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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 41.782 Zuschauer - und ein Duell, das von Anfang an eher nach englischem Pokal-Krimi als nach Liga-Alltag roch. Boreham Wood empfing den FC Millwall zum 9. Spieltag der 1. Liga England, und die Hausherren legten los, als wollten sie die Gäste gleich in den ersten zehn Minuten aus dem Stadion schießen. Elf Torschüsse am Ende, viele davon früh, viel Herzblut - aber am Ende stand das, was man in Millwall nüchtern "Business as usual" nennt: ein 2:1-Auswärtssieg. Dabei fing alles so vielversprechend für Boreham Wood an. Schon in der 4. Minute prüfte Samuel Harrington Millwalls Keeper Cameron Huxley, der den Ball mit einem Reflex aus dem Winkel kratzte. Zwei Minuten später wieder Harrington, dann Davonport, dann sogar Rechtsverteidiger Benjamin Donovan - vier Chancen in zehn Minuten, und der Ball wollte einfach nicht rein. "Ich hab gedacht, der Ball hat was gegen uns persönlich", grinste Heimtrainer Sven Schliffke nach dem Spiel gequält. Und dann kam Millwall. In der 11. Minute reichte eine unscheinbare Szene: Christopher Thackeray bekam auf rechts etwas zu viel Platz, flankte in den Rückraum, Elliot Lockwood nahm Maß - und traf trocken ins linke Eck. 0:1, völlig gegen den Spielverlauf, aber mit der Effizienz eines Teams, das genau weiß, wie man Auswärtsspiele gewinnt. "Wir wollten Boreham Wood kommen lassen", erklärte Millwall-Coach Sonny Crocket später mit einem Lächeln, das wohl schon öfter nach einem dreckigen Auswärtssieg zu sehen war. Die Gastgeber ließen sich nicht beirren, blieben offensiv, manchmal fast zu offensiv. Ihr Ballbesitz lag bei 44 Prozent, aber sie liefen, kämpften, pressten - zumindest phasenweise - und rackerten gegen Millwalls defensive Ordnung an. Doch die "Lions" standen tief, verteidigten mit einer Aggressivität, die irgendwo zwischen "robust" und "freundlich gemein" rangierte. Ihre Tacklingquote? 52,4 Prozent - kein Zufall. Kurz vor der Pause dann fast das 0:2: Daniel Darabont tauchte frei vor Keeper Rhys Boyle auf, verzog aber knapp. Schliffke brüllte an der Seitenlinie, dass man ihn vermutlich bis nach Watford hörte. In der Halbzeit wechselte er: Noah Kinmont raus, der junge William Hayman rein. "Wir wollten mehr Stabilität im Aufbau", erklärte er später - und meinte wohl: weniger Chaos. Doch Millwall blieb eiskalt. Nach einer Stunde gab’s einen Schreckmoment, als Innenverteidiger Isaac Hartshorn verletzt raus musste. Sein Ersatz John Bancroft fügte sich nahtlos ein - so nahtlos, dass man fast vergaß, dass Millwall jetzt mit einem 23-Jährigen in der Abwehr spielte. Boreham Wood brachte kurz darauf Vitor Tiago, der für frischen Wind sorgte und zweimal (64. und 68.) gefährlich abschloss. Huxley parierte jeweils glänzend. Und dann kam die 78. Minute - Millwall in der typischen "Wir machen den Sack zu"-Manier. Wieder war es eine Kombination über rechts: Bradley Crichton marschierte die Linie entlang, legte quer, und Christopher Thackeray vollendete aus kurzer Distanz zum 2:0. Die Gäste jubelten verhalten, als wäre das alles reine Routine. "Wir haben das einfach runtergespielt", meinte Torschütze Thackeray danach - und klang dabei so unaufgeregt, als spräche er über einen verregneten Dienstag im Trainingslager. Boreham Wood gab trotzdem nicht auf. In der Schlussphase warfen sie alles nach vorn - inklusive Innenverteidiger Van Zandt, der plötzlich im Strafraum auftauchte. In der 90. Minute schließlich der verdiente Ehrentreffer: Ragip Toraman legte von rechts auf Davib Broderick ab, der mit links aus 14 Metern ins lange Eck traf. Das Stadion tobte, als wäre der Ausgleich gefallen. Doch mehr war nicht drin. "Wenn du 90 Minuten rennst und am Ende trotzdem verlierst, tut das weh", sagte Broderick später, verschwitzt, aber gefasst. Trainer Schliffke ergänzte trocken: "Wir haben alles reingehauen - leider auch die Bälle in die falschen Richtungen." Statistisch sah’s gar nicht so schlecht aus: 11 Torschüsse zu 17, 44 Prozent Ballbesitz, kämpferisch bis zum Schluss. Aber Millwall spielte clever, lauerte auf Fehler - und nutzte sie. Ihre defensive Grundordnung (viermal "defensive alignment", wie die Daten sagen) war so diszipliniert, dass selbst Borehams Offensivfeuerwerk nur Funken schlug. Am Ende stand ein klassischer englischer Auswärtssieg: glanzlos, effektiv, ein bisschen schmutzig - und genau deshalb verdient. Oder, wie Sonny Crocket es mit einem Augenzwinkern formulierte: "Wenn Schönheit Punkte bringen würde, hätten wir heute verloren. Zum Glück zählt nur das Ergebnis." Und das lautet: Boreham Wood 1, FC Millwall 2 - ein Spiel, das man nicht wegen der Eleganz, sondern wegen der Ehrlichkeit des Fußballs in Erinnerung behält. 30.08.643990 13:53 |
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