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58296 Zuschauer im altehrwürdigen The Den sahen an diesem Europaliga-Abend eine Millwall-Mannschaft, die so zielstrebig auftrat wie ein Terrier auf der Fährte. Der FC Millwall gewann souverän mit 3:0 (1:0) gegen FC Bystrc-Kninicky - und das, obwohl die Gäste mit offensiver Ausrichtung und viel Mut angetreten waren. Trainer Sonny Crocket dürfte sich zufrieden den imaginären Sonnenhut gerichtet haben, während Kollege Carsten Achenbach eher nach einem Espresso mit doppeltem Frustanteil aussah. Kaum hatte der Stadionsprecher die Hymne verstummen lassen, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 5. Minute nahm Bradley Davonport einen Abpraller am linken Strafraumeck auf und drosch ihn mit der Präzision eines Zimmermanns in die obere Ecke - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich", grinste Davonport später, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich: Das war Absicht." Bystrc-Kninicky, von Beginn an auf Offensive getrimmt, zeigte durchaus Ambitionen. Filipe Meira und August Brun suchten immer wieder den Weg zum Tor, scheiterten aber entweder an eigenen Nerven oder an Millwalls Torhüter Ethan Caviness, der zwar selten, aber dann umso entschlossener eingreifen musste. "Er hat uns im Spiel gehalten", nickte Innenverteidiger John Bancroft nach dem Schlusspfiff, "auch wenn wir heute kaum in Gefahr waren." Die Gäste bekamen früh Gelb - Manos Gounaris (9.) sah den Karton nach einem rustikalen Einsteigen, das man in England wohl als "guten Körperkontakt" durchgehen ließe. Millwalls George Clancy ließ sich inspirieren und holte sich in der 34. Minute ebenfalls den gelben Erinnerungszettel ab. Das Publikum quittierte beides mit dem typisch britischen Humor: "That’s football, mate!" Zur Pause führte Millwall verdient mit 1:0, hatte mehr Schüsse (18:6 am Ende) und mit knapp 52 Prozent auch minimal mehr Ballbesitz. Doch Trainer Crocket warnte in der Kabine: "Wenn ihr jetzt denkt, das läuft von allein, läuft’s am Ende gegen euch." Offenbar hörten seine Jungs zu. In der 61. Minute kombinierte sich Millwall über links durch, Joel Satchmore flankte maßgenau, und Daniel Darabont köpfte wuchtig ein - 2:0. Der junge Stürmer reckte beide Arme in die Höhe, als wollte er sagen: Seht her, Millwall kann auch schön! "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", gestand Darabont schmunzelnd. Bystrc-Kninicky versuchte es weiter, brachte nach der Pause Joaquin Veloso für den verwarnten Gounaris, doch die tschechische Hintermannschaft blieb anfällig. August Brun prüfte Caviness in der 71. Minute noch einmal, aber das war’s. Statt Anschlusstreffer kam das nächste Kapitel der Millwall-Gala: In der 79. Minute flankte Christopher Thackeray von rechts, und erneut war Bradley Davonport zur Stelle - per Direktabnahme zum 3:0. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch. "Ich hab’s genau so im Training gesehen", grinste Trainer Crocket hinterher, "nur dass er da daneben geschossen hat." Danach war die Messe gelesen. Millwall nahm das Tempo raus, verteidigte konzentriert, ließ Ball und Gegner laufen. Selbst die Gelbe gegen Samuel Bloomfield (62.) brachte keine Unruhe. Bystrc-Kninicky mühte sich, blieb aber harmlos - und wirkte am Ende so ausgebrannt wie die Flutlichtmasten nach Abpfiff. "Wir hatten unsere Chancen", erklärte Gästecoach Achenbach, "aber Millwall war heute einfach cleverer. Drei Chancen, drei Tore - das ist Effizienz, die wir uns nur wünschen können." Sein Kapitän Timo Dietrich ergänzte trocken: "Wir wollten offensiv spielen, haben aber defensiv verloren." Millwall dagegen feierte ausgelassen, und selbst der sonst stoische Crocket ließ sich zu einem Lächeln hinreißen: "Wir sind noch lange nicht durch, aber der Abend war ein Statement." So marschiert Millwall mit sechs Punkten aus zwei Gruppenspielen stramm Richtung Achtelfinale, während Bystrc-Kninicky die bittere Erkenntnis mitnimmt, dass mutiger Offensivfußball ohne Abschlussglück selten belohnt wird. Oder, um es mit einem Fan auf der Tribüne zu sagen: "Bystrc hat gespielt, Millwall hat getroffen - alles wie’s sein soll." 11.02.643994 21:54 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack