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Millwall tanzt in Smederevo - Englischer Pragmatismus schlägt serbische Leidenschaft

Es war ein Abend, der in Smederevo eigentlich für Heldenepen vorgesehen war, nicht für englische Zweckmäßigkeit. Doch am Ende stand es 1:2, und der FK Smederevo musste erleben, was passiert, wenn ein Team aus London beschließt, dass Stil optional, Effizienz aber Pflicht ist. 43.500 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion sahen ein Halbfinal-Rückspiel der Conference League, das alles bot - außer Gnade.

Schon früh zeigte Millwall, dass sie keine Lust auf serbische Geduldsspiele hatten. In der 12. Minute war es Tyler Boyle, der nach einem abgefälschten Querpass von Innenverteidiger Louis Fairchild (!) den Ball trocken ins Netz drosch. "Ich wusste gar nicht, dass er so weit vorne stehen darf", grinste Boyle später über seinen überraschend offensiv denkenden Abwehrkollegen. Trainer Sonny Crocket, modisch wie immer im weißen Sakko mit hochgekrempelten Ärmeln, kommentierte trocken: "Wir üben das so. Chaos ist unsere Struktur."

Smederevo brauchte ganze 20 Minuten, um den Schock zu verdauen. Bruno Fernandes prüfte Millwalls Keeper Cameron Huxley mit einem Distanzschuss, der mehr Staub als Gefahr erzeugte. Trainer Osteroder FC (ja, das ist tatsächlich sein Name, kein Sponsoren-Gag) brüllte von der Seitenlinie: "Lauft, als würdet ihr’s meinen!" - doch seine Mannschaft wirkte, als sei sie sich nicht ganz sicher, ob sie’s wirklich meinte.

Kurz nach Wiederanpfiff dann der nächste Nadelstich: Benjamin Fryer, der Millwall-Stürmer mit der Physis eines Betonmischers, erhöhte in der 46. Minute auf 0:2. Riley Charpentier hatte den Ball aus der Zentrale butterweich durchgesteckt - und Fryer schob so lässig ein, als wäre das Ganze ein Trainingskick an der Themse. "Ich hab nur gemacht, was Riley mir befohlen hat", sagte Fryer später und grinste in die Kameras.

Doch wer Smederevo abschreibt, kennt die Balkanseele schlecht. Archie Gady, bis dahin eher unauffällig, zündete in der 66. Minute den Funken Hoffnung. Nach Vorarbeit von Gojko Zigic zog er aus spitzem Winkel ab - der Ball klatschte an den Innenpfosten und trudelte ins Netz. 1:2. Das Stadion vibrierte, als hätte jemand den Stromzähler auf Dauerbetrieb gestellt. Gady rannte zur Bank, formte ein Herz mit den Händen und brüllte: "Za grad!" - "Für die Stadt!"

Von da an wurde es ein Spiel auf ein Tor: Smederevo drückte, Millwall mauerte mit britischer Entschlossenheit. Elf Schüsse auf das Tor der Engländer, aber immer wieder stand Huxley richtig oder hatte schlicht Glück. In der 87. Minute zirkelte Roberto Colosimi den Ball knapp über die Latte, und in der Nachspielzeit kam sogar der junge Keeper Branislav Ivanovic (17) nach vorne, als Smederevo eine letzte Ecke bekam. "Ich wollte Geschichte schreiben", sagte er später, "aber ich habe nur den Ball verpasst."

Die Statistiken erzählten von einem Spiel auf Augenhöhe: 11 zu 12 Torschüsse, 49,6 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 50,4 für Millwall. Doch die Engländer machten aus wenig viel - und die Serben aus viel zu wenig. Nach dem Abpfiff stand Trainer Crocket mit verschränkten Armen da, als hätte er gerade ein Schachspiel gewonnen. "Wir sind nicht schön, aber effektiv", sagte er, "und Effektivität hat heute gewonnen."

Osteroder FC hingegen wirkte, als müsse er erst einmal tief durchatmen. "Wir haben alles gegeben, aber Millwall hat uns für jede Sekunde des Zögerns bestraft", erklärte er mit einem Schulterzucken, das zwischen Stolz und Frust pendelte. "Vielleicht hätten wir weniger lang gespielt und mehr kurz gepasst."

Auf den Rängen applaudierten die Fans trotzdem. Sie wussten, dass ihre Mannschaft gekämpft hatte - mit starkem Einsatz, mutigem Pressing in der Schlussphase und einer Prise Tragik, die in Smederevo fast schon Tradition ist.

Und so verließ Millwall den Balkan mit einem Sieg, den sie vermutlich in der heimischen Pub-Legende als "das Spiel, in dem Boyle wie Beckham aussah" erzählen werden. Smederevo dagegen bleibt die Erkenntnis, dass Leidenschaft allein nicht reicht - manchmal braucht man auch ein bisschen britisches Understatement.

Oder, wie Archie Gady später in die Mikrofone sagte: "Wir hatten das Herz, sie hatten die Punkte. Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Romantik und Realität."

Ein bitterer, aber ehrlicher Abend - und einer, über den man in Smederevo noch lange sprechen wird.

14.09.643993 19:40
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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