert am Wunder, der Favorit schwitzt Blut - und am Ende jubelt doch der, der noch laufen kann.

Vielleicht fasste es ein Fan auf der Tribüne am besten zusammen, als er nach dem Schlusspfiff rief: "Das war Millwall - hässlich, laut, aber lebendig!" Und genau das war es.

26.07.643990 18:42
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Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
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