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Millwall überrascht die Devils - Callahan schießt den Löwen-Tempel in Ekstase

Im Londoner Süden riecht der Beton nach Sieg und kaltem Bier. 59.000 Zuschauer brüllten am Samstagabend den FC Millwall zu einem 2:1-Triumph über die favorisierten Manchester Devils - ein Spiel, das zeigte, dass Herzblut manchmal schwerer wiegt als Ballbesitzstatistik.

Die Fakten zuerst: Millwall 2, Manchester 1. Zwei Tore von Alfie Callahan (18. und 57. Minute), ein Gegentreffer von Logan Nolan (68.). Mehr braucht man fast nicht zu wissen - außer, dass der Abend ein wilder Ritt zwischen Leidenschaft, Chaos und britischem Humor war.

Schon in den ersten Minuten deuteten die Devils an, warum sie normalerweise den Ton in der Liga angeben. Rechtsverteidiger Alen Rajic prüfte Millwalls Keeper Cameron Huxley bereits in der 5. Minute mit einem Schuss, der so gerade noch am Pfosten vorbeistrich. Coach Reto Klopfenstein, ein Mann mit schweizerischer Präzision und britischem Regenmantel, notierte trocken in sein Heft: "Chance Nummer eins."

Doch dann kam die 18. Minute - und mit ihr Alfie Callahan. Der Veteran auf dem linken Flügel, 32 Jahre und immer noch mit der Körperspannung eines pubertierenden Terrierhunds, jagte nach einem butterweichen Pass von Elliot Lockwood den Ball unter die Latte. 1:0. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Callahan später. "Sonny hat gesagt: Wenn du’s nicht probierst, probier’s halt doch."

Trainer Sonny Crocket, der stets aussieht, als würde er gleich eine 80er-Jahre-Serie betreten, brüllte nach dem Treffer eine Mischung aus Freude und Ungläubigkeit in den Abendhimmel. "Ich schwöre, ich wollte gerade über die Defensive meckern!", lachte er nach dem Spiel.

Millwall blieb mutig, offensiv, manchmal waghalsig - so wie es ihre Taktik vorgab. Zwar hatten die Gäste mit 54 Prozent etwas mehr Ballbesitz, doch Millwall machte daraus: weniger Schönspielerei, mehr Wirkung. Benjamin Fryer prüfte den Devils-Keeper George Boyle mehrfach, Joseph Lockwood rannte über den rechten Flügel, als hinge seine Karriere davon ab.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit Millwall, das mehr wollte, und den Devils, die mehr dachten. In der 57. Minute war es wieder Callahan, diesmal nach Vorarbeit von Christopher Thackeray, der eiskalt auf 2:0 stellte. "Ich hab den Ball gesehen und dachte: Das kann ja nicht schon wieder sein", stöhnte Devils-Verteidiger Timofej Tertyschny später. "War’s aber."

Das Stadion stand Kopf, die Fans sangen, als wäre das Wembley. Selbst die Stadionkatze, so wird berichtet, habe kurz aufgehört, sich zu putzen.

Doch Manchester wäre nicht Manchester, wenn sie sich einfach ergeben hätten. In der 68. Minute kombinierten sich Jamie Kirwan und Logan Nolan durch die Millwall-Abwehr wie Messer durch Butter. Nolan schob den Ball flach ins Eck - nur noch 2:1, und plötzlich wurde’s nervös.

"Da dachte ich, das wird wieder so ein typischer Millwall-Abend, wo wir’s am Ende noch herschenken", gab Crocket später zu. Aber seine Jungs hielten dagegen, mit allem, was die Knochen hergaben. Isaac Hartshorn, frisch eingewechselt, räumte hinten ab, als wolle er zur Queen persönlich eingeladen werden.

Die Schlussphase war ein einziges Chaos aus Pressing, langen Bällen und verzweifelten Befreiungsschlägen. Callahan hätte in der 87. Minute fast das 3:1 nachgelegt, doch Fryer scheiterte knapp - und so blieb es beim 2:1.

Nach Abpfiff jubelten die Fans, als hätte Millwall gerade die Champions League gewonnen. "Für uns ist jeder Sieg gegen die Devils wie ein Feiertag", rief ein Fan mit Bier in der Hand und Tränen in den Augen.

Coach Klopfenstein nahm’s sportlich. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Struktur - aber Millwall hatte Callahan. Manchmal reicht das."

Am Ende zeigten auch die Statistiken, dass das Spiel ein Spiegelbild des Lebens war: gerecht, aber nicht immer logisch. Beide Teams kamen auf neun Torschüsse, die Devils auf mehr Ballbesitz, Millwall auf mehr Herz.

Vielleicht war es genau das, was Sonny Crocket meinte, als er in der Pressekonferenz sagte: "Wir spielen nicht für die Statistik. Wir spielen für den Lärm."

Und der Lärm im Den, Millwalls legendärer Heimstätte, hallt sicher noch ein paar Tage nach - irgendwo zwischen Stolz, Heiserkeit und der Erkenntnis, dass Leidenschaft manchmal eben mehr Tore schießt als Taktiktafeln.

Ein Abend, wie er in London selten ist: laut, wild, ehrlich. Und wieder einmal hat Millwall bewiesen, dass der Fußball, wenn er rau und ungeschminkt daherkommt, am schönsten ist.

24.10.643987 01:12
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In diesem Scheißverein kann man nicht mal richtig feiern.
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