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Ein nasskalter Februarabend in London, 48.873 Zuschauer im Stadion - und ein FC Millwall, der die sogenannten "Manchester Blues" aussehen ließ wie eine Schulmannschaft auf Klassenfahrt. 4:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Von Beginn an war klar, dass Trainer Sonny Crocket seine Jungs auf Angriff eingestellt hatte. "Wir wollten zeigen, dass Offensive keine Schande ist", grinste Crocket nach dem Spiel, während seine Krawatte irgendwo zwischen Adrenalin und Jubel verschwunden war. Die Statistik spricht Bände: 28 Torschüsse für Millwall, gerade einmal drei kümmerliche Versuche der Gäste. Und wer 52 Prozent Ballbesitz hat, braucht keine Ausreden. Schon in der 17. Minute platzte der Knoten. Daniel Darabont, der flinke Linksaußen mit der Eleganz eines Straßenkickers, setzte sich nach Zuspiel von Rechtsverteidiger Bradley Crichton durch und drosch den Ball unhaltbar in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Darabont später bescheiden - wobei sein breites Grinsen Gegenteiliges verriet. 1:0, und der FC Millwall war auf Betriebstemperatur. Bei Manchester hingegen: Ratlosigkeit. Trainer Daniel Kontsch stand da wie jemand, der den falschen Bus genommen hat. Seine "Blues" spielten brav über die Flügel, wie es die Taktiktafel vorsah, aber ohne jede Wucht. Yannik Gancarczyk schoss in der 6. Minute aufs Tor - das war’s dann im Grunde schon mit der Offensivabteilung. Kurz darauf verletzte sich der linke Mittelfeldmann Jacinto Domingos, Ersatz Sean Lester kam früh und durfte die ganze Misere von vorn miterleben. Nach dem Seitenwechsel rollte die Millwall-Maschine endgültig an. Robert Bancroft zog im Mittelfeld die Fäden, Elliot Lockwood wirbelte auf links, und vorne lauerte Benjamin Fryer wie ein hungriger Terrier. In der 54. Minute war es dann Linksverteidiger Joel Satchmore, der nach einer feinen Vorarbeit von Bancroft das 2:0 erzielte - ein Schuss aus vollem Lauf, der so präzise war, dass selbst ein zweiter Torwart nichts hätte ausrichten können. Nur drei Minuten später legte Lockwood nach. Fryer hatte sich auf rechts durchgesetzt, flankte in den Rückraum, und Lockwood traf trocken ins Eck. Die Blues wirkten nun wie eine Mannschaft, die am liebsten das WLAN-Passwort für die Kabine wissen wollte. Doch Lockwood hatte noch nicht genug: In der 63. Minute krönte er seine Gala mit dem 4:0, nach cleverem Pass von Riley Charpentier. Das Stadion tobte, und irgendwo auf der Tribüne soll sogar ein Blues-Fan höflich applaudiert haben - aus Mitleid oder wegen der Spielkunst, wer weiß. Trainer Crocket nahm’s sportlich: "Wir haben heute einfach das gespielt, was wir trainieren - also endlich mal das Richtige." Sein Gegenüber Kontsch hingegen wirkte, als würde er innerlich eine Bewerbung an die nächstbeste Zweitligamannschaft formulieren. "Wir müssen das analysieren", murmelte er, "aber im Moment fällt mir dazu nur ’aua’ ein." Millwalls Keeper Ethan Caviness hatte einen ruhigen Abend. Dreimal durfte er den Ball halten, ansonsten hätte er auch einen Klappstuhl mitbringen können. Die Abwehr um Louis Fairchild und John Bancroft (der zur Halbzeit kam) erledigte den Rest souverän. Selbst die Ersatzbank zeigte Euphorie. Als Lockwood seinen zweiten Treffer machte, soll Ersatzkeeper Caviness’ Trinkflasche in hohem Bogen Richtung Trainerbank geflogen sein - aus purer Freude, versteht sich. "Das war kein Wurf, das war eine Liebeserklärung", scherzte Crocket später. Taktisch war’s eindeutig: Millwall spielte von der ersten bis zur letzten Minute offensiv, aggressiv, aber nie kopflos. Die Blues dagegen hielten stoisch an ihrem ausgeglichenen, flügellastigen Konzept fest - was in etwa so sinnvoll war, als würde man im Regen den Schirm im Rucksack lassen. Am Ende blieb ein klares 4:0 (1:0) und die Erkenntnis, dass Millwall an diesem Abend nicht nur besser war, sondern schlicht alles richtig machte. Die Fans sangen, der Gegner schwieg, und selbst die Stadionkatze soll zufrieden geschnurrt haben. Oder, wie Torschütze Lockwood es trocken formulierte: "Manchmal läuft’s halt. Heute lief’s halt viermal." Ein Abend zum Einrahmen für Millwall - und für die Blues ein Spiel zum Vergessen. Aber vielleicht ist das ja genau die Lektion, die sie gebraucht haben: Wer nicht schießt, kann auch nicht treffen. Und wer nicht kämpft, darf sich in London auf was gefasst machen. 24.12.643990 10:00 |
Sprücheklopfer
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Fritz Walter Junior auf die Frage, wie denn seine Frau heißt