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London, The Den, Dienstagabend, Flutlichtspiel und 49.091 Zuschauer, die genau das bekamen, was sie wollten: ein entfesseltes Millwall, das Hucknall Town mit 3:0 aus dem Stadion fegte - und das schon nach 35 Minuten. Danach wirkte das Ganze eher wie ein gepflegter Trainingskick mit Publikum. Von der ersten Minute an war klar, dass Trainer Sonny Crocket seine Jungs auf Angriff getrimmt hatte. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir schon Ballverluste haben, dann wenigstens weit vorne!", grinste der Coach später in die Mikrofone. Und seine Mannschaft setzte das um - mit einer Effizienz, die selbst britische Wettervorhersagen neidisch machen würde. Schon in der 7. Minute zappelte der Ball im Netz. Tyler Boyle, der rechte Wirbelwind, traf nach Vorarbeit von Elliot Lockwood - und das, nachdem Boyle nur Sekunden zuvor eine ähnliche Chance vergeben hatte. "Elliot hat mir zugerufen, ich soll einfach schießen. Ehrlich gesagt, ich hab gar nicht groß gezielt", gab Boyle danach zu. Wer braucht schon Zielwasser, wenn das Timing stimmt. Kaum hatte Hucknall sich gesammelt, kam die nächste kalte Dusche. In der 17. Minute köpfte Benjamin Fryer nach einer Ecke von Innenverteidiger Louis Fairchild zum 2:0 ein. Ein Mittelstürmer, ein Innenverteidiger - und eine Abwehr von Hucknall, die kollektiv auf Vogelbeobachtung umgeschaltet hatte. Als dann Elliot Lockwood in der 35. Minute höchstpersönlich das 3:0 erzielte, war das Spiel im Grunde gelaufen. Ein trockener Schuss aus 18 Metern, flach ins Eck - so präzise, dass Hucknalls Keeper Jose Enrique Alves nur noch resigniert hinterherschaute. "Ich hab ihn gar nicht richtig kommen sehen", murmelte Alves später. "Vielleicht war das auch besser so." Kurios: Trotz des klaren Ergebnisses hatte Hucknall Town laut Statistik mehr Ballbesitz - 54 zu 46 Prozent. Doch was bringt das, wenn der Ball nur zwischen Innenverteidigern und Torwart hin- und herwandert? Millwall schoss 18 Mal aufs Tor, Hucknall gerade einmal fünf Mal. Und wenn man ehrlich ist, waren drei davon eher verzweifelte Rückgaben. Kurz vor der Pause wurde es dann noch einmal hitzig: In der 38. Minute kassierte Hucknalls Rechtsverteidiger Andres Henriquez Gelb, nachdem er Elliot Lockwood an der Seitenlinie umsäbelte. Millwalls Trainer Crocket kommentierte trocken: "Das war wohl seine Art, Hallo zu sagen." Die zweite Halbzeit begann, als wäre jemand auf der Tribüne eingeschlafen und hätte vergessen, den Wecker zu stellen. Millwall verwaltete souverän, Hucknall bemühte sich redlich, aber ungefährlich. Trainer Maddes Kaiser versuchte es mit lautstarken Kommandos ("Mehr Mut, Jungs!"), doch auf dem Platz blieb alles beim Alten - Ballbesitz ohne Biss. In der 61. Minute gönnte Crocket seinen Verteidigern eine Pause: Satchmore raus, Thuringer rein. Eine Minute später durfte auch Youngster Marcus Rashford (19) ran, der für den starken Daniel Darabont kam. "Ich hab mich gefühlt wie in einem Computerspiel, wenn man den Schwierigkeitsgrad runterstellt", lachte Rashford nach seinem Debüt. Die Fans feierten jede gelungene Aktion, und selbst ein verunglückter Rückpass brachte Jubelstürme hervor. In der 76. Minute bekam Boyle seinen verdienten Applaus, als Joseph Lockwood - vermutlich kein Verwandter, aber ebenso flink - ihn ersetzte. Hucknall versuchte es in den Schlussminuten noch einmal mit ein paar harmlosen Schüsschen - Winfield in der 84., Bosingwa in der 94. Minute - aber Millwalls Keeper Cameron Huxley hätte wahrscheinlich auch mit einer Zeitung in der Hand gehalten. Nach Abpfiff zeigte sich Crocket zufrieden, aber mit einem Augenzwinkern: "Drei Tore sind schön, aber ich hätte gern noch ein viertes gesehen. Einfach fürs Torverhältnis." Sein Gegenüber Kaiser hingegen suchte nach Worten: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten das Spiel. Das ist der Unterschied." Am Ende war es ein Abend, an dem Millwall alles richtig machte und Hucknall wohl die Rückfahrt mit dem Bus lieber still verbrachte. Die Zuschauer verließen das Stadion mit breitem Grinsen - und das nicht nur wegen des Ergebnisses. Es war schlicht ein Fußballabend, wie ihn die Südtribüne liebt: laut, leidenschaftlich, und mit drei Punkten im Gepäck. Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "So kann’s weitergehen. Wenn die so weiterspielen, müssen wir uns bald wieder an Europa gewöhnen." Nun ja - ein Schritt nach dem anderen, aber an diesem Abend war Millwall jedenfalls König von The Den. 23.11.643993 05:23 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer