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Millwall zerlegt Bournemouth - Drei Tore, ein Statement

Es war eine dieser Londoner Nächte, an denen der Rasen unter den Flutlichtern glänzt und 55.161 Zuschauer das Gefühl haben, sie seien Zeugen eines kleinen Wunders. Der FC Millwall besiegte Bournemouth FC am 8. Spieltag der englischen Liga mit 3:0 - und das nach einer ersten Halbzeit, in der die Zuschauer eher den Tee als das Spiel genossen.

"Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr schon die ganze Zeit auf den Ball tretet, dann tretet wenigstens auch mal rein", grinste Trainer Sonny Crocket nach dem Schlusspfiff. Offenbar hat er den richtigen Ton getroffen, denn kaum war der zweite Durchgang angepfiffen, verwandelte sich Millwall von einem braven Defensivkünstler in eine entfesselte Offensivmaschine.

Den Auftakt machte Linksverteidiger Joel Satchmore in der 56. Minute - ja, richtig gelesen: der Linksverteidiger. Nach einem präzisen Zuspiel von Riley Charpentier zog Satchmore einfach mal ab. Der Ball zischte an Freund und Feind vorbei ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Satchmore später zu, "aber wenn’s so aussieht, war’s natürlich Absicht."

Bournemouth, bis dahin bemüht, aber harmlos, schien nach dem Rückstand komplett die Orientierung zu verlieren. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Trainer Raffael Vogelsang schüttelte nur den Kopf: "Wir hatten uns was vorgenommen, aber Millwall hat uns einfach erstickt - und zwar mit einem Lächeln."

In der 75. Minute legte Joseph Lockwood nach. Wieder hieß der Vorlagengeber Charpentier, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, Bournemouths Defensive persönlich in den Wahnsinn zu treiben. Eine butterweiche Flanke, ein gezielter Kopfball - 2:0. Das Stadion bebte, und Lockwood riss die Arme hoch, als hätte er gerade das Wembley-Finale entschieden. "Riley hat’s mir leicht gemacht", sagte er später bescheiden und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Na gut, fast leicht."

Von Bournemouth kam danach nichts mehr. Die "Cherries" wirkten, als warteten sie nur noch auf den Schlusspfiff - oder auf ein Wunder, das nie kommen sollte. Millwall hingegen hatte noch nicht genug. In der Nachspielzeit krönte Bradley Davonport die Vorstellung mit dem dritten Treffer (91.). Und wieder war es Charpentier, der die Vorlage gab - der Mann des Abends, der heimliche Regisseur in einem Spiel, das sich nach der Pause in einen blauen Rausch verwandelte.

"Riley war überall", schwärmte Trainer Crocket später. "Wenn er nicht gerade den Ball hatte, hat er ihn sich einfach zurückgeholt." Statistisch gesehen war das kaum übertrieben: Millwall kam auf 54,9 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt hatte Charpentier allein davon 30. Dazu 19 Torschüsse - gegen drei kümmerliche Versuche der Gäste.

Torwart Ethan Caviness hätte sich einen Liegestuhl hinstellen können. "Ich hab mir in der 87. Minute gedacht, ich sollte wenigstens einmal fliegen, damit die Fans wissen, dass ich noch da bin", witzelte er nach dem Spiel.

Bournemouths Spieler hingegen schlichen wortlos in die Kabine. Der junge Keeper Lewis Ward, gerade einmal 18 Jahre alt, wirkte, als hätte er in einer Nacht zehn Jahre Erfahrung gesammelt. "Das war Lehrgeld", meinte Coach Vogelsang trocken. "Teuer, aber nötig."

Taktisch war das Spiel ein Spiegelbild zweier Philosophien: Millwall begann defensiv eingestellt, aber mit hoher Aggressivität und sicherem Passspiel. Bournemouth wollte offensiv glänzen, bekam aber keinen Zugriff. Pressing? Fehlanzeige. Stattdessen schauten die Gäste zu, wie Millwall sie systematisch auseinandernahm.

Die Fans im Stadion sangen schon Minuten vor Abpfiff, und man konnte den Eindruck gewinnen, als wolle keiner nach Hause gehen. Drei Tore, drei verschiedene Schützen, ein dominanter Auftritt - das hatte in der 1. Liga Englands Seltenheitswert an diesem Abend.

"Wenn man 3:0 gewinnt, kann man sagen, dass der Plan funktioniert hat", resümierte Crocket, "auch wenn der Plan ehrlich gesagt war, nicht zu verlieren." Bournemouths Vogelsang blieb derweil nur Galgenhumor: "Wir haben immerhin verhindert, dass sie vier machen."

So endete ein Spiel, das in der ersten Halbzeit nach Schlafmittel roch und in der zweiten nach Champagner schmeckte. Millwall ist zurück - bissig, mit Witz und einem Mittelfeldmotor namens Charpentier, der an diesem Abend alles dirigierte, was Beine hatte.

Und irgendwo in London summte ein Fan auf dem Heimweg: "Wenn’s läuft, dann läuft’s eben."

31.01.643994 16:32
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