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Wenn man im Londoner The Den an einem kalten Januarabend 51.047 Zuschauer zum Jubeln bringt, dann hat man wohl etwas richtig gemacht. Der FC Millwall spielte am 26. Spieltag der 1. Liga England gegen Oxford City und gewann mit 3:0 (2:0). Ein Ergebnis, das so deutlich war wie die Hierarchie auf dem Platz. Oxfords Spieler wirkten oft wie Gäste auf einem fremden Planeten - freundlich, bemüht, aber stets einen Schritt zu spät. Schon nach sieben Minuten war klar, dass Millwall an diesem Abend nichts dem Zufall überlassen würde. Christopher Thackeray, der rechte Mittelfeldmotor mit dem Schuss eines Snipers, hämmerte nach Vorarbeit von Robert Bancroft den Ball ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Thackeray später. "Wenn man 25 Schüsse im Spiel hat, darf wenigstens einer rein." Oxford kam in den ersten 30 Minuten kaum über die Mittellinie, und als Noah Clancy in der 27. Minute nach feinem Zuspiel von Joel Satchmore das 2:0 erzielte, war die Partie schon fast entschieden. Trainer Sonny Crocket, sonst eher cool wie ein Cop aus einer 80er-Serie, ballte die Faust und brüllte seine Freude heraus. "Die Jungs haben verstanden, dass wir nicht nur arbeiten, sondern auch spielen müssen", sagte er später und zwinkerte. Oxford City hingegen wirkte, als habe man ihnen im Bus die Motivation abgenommen. Fünf Torschüsse in 90 Minuten - das ist keine Offensive, das ist höfliches Anklopfen. Trainer David Klockzien versuchte es nach dem Spiel mit Galgenhumor: "Wir hatten den Ball immerhin 46 Prozent der Zeit. Leider meistens in Zonen, wo er nichts nützt." Kurz nach der Pause hätte es noch knapper werden können, aber Millwalls Keeper Ethan Caviness blieb weitgehend beschäftigungslos. Stattdessen legte Daniel Darabont in der 62. Minute den Deckel drauf. Nach einem beherzten Lauf über links und einem Pass von George Clancy versenkte der 22‑Jährige den Ball trocken - 3:0. Ein Tor, das die Fans auf den Rängen mit einem kollektiven "Endlich!" quittierten. Danach wurde es etwas ruppiger. Noah Clancy sah Gelb, vielleicht, weil ihm langweilig geworden war, und Bradley Davonport holte sich ebenfalls eine Verwarnung ab, nachdem er in der 85. Minute mehr Gegner als Ball traf. "Ein bisschen Feuer gehört dazu", erklärte Crocket. "Wir sind Millwall, keine Tanzgruppe." Oxford hatte Pech, als Verteidiger Rhys Connolly in der 58. Minute verletzt ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Xavi Baiao machte seine Sache ordentlich, schoss sogar zweimal aufs Tor - doch selbst seine Teamkollegen schienen davon überrascht. Die Statistiken sprachen eine klare Sprache: 25 Torschüsse für Millwall, 5 für Oxford; 54 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 46 für die Gäste. Oxfords Abwehrspieler Amaury Semedo brachte es später auf den Punkt: "Wir haben gelitten. Aber vielleicht war das nötig, um zu lernen, wie man gegen Männer spielt." Millwall spielte taktisch ausgewogen, ließ aber keine Sekunde Zweifel an seiner Zielstrebigkeit. Kein wildes Pressing, kein Chaos - einfach solides, zielgerichtetes Fußballhandwerk. Besonders auffällig: die Brüder(?) Clancy. Noah traf, George bereitete vor - die Familienfeier am Abend dürfte ausgelassener gewesen sein als jedes Oxford-Teambuilding. In der Schlussphase durfte noch einmal gewechselt werden: Harrison Cabell ersetzte Noah Clancy, Alexander Mayhew kam für den routinierten Bancroft. Die jungen Wilden bekamen ihre Minuten, und Cabell setzte in der Nachspielzeit sogar noch einen Schuss ans Außennetz - sinnbildlich für einen Tag, an dem Millwall einfach alles gelang. Oxford fuhr mit gesenktem Kopf vom Platz, während die Zuschauer auf den Rängen "We’re Millwall" gröhlten (rein stimmungstechnisch, versteht sich). Trainer Klockzien verabschiedete sich höflich von Crocket, murmelte aber beim Abgang etwas von "Rückspiel" - das klingt nach einer Drohung, die man im Süden Londons gern hört. Fazit: Millwall präsentiert sich reif, zielstrebig und mit Witz im Spiel. Oxford City dagegen blieb blass, ideenlos und harmlos. Wenn man keine Tore schießt und kaum Chancen kreiert, hilft auch 46 Prozent Ballbesitz nicht. Oder, wie Millwalls Coach es zum Abschluss lachend formulierte: "Wir wollten zeigen, dass London noch Fußball spielen kann - Mission erfüllt." Und so endete ein Abend, der für Oxford ein Lehrstück war und für Millwall ein Statement. 3:0, klare Kiste - und ein Stadion, das endlich wieder daran glaubte, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf. 16.11.643987 00:22 |
Sprücheklopfer
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