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Es war ein kühler, aber klarer Abend in Solna, 55.271 Zuschauer hatten sich im Friends Arena eingefunden, um die Rückkehr des europäischen Fußballs zu feiern. Der Duft von gerösteten Mandeln lag in der Luft, die britischen Fans sangen ihre Lieder mit der Ausdauer einer Dampfmaschine - und am Ende jubelten sie auch am lautesten. Denn der FC Millwall besiegte AK Solna zum Auftakt der Europaliga-Gruppenrunde verdient mit 3:1 (1:1). Dabei hatte es für die Schweden so gut begonnen. AK Solna zeigte von Beginn an Lust auf Ballbesitz - 57 Prozent am Ende dokumentieren das - und kombinierte ansehnlich über die Flügel. Bereits in der 23. Minute führte eine dieser Angriffswellen zum Erfolg: Jesper Carlsen, der rechte Außenverteidiger, marschierte bis zur Grundlinie und flankte mit chirurgischer Präzision auf Sotirios Panagoulias. Der Grieche nahm den Ball direkt und traf aus zwölf Metern ins linke Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich nachgedacht hätte, wäre der Ball wahrscheinlich auf dem Parkplatz gelandet", grinste Panagoulias nach dem Spiel. Doch Millwall wäre nicht Millwall, wenn sie sich von einem Rückstand beeindrucken ließen. Die Londoner, von Trainer Sonny Crocket mit der typischen Mischung aus Härte und Pragmatismus eingestellt, fingen langsam an, die Kontrolle zu übernehmen. Kurz vor der Pause, in der 42. Minute, schlug Christopher Thackeray zu. Nach feinem Zuspiel von Noah Clancy zog der rechte Mittelfeldspieler trocken ab - 1:1. "Wir wussten, die haben mehr Ball, aber wir haben mehr Biss", kommentierte Crocket später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Überheblichkeit pendelte. Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie zusehends. Solna spielte zwar weiterhin gefällig, doch Millwall hatte die gefährlicheren Ideen. In der 57. Minute musste Elliot Lockwood nach einem Zweikampf verletzt vom Platz - sein Ersatz Joel Satchmore kam, sah und stabilisierte die linke Seite. Kaum vier Minuten später nutzte Daniel Darabont einen Moment der Unaufmerksamkeit in Solnas Defensive. Samuel Bloomfield hatte sich auf links durchgetankt und legte quer, Darabont musste nur noch einschieben - 2:1 für die Gäste. "Da haben wir kurz geschlafen", knurrte AK-Trainer Torsh Maakay nach dem Spiel. "Und Millwall schläft bekanntlich nie - zumindest nicht, wenn sie Blut riechen." Tatsächlich stand Solna danach unter Dauerdruck. Zwar verzeichnete die Mannschaft mehr Torschüsse (14 zu 11), doch die Londoner zeigten Effizienz, wie man sie sonst nur aus Lehrbüchern britischer Nüchternheit kennt. In der 69. Minute sah Millwalls Innenverteidiger John Bancroft Gelb, ein Foul, das man auch als "englisch fair" bezeichnen könnte. Doch statt zu wackeln, konterten die Gäste weiter eiskalt. In der 78. Minute machte erneut Thackeray den Deckel drauf. Nach einem langen Pass von Rechtsverteidiger Aaron Marshal nahm er den Ball elegant mit der Brust, ließ zwei Solna-Verteidiger stehen und traf aus spitzem Winkel - 3:1. Der Jubel der mitgereisten Fans klang wie ein Chor aus Londoner Pubs. Die Schweden versuchten es tapfer weiter. Albin Kraft und Iker Delgado prüften Torhüter Ethan Caviness mehrfach, und der junge Elof Söderberg zwang ihn in der Nachspielzeit noch einmal zu einer sehenswerten Parade. Doch es blieb beim 1:3. "Wir haben Fußball gespielt, sie haben Fußball gearbeitet", sagte Solna-Kapitän Adam Lujan nach Schlusspfiff leicht sarkastisch. "Leider zählt am Ende beides - aber das Ergebnis nur für eins davon." Trainer Maakay versuchte, das Positive zu sehen: "Wir hatten mehr Ball, mehr Chancen, weniger Glück. Manchmal ist das so. Aber ich hab lieber eine Mannschaft, die spielt, als eine, die nur grätscht." Crocket konterte trocken: "Wir grätschen mit Stil. Und Stil gewinnt Spiele." So endete ein Abend, der alles bot, was europäischer Fußball verspricht: Tempo, Tore und ein bisschen Drama. Solna wird nach diesem Auftakt noch einiges zu tun haben, um in der Gruppe zu bestehen. Millwall dagegen reist mit breiter Brust zurück auf die Insel - und vielleicht mit dem Gefühl, dass man auch auf schwedischem Boden englische Tugenden feiern kann. Oder, wie ein Millwall-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "War doch klar, dass wir das machen. Wir haben schließlich nicht den weiten Weg für ein Unentschieden gemacht." Ein Satz, der vermutlich auch Sonny Crocket gefallen hat - denn der Mann liebt klare Ergebnisse. 19.01.643994 18:18 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack