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Ein nasskalter Freitagabend an der Südküste, 57.039 Zuschauer im St. Mary’s Stadium - und am Ende wieder einmal diese leise Ratlosigkeit in den Gesichtern der Southampton-Fans. Der FC Millwall, von Trainer Sonny Crocket taktisch hervorragend eingestellt, entführt mit einem 2:1‑Sieg drei Punkte und lässt die Hausherren von Michael Böning frustriert zurück. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. Southampton, wie immer unter Böning offensiv ausgerichtet, presste früh, versuchte den Ball schnell in die Spitze zu bringen. Gabriel Beecroft prüfte Millwalls Keeper Cameron Huxley in der 15. Minute mit einem satten Schuss - die erste kleine Explosion im Publikum. "Wenn der reingeht, läuft das Spiel anders", knurrte Böning später. Doch Millwall lauerte. Mit einer defensiven Grundordnung und eiskalten Kontern brachte Crocket seine Männer perfekt in Stellung. Christopher Thackeray, ständig unterwegs auf der rechten Außenbahn, war der auffälligste Spieler der ersten Halbzeit. Nach mehreren Vorstößen war es dann in der 40. Minute soweit: Thackeray traf nach Vorarbeit von James Thuringer aus kurzer Distanz - 0:1. "Ich habe einfach draufgehalten. Manchmal ist weniger Nachdenken mehr", grinste Thackeray nach dem Spiel. Zur Halbzeit hatte Millwall die besseren Zahlen: 8:3 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz und die klarere Spielanlage. Southampton kämpfte, aber es fehlte die Präzision. "Wir haben viel gewollt, wenig getroffen", kommentierte Kapitän Carles Ordono trocken. Nach der Pause reagierte Böning, brachte Billy Benett für Owen Hartshorn - und der Wechsel zeigte Wirkung. In der 62. Minute glich Benett aus, nach einer Ecke, die Ordono wuchtig verlängert hatte. Benett stand goldrichtig, köpfte zum 1:1 ein. Der Jubel war laut, kurz und voller Hoffnung. "Das war unser Moment", sagte Benett später, "aber wir haben ihn nicht festgehalten." Denn Millwall blieb eiskalt. Während Southampton mit offenem Visier spielte, warteten die Gäste auf den nächsten Konter. Und er kam. In der 83. Minute bediente Riley Charpentier den schnellen Daniel Darabont, der mit einem präzisen Schlenzer ins lange Eck traf - 1:2. Crocket ballte an der Seitenlinie die Faust, während Böning nur den Kopf schüttelte. "Wir haben sie laufen lassen, bis sie müde waren", erklärte Crocket mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Genugtuung und Understatement lag. "So spielt man auswärts." Southampton versuchte alles, brachte in der Schlussphase noch Bailey Kendall und William Corey, aber es blieb beim Ergebnis. Beecroft verzog in der 79. Minute knapp, Ovesen scheiterte freistehend - die Saints hatten das Glück schlicht nicht auf ihrer Seite. Kurz vor Schluss noch ein Farbtupfer: Millwalls junger Linksverteidiger Samuel Bloomfield, bereits mit Gelb verwarnt, flog in der 89. Minute mit Gelb‑Rot vom Platz, nachdem er Beecroft ungestüm zu Boden riss. "Das war jugendlicher Übermut, kein böser Wille", meinte Crocket später. Millwall rettete die Führung in Unterzahl über die Zeit - mit allem, was Beine und Nerven hergaben. Statistisch passte das Bild zum Spiel: 13 Torschüsse für die Gäste, nur fünf für Southampton, dazu der leicht höhere Ballbesitz für Millwall (55 %). Die Tacklingquote von 54,9 % sprach ebenfalls für die robustere Gangart der Londoner. Southampton kämpfte mit Herz, aber nicht mit Präzision. Nach Abpfiff stand Böning lange an der Seitenlinie und blickte auf den Rasen. "Wir haben die Struktur verloren, als wir zu sehr wollten", sagte er. "Das ist bitter, aber so lernt man." Sein Gegenüber Crocket dagegen verschwand mit einem schnellen Schulterklopfen in den Katakomben. "Drei Punkte, ein Platz weniger im Abstiegskampf. Mehr wollte ich nicht." Die Fans gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause - stolz auf den Einsatz, aber enttäuscht vom Ergebnis. Irgendwo auf der Tribüne rief ein älterer Mann: "Wir hätten zwei Tore schießen müssen, um wenigstens ein 2:2 zu holen!" - eine mathematisch korrekte, aber wenig tröstliche Analyse. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist kein Wunschkonzert, schon gar nicht an regnerischen Freitagen in Southampton. Und Millwall? Die Löwen schnurrten nicht, sie bissen. 18.07.643993 23:37 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002