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Millwall schlägt Paris - mit Herz, Härte und einer Prise Wahnsinn

Ein nasskalter Januarabend in London, 58.106 Zuschauer, Flutlicht, Dampf und dieser unverwechselbare Duft aus Hoffnung und Bratwurst: Der FC Millwall empfängt Paris St. Michel zum letzten Gruppenspiel der Europaliga. Am Ende steht ein 1:0, das mehr nach heroischem Überlebenskampf als nach gepflegtem Ballbesitzfußball schmeckt - und genau deswegen lieben sie ihn hier im Süden Londons.

Von Beginn an schien Millwall entschlossen, dem französischen Glamour mit rustikalem Pragmatismus zu begegnen. Schon in der dritten Minute prüfte Daniel Darabont den Pariser Keeper Jacques Bergeron mit einem satten Schuss - erster Warnschuss, erste Duftmarke. Trainer Sonny Crocket stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, kaute Kaugummi, als würde er einen Western moderieren. "Wir wollten ihnen zeigen, dass sie hier nicht zum Sightseeing sind", sagte er später grinsend.

Paris antwortete in der 5. Minute mit einem Versuch von Henry Bosworth, der die Latte streifte. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die Engländer mit 15 Torschüssen gegenüber 10 der Gäste leicht die Nase vorn behielten. Der Ballbesitz? 50,5 zu 49,5 Prozent - also praktisch Gleichstand, aber wer jemals ein Spiel an der The Den gesehen hat, weiß: Statistik ist hier Deko.

Bis zur Pause blieb es beim 0:0, und während die Pariser in der Kabine vermutlich über die richtige Temperatur ihres Mineralwassers diskutierten, schworen sich die Millwall-Spieler lautstark auf "zweite Halbzeit, zweite Luft" ein. "Ich hab in der Pause gesagt: Jungs, wenn’s nicht schön geht, dann wenigstens laut", verriet Kapitän Isaac Hartshorn mit einem Augenzwinkern.

Die Entscheidung fiel in der 71. Minute. Bradley Davonport, der unermüdliche Linksaußen, zog an zwei Franzosen vorbei und legte quer auf Tyler Boyle. Der 27-Jährige nahm Maß, schoss - und das Stadion explodierte. 1:0 für Millwall. Kein Zufall, kein Glück, sondern pure Entschlossenheit. "Ich hab nur gedacht: Wenn ich treffe, spendiert Crocket vielleicht endlich ein Bier", lachte Boyle nach dem Spiel.

Paris St. Michel warf danach alles nach vorn. Trainer Jakub Jakubov schob seine Mannschaft immer weiter, ließ offensiv pressen und erlebte, wie seine Spieler mehr Gelb als Glanz zeigten: Didier Arnaud (79.) und Eustatius Costar (88.) sahen beide die Karte wegen, nun ja, übertrieben französischer Leidenschaft. "Wir haben gekämpft, aber der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Jakubov - und ergänzte trocken: "Vielleicht hätte er ein Visum gebraucht."

Kurz vor Schluss war’s noch einmal brenzlig: In der 87. Minute donnerte Francois Barre einen Freistoß aufs Tor, doch Millwalls Keeper Ethan Caviness, 22 Jahre jung und mit Reflexen wie ein Flummi, fischte das Ding aus dem Winkel. Danach tobte die Kurve, als ginge es um die Weltmeisterschaft.

Dass Crocket in der 77. Minute noch defensiv umstellte - Verteidiger John Bancroft und Stürmer Benjamin Fryer kamen - wirkte wie eine Mischung aus Mutprobe und Zeitspiel. Paris drückte, Millwall kratzte, schlug, wehrte. Die Nachspielzeit fühlte sich an wie eine Ewigkeit in Stollenstiefeln.

Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Crocket seinem Co-Trainer in die Arme, während Boyle irgendwo zwischen Freudentränen und Muskelkrampf verschwand. Die Statistik zeigte am Ende leichte Vorteile bei den Engländern: mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (52,4 zu 47,6 Prozent) und das entscheidende Tor. Der Rest war Leidenschaft.

"Das war kein Spiel für Feingeister, aber eins für Herzblut", fasste der Trainer zusammen. Und tatsächlich: Millwall spielte keinen Zauberfußball, aber ehrlichen. Paris St. Michel, technisch überlegen, verlor gegen eine Mannschaft, die einfach mehr wollte - und die bereit war, dafür auch mal die Stutzen schmutzig zu machen.

Im Presseraum nach dem Spiel fragte ein französischer Journalist mit hochgezogener Augenbraue: "Monsieur Crocket, war das Glück?" Der Trainer grinste, nahm einen Schluck Wasser und antwortete: "Glück? Nein. Das war englisches Wetter und französische Arroganz - dazwischen passt nur ein Ball."

Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst. Millwall zieht weiter, Paris fliegt raus. Und irgendwo in den Katakomben summte ein Ordner: "One-nil to the Millwall" - leise, aber mit Stolz.

Manchmal reicht ein Tor - wenn man es mit Herz schießt.

23.07.643987 07:53
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