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Es war ein dieser Londoner Abende, an denen der Regen droht, aber dann doch lieber in der Kneipe bleibt. 55.509 Zuschauer drängten sich im Stadion von Millwall, um zu sehen, ob ihre "Löwen" gegen den FC Southampton diesmal mehr Biss zeigen würden als zuletzt. Am Ende hieß es 2:1 - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet knapp war, aber emotional einem Boxkampf glich, bei dem beide Teams mit offenen Visieren kämpften. Schon zu Beginn war klar: Hier wird nichts abgewartet. Millwall-Trainer Sonny Crocket, im karierten Sakko und mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass seine Mannschaft immerhin den schöneren Stadionnamen hat, ließ offensiv spielen - und das mit Erfolg. In der 14. Minute schlug Alexander Mayhew zu, ein Treffer, der so sauber war, dass man ihn fast in einer Taktikschulung zeigen könnte. Christopher Thackeray, der Mann mit den unermüdlichen Sprints auf der rechten Seite, legte uneigennützig auf, Mayhew schloss trocken ab. 1:0. Southampton wirkte kurz geschockt, als hätte jemand den Busfahrer ausgewechselt. Doch in der 25. Minute zeigte Linksverteidiger Matthew Finnan, dass auch Verteidiger manchmal Träume haben dürfen. Nach Vorarbeit von Gerritt Van Cortlandt drosch er den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich dachte eigentlich, ich flanke", grinste Finnan nach dem Spiel, "aber manchmal macht der Ball, was er will." Doch Millwall antwortete prompt: Zehn Minuten später (34.) war es Tyler Boyle, der sich durch die Saints-Abwehr dribbelte, als spiele er in einem Parkmatch ohne Gegenspieler. Wieder kam die Vorlage von Thackeray - der damit sein zweites Assist des Abends verbuchte - und Boyle schob überlegt ein. 2:1, und die "Löwen" brüllten. Danach wurde es ruppig. Southampton versuchte es mit Aggressivität (die Statistik spricht von "STRONG" - was auf dem Platz manchmal "grenzwertig" heißt). Leo Broderick sah in der 62. Minute Gelb, nachdem er Darabont auf die unsanfte Tour vom Ball getrennt hatte. Millwall konterte mit Härte eigener Art: Alexander Mayhew, der Torschütze, holte sich in Minute 70 ebenfalls Gelb ab, wohl auch, weil er den Schiedsrichter etwas zu deutlich auf eine vermeintliche Schwalbe hingewiesen hatte. "Ich habe ihm nur gesagt, dass Gravitation bei uns in London anders funktioniert", meinte Mayhew später trocken. Das Spiel blieb intensiv. Benjamin Fryer musste zur Halbzeit verletzt raus - Muskelfaserriss, wie Trainer Crocket später bestätigte. "Wir hoffen, es ist nichts Schlimmes. Aber wenn du dich beim Jubeln verletzt, weißt du, dass du alles gegeben hast", sagte er mit einem Augenzwinkern. Sein Ersatz Joseph Lockwood machte seine Sache ordentlich und hatte in der Schlussphase sogar eine Großchance (84.), die Saints-Keeper Gabriel Clancy mit den Fingerspitzen entschärfte. Southampton-Coach Michael Böning reagierte mit einem Doppelwechsel in der 60. Minute: Gabriel Beecroft kam für Manuel Tiago, Liam Allington ersetzte William Corey. Doch die neue Frische verpuffte. Zwar hatten die Gäste am Ende 47 Prozent Ballbesitz und sieben Torschüsse, doch Millwall wirkte wacher, bissiger, einfach - entschlossener. "Wir wollten den Sieg mehr", sagte Torschütze Boyle. "Und wir hatten die besseren Haarschnitte." Kurz vor Schluss dann die Szene, die für Gesprächsstoff sorgte: In der 93. Minute flog Millwalls Samuel Bloomfield nach einem übermotivierten Einsteigen mit Rot vom Platz. "Er hat den Ball getroffen - aber leider erst nach dem Gegenspieler", kommentierte Crocket später mit einem Seufzen. Die letzten Minuten verteidigte Millwall dann mit zehn Mann - und dem Mut eines Teams, das wusste, dass es heute nichts zu verschenken gibt. Southampton drückte, kam durch Tiago (88.) noch einmal gefährlich vors Tor, doch Keeper Ethan Caviness hielt, was zu halten war. Statistisch war’s ein knappes Ding: 14 zu 7 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz für Millwall, Zweikampfquote 52,6 Prozent. Auf dem Papier ausgeglichen - auf dem Platz ein Kampf, der den Namen "englischer Fußball" verdient. "Wenn du nach 90 Minuten noch Gras zwischen den Zähnen hast, weißt du, dass du alles richtig gemacht hast", lachte Thackeray nach dem Spiel, während Crocket schon die nächste Pressekonferenz vorbereitete. Ein Abend, der zeigte: Millwall kann mehr als nur kämpfen - sie können auch treffen. Und Southampton? Sie nahmen immerhin ein Souvenir mit: ein paar blaue Flecken und die Erkenntnis, dass es in London keine Geschenke gibt. Nächste Woche geht’s weiter - hoffentlich wieder mit elf Mann auf dem Platz. 08.01.643994 12:49 |
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