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Millwall zerlegt die Gunners - ein Londoner Fußballabend voller Chaos und Charme

Es war einer dieser Abende im Süden Londons, an denen der Wind durch die Tribünen des The Den pfeift und die 52 995 Zuschauer ahnen: Heute passiert was. Und tatsächlich, der 20. Spieltag der 1. Liga England lieferte mehr Tore, Emotionen und Slapstick als eine ganze Netflix‑Staffel. Am Ende stand ein 6:3‑Spektakel für den FC Millwall gegen die London Gunners - und niemand verließ das Stadion ohne Gesprächsstoff.

Schon nach sieben Minuten bebte das Stadion. Tyler Boyle, Millwalls rechte Flügelrakete, nahm einen Pass von Riley Charpentier mit der Brust an, drehte sich elegant - und drosch den Ball humorlos in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Boyle später und wurde prompt von Trainer Sonny Crocket mit einem Kopfschütteln bedacht: "Wenn das eine Flanke war, dann bin ich der Papst."

Nur zehn Minuten später revanchierte sich Charpentier selbst: Nach Vorarbeit von Christopher Thackeray zog er aus 18 Metern ab - 2:0. Die Gunners‑Abwehr wirkte in dieser Phase, als hätte sie die Defensive kurzzeitig an den Getränkestand ausgelagert. Doch Millwalls Feierlaune wurde bald gestoppt: Humberto Varela, der erfahrene Linksaußen der Gunners, traf in der 28. und 44. Minute doppelt. Beide Male nutzte er eklatante Abstimmungsfehler der Millwall‑Innenverteidigung. "Wir wollten Spannung reinbringen", witzelte Millwall‑Keeper Ethan Caviness nach dem Spiel - und man glaubte ihm fast.

Mit 2:2 ging es in die Pause, und die Fans diskutierten bei lauwarmem Bier darüber, ob man heute zehn Tore sehen würde. Sie lagen nicht weit daneben.

Nach dem Seitenwechsel kam Millwall mit neuem Elan aus der Kabine. Daniel Darabont, 23 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers, erzielte in der 61. Minute das 3:2 - wieder nach Vorlage von Thackeray, der an diesem Abend überall zu sein schien. Doch kaum hatten sich die Zuschauer gesetzt, schlugen die Gunners zurück: Luke Bloomfield traf in der 66. Minute, nach feinem Pass von Tamas Szucs, zum erneuten Ausgleich.

Dann aber kippte das Spiel endgültig. Darabont traf erneut, diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Bradley Crichton (68.). Nur drei Minuten später wechselte Crocket doppelt, brachte George Clancy und James Thuringer - eine Maßnahme, die er später als "genial aus purer Verzweiflung" bezeichnete.

Und tatsächlich, seine Männer spielten plötzlich wie entfesselt. Boyle legte in der 84. Minute nach, wieder auf Zuspiel von Crichton, der dann selbst in der 89. Minute den Schlusspunkt setzte. 6:3, das Stadion tobte, die Fans sangen, und Gunners‑Trainer Hubert Wetzel stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, als überlege er, ob er nicht lieber Rugby coachen sollte.

"Wir haben offensiv gespielt, sehr offensiv. Vielleicht zu offensiv", gab Wetzel nachher zerknirscht zu. Seine Mannschaft hatte zwar fast 50 Prozent Ballbesitz, aber bei nur neun Torschüssen gegenüber 22 der Hausherren war das eher ein statistischer Trost. Und als Szucs in der 55. Minute noch Gelb sah, war klar: Die Gunners würden heute mehr Laufarbeit als Punkte mitnehmen.

Ein Blick in die Zahlen bestätigt das Bild: Millwall mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,2 Prozent), besserer Zweikampfquote (54,9 Prozent) und einer Chancenausbeute, die fast schon unverschämt war. Besonders die rechte Seite mit Thackeray und Crichton war eine Dauergefahr - drei Assists, ein Tor, unzählige Flanken.

Nach Schlusspfiff stand Boyle noch minutenlang vor der Fankurve und klatschte. "So ein Spiel erlebst du nicht jede Woche. Wir waren heute gierig - und das schmeckt besser als jedes Feierabendbier." Trainer Crocket nickte dazu: "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen Spaß haben. Dass sie dabei sechs Tore schießen, war nicht zwingend Teil des Plans."

Und die Gunners? Kapitän Bloomfield seufzte: "Wir haben uns in Schönheit verrannt. Millwall hat uns gezeigt, was passiert, wenn man in London zu lange träumt."

Ein Londoner Derby, das alles hatte - Tempo, Tore, Theatralik. Millwall bleibt mit diesem Sieg im oberen Tabellendrittel, während die Gunners nach diesem Defensiv‑Desaster wohl dringend Nachhilfe im Stellungsspiel brauchen.

Am Ausgang sagte ein älterer Millwall‑Fan zu seinem Enkel: "Siehst du, Junge, so spielt man Fußball - mit Herz, aber ohne Rücksicht auf Blutdruck." Und man konnte ihm kaum widersprechen.

16.01.643991 10:12
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